Es besteht noch Hoffnung – Vorschau auf das Photovoltaik-Jahr 2020

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Zum Jahresende fahren die Modulpreise nochmals Achterbahn – hocheffiziente und bifaziale Module werden teurer, Mainstream-Module billiger, alle anderen stagnieren. Diese Veränderungen sind jedoch nicht durch bewusste Preisänderungen der Anbieter getrieben, sondern eher durch Mechanismen von Überangebot oder Engpass. Einige Hersteller werfen zum Quartalsende noch schnell alle Module auf den Markt, die ihre Vertragskunden bisher nicht abgenommen haben und bis Jahresende voraussichtlich auch nicht mehr abnehmen werden. Das betrifft vor allem Module mit geringeren Leistungen, oft mit polykristallinen Zellen, die in größeren Projekten eingeplant waren, welche nun doch nicht realisiert werden konnten. Bei den leistungsstärkeren Modulen, die eher in kleinen bis mittleren Anlagen zum Einsatz kommen, sieht es wieder ganz anders aus. Hier entspricht die Nachfrage bis zum Schluss in etwa dem Angebot, so dass sich keine größeren Lagerbestände aufgebaut haben, die zu vergünstigten Preisen aufgelöst werden müssten. Insgesamt blicken wir an diesem Jahresende auf ungewöhnlich ruhige letzte Wochen zurück, ganz ohne Hektik im Photovoltaik-Markt und der bisher häufig zu beobachtenden Torschlusspanik. Für 2020 sind demzufolge auch noch keine signifikanten Preissenkungen in Sicht – wir werden also in den kommenden Monaten auf die Marktentwicklung schauen und abwarten müssen, ob und in welche Richtung sich etwas bewegt.

Doch was tut sich derweil auf der Weltbühne, insbesondere beim Thema Klimakrisenbewältigung?

Eine weitere Chance, international eine Einigung zu erzielen und die entscheidenden Weichen zu stellen, hatten die Regierungschefs auf der UN Klimakonferenz im Dezember in Madrid. Um die Delegierten zu ermutigen, wirklich entscheidende Maßnahmen zu beschließen und voranzubringen, gab es am 29. November nochmals einen großen Klimastreik mit hunderttausenden Teilnehmern weltweit. Doch einmal mehr wurden nur halbherzige Absichtserklärungen verfasst und man versäumte, die dringend notwendigen, einschneidenden Veränderungen in unserem ressourcenverschlingenden Wirtschaftssystem auf den Weg zu bringen. So werden die Schüler von „Fridays For Future“, gemeinsam mit den Wissenschaftlern von „Scientists For Future“ und allen anderen Gruppierungen, die gegen den fortschreitenden Klimawandel eintreten, im neuen Jahr wohl weiter streiken müssen. Die Proteste werden irgendwann einmal Wirkung zeigen, soviel ist sicher. Denn es gibt keine Alternative, auch wenn viele Menschen vielleicht unsinnigerweise noch auf ein Wunder hoffen. Die negativen Zeichen der Klimaerwärmung sind allerorts schon klar erkennbar.

Im Energiesektor werden die regenerativen Energieträger eine tragende Rolle spielen, das ist mittlerweile breiter Konsens. Dazu müssen zügig alle Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden, die eine Nutzung außerhalb des staatlich geförderten Rahmens momentan noch behindern. Hierzu gehören bürokratische Hürden bei der Umsetzung von Mieterstrommodellen und Bürgerenergieanlagen, zu hohe Netzdurchleitungsentgelte, Steuern und vor allem die EEG-Umlage auf direkt gelieferten oder selbstgenutzen Strom aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Einige Erleichterungen werden wir bereits in 2020 sehen, allen voran den Wegfall des 52-Gigawatt-Deckels für Photovoltaik-Anlagen im deutschen EEG. Unabhängig davon, wie hoch oder wie niedrig die staatlich garantierte Einspeisevergütung in Zukunft sein wird, sie ist ein wichtiges Instrument, um Banken und Investoren einen wirtschaftlichen Anreiz zu geben und die Planungssicherheit zu gewährleisten.

Auf der technologischen Seite werden wir eine weitere Effizienzsteigerung bei Solarmodulen sehen, wobei die Tage der polykristallinen Module wohl gezählt sind. Fast alle größeren Hersteller haben ihre Produktionslinien auf rein monokristalline Zellen und Module umgestellt. Das Preisniveau wird sich dabei allenfalls noch geringfügig nach unten bewegen, solange es sich um keine Lagerräumungs- beziehungsweise Notverkäufe dreht. Das Ende der abwärts zeigenden Preisschraube durch effizientere Fertigungstechnologien und vor allem durch Skalierung scheint zumindest bei siliziumbasierten Produkten erreicht zu sein, das zeigen auch die seit Monaten seitwärts verlaufenden Preiskurven im pvXchange-Photovoltaik-Preisindex.

Ein interessanter Trend im Windsektor wurde im November auf dem „Forum Neue Energiewelt“ in Berlin vorgestellt: schwimmende Windkraftanlagen. Der Verzicht auf im Meeresboden verankerte Fundamente und damit starre Strukturen erlaubt die Erschließung von neuen Offshore-Gebieten und die Vergrößerung der Windturbinen über die 10-Megawatt-Leistungsgrenze hinaus. Dennoch bleibt zu hoffen, dass die angekündigte neue Abstandsregelung für Onshore-Windkraftanlagen in Deutschland nochmals überdacht wird. Diese Turbinen helfen nun einmal dabei, überdimensionierte und teure Stromtrassen zu vermeiden, die ja ähnliche Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung haben, wie die modernen großen Windkraftanlagen. Als probates Mittel zur Akzeptanzverbesserung eignet sich die Einbeziehung und finanzielle Beteiligung der Anwohner. Hier können wir uns in Zukunft auf immer neue Ideen und innovative Modelle freuen. Die Klimakrise ist nun mal nicht von Einzelnen, sondern nur gemeinsam zu bewältigen!

— Der Autor Martin Schachinger ist studierter Elektroingenieur und seit über 20 Jahren im Bereich Photovoltaik und regenerative Energien aktiv. 2004 machte er sich selbständig und gründete die international bekannte Online-Handelsplattform pvXchange.com, über die Großhändler, Installateure und Servicefirmen neben Standardkomponenten auch Solarmodule und –wechselrichter beziehen können, welche nicht mehr hergestellt werden, aber für die Instandsetzung defekter Photovoltaik-Anlagen dringend benötigt werden. —

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