The Smarter E Europe: Raus aus der Nische

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pv magazine: Die Intersolar Europe ist jetzt Teil von The smarter E Europe und diese startete letztes Jahr mit einem ganz neuen Konzept. Das Motto ist nun, kurz zusammengefasst, raus aus der Nische der Erneuerbaren. Ist das geglückt?

Markus Elsässer (Foto): Ja, absolut. Wir haben die Veranstaltung im letzten Jahr mit zwei neuen Fachmessen noch breiter aufgestellt. Sie fanden neben der Intersolar Europe, die wir seit 27 Jahren ausrichten, und der Batterie- und Energiespeicher-Messe, der ees Europe, die wir seit 2014 veranstalten, gleichzeitig auf der Plattform The smarter E Europe statt. Dieses Jahr wird es wieder so sein. Wir sehen ein deutliches Wachstum von rund 20 Prozent in der Ausstellungsfläche und erwarten etwa 1.300 Aussteller. Wir sind auch sehr zuversichtlich, dass wir wieder etwa 50.000 Fachbesucher aus 160 Ländern begrüßen können. The smarter E Europe ist damit die größte energiewirtschaftliche Plattform in Europa. Das zeigt, dass das Konzept aufgeht und vom Markt angenommen wird.

Teil des neuen Konzepts ist, neue Besuchergruppen anzulocken. Sind diese gekommen und verstärkt sich der Trend?

Wir haben bereits im letzten Jahr gesehen, dass wir viele neue Besucherzielgruppen erschließen konnten, beispielsweise aus der internationalen Energiewirtschaft, aber auch bei Gewerbe- und Industrieunternehmen, die ihre Energieversorgung auf erneuerbare Energien umstellen und CO2-neutral produzieren wollen. An bestimmten Teilbereichen unserer neuen Veranstaltungen arbeiten wir noch. Wir sind uns aber sicher, dass wir hier mit weiterentwickelten Angeboten die Besucherzielgruppen noch besser erreichen können. Insofern wird es auch dieses Jahr wieder Neuerungen geben.

An welchen Besuchergruppen müssen Sie noch arbeiten?

Im Bereich der Elektromobilität gibt es beispielsweise Zielgruppen, die wir bisher noch nicht so stark adressiert haben. Die Elektromobilität war die Jahre zuvor ein Randthema innerhalb der Intersolar Europe und fand überwiegend in Sonderschauen statt. Jetzt haben wir mit der Power2Drive Europe eine eigene Messehalle zum Thema Ladeinfrastruktur, intelligentes Laden und Elektromobilität, auf der die Besucher neue Entwicklungen kennenlernen und erleben können. Damit sprechen wir Zielgruppen außerhalb der Energiewirtschaft an, die wir bisher über die klassischen Energieveranstaltungen Intersolar und ees so noch nicht erreicht haben. Etwa die Wohnungswirtschaft, Facility-Manager, Flottenmanager oder auch Zulieferer und Entwickler der Automobilwirtschaft selbst. Bei einer Reihe von Zielgruppen sind wir erst seit einem Jahr in der Kommunikation und erwarten daher deutliche Zuwächse in den nächsten Jahren.

The smarter E Europe

The smarter E Europe besteht aus vier Fachmessen und Konferenzen. Die Messen finden zeitgleich in München vom 15. Mai bis 17. Mai statt, die Konferenzen am 14. und 15. Mai. pv magazine kooperiert mit dem Veranstalter Solar Promotion und veröffentlicht in der internationalen April-Ausgabe einen Schwerpunkt zu den relevanten Themen. Die vier Messen und Konferenzen mit ihren Themen im Einzelnen:

  • Intersolar Europe: Photovoltaik, Solarthermie, Solarkraftwerke, Netzinfrastruktur und Lösungen für die Integration erneuerbarer Energien
  • ees Europe: Energiespeichertechnologien, Energiespeichersysteme, Batterieproduktionstechnik
  • Power2Drive Europe: Ladeinfrastruktur, Antriebsbatterien, Elektromobilität
  • EM-Power: Effiziente Energienutzung, Energiemanagement, Energiedienstleistungen

Wie sieht es mit den Energieversorgern aus?

Der Anteil der Besucher aus der internationalen Energiewirtschaft hat deutlich zugenommen, da wir mit The smarter E Europe Märkte, Technologien und neue Entwicklungen der Energiewirtschaft jetzt branchenübergreifend in den Fokus stellen. Die relevanten Themen des erneuerbaren Gesamtsystems mit Dezentralisierung, Digitalisierung, virtuellen Kraftwerken, Netzen, Microgrids, Energiemanagement, Speicherung und Elektrifizierung des Verkehrssektors spielen wir alle auf der The smarter E Europe.

Sie haben ja auch den Energiewende-Award mitsamt einer Studie ins Leben gerufen (siehe Kasten am Ende des Interviews). Danach hat bisher nur ein Fünftel der Energieversorger Photovoltaik im Angebot. Werden die anderen nachziehen und auch auf der The smarter E Europe sein?

Es geht keinen Weg daran vorbei. Wenn ich als Energieversorger in der Zukunft weiterhin im Energiegeschäft erfolgreich sein möchte, dann geht es nur, wenn ich auf erneuerbare Energien umstelle und die eigenen Erzeugungskapazitäten entsprechend umbaue. Innovative Energieversorger unterstützen diejenigen, die ihre Energieversorgung selbst organisieren wollen und bieten entsprechende Lösungen an. Andere treten auch als Energiemittler auf und bieten Plattformen an, die dezentrale Erzeuger und Verbraucher zusammenbringen.

Sind im Bereich Anlagenbau die Energieversorger Wettbewerber der Installateure?

Das muss nicht zwingend so sein. Es gibt auch viele Energieversorger, die mit dem Fachhandwerk gut zusammenarbeiten und diesem Aufträge und Kunden vermitteln.

Also ein befruchtendes Treffen auf der Intersolar, wenn In­stallateure und Energieversorger zusammenkommen?

Absolut, ja.

Was gibt es dieses Jahr sonst Neues?

Wir werden beispielsweise das Thema Power-to-Gas ausbauen. Auf der ees Europe ging es bisher zu 90 Prozent um Batteriespeicher und damit um Kurzzeit-Stromspeicherung. Hier wollen wir das Angebot künftig deutlich erweitern. Je höher der Anteil der erneuerbaren Energien im Stromnetz wird, umso wichtiger werden Langzeitspeicherungen und saisonale Speichertechnologien wie Power-to-Gas. Wir haben dazu in diesem Jahr mit den zwei wesentlichen Verbänden in Europa eine strategische Partnerschaft zum Thema Power-to-Gas vereinbart. Das ist zum einen der Verband Eurogas, der die Firmen für die Gas-Infrastruktur, die Gasspeicher und das Gasleitungsnetz vertritt. Und das ist der Verband Hydrogen Europe, der zum Beispiel Ausrüster für die Elektrolyse sowie Akteure aus dem Energie- und Transportsektor als Mitglieder hat. Mit beiden und mit deren Mitgliedsunternehmen wollen wir das Thema vorstellen. Außerdem wird es dazu eine eigenständige Konferenz geben.

Und im Solarbereich?

Hier sehen wir endlich wieder ein deutliches Wachstum in Europa und zunehmend auch die Realisierung von subventionsfreien Kraftwerken. Das fing in Spanien an und jetzt gibt es die ersten Ankündigungen für Deutschland. Umso mehr das bekannt wird, umso mehr wird es die Akteure in der Energiewirtschaft, aber auch Industriebetriebe und Gewerbebetriebe motivieren, sich mit der Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien zu beschäftigen. Das werden wir in unseren Programmen, in Foren und in der Konferenz aufgreifen. In den nächsten Jahren werden subventionsfreie Kraftwerke immer häufiger gebaut werden und einen größeren Marktanteil erreichen.

Ich hab da mal eine Frage …

Im Auftrag von The smarter E Europe analysiert EuPD Research nun zum dritten Mal in Folge Energieversorger und vergibt den Energiewende-Award in diversen Kategorien. Besonders spannend: das Mystery Shopping.

Energieversorger genießen Vertrauen in weiten Teilen der Bevölkerung und diese hält es zu mehr als 70 Prozent für wichtig, dass die Unternehmen zu Energiewendefragen und den erneuerbaren Technologien beraten können. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 501 Endkunden durch EuPD Research. Das ist zwar einerseits eine große Chance für die Energiewende, andererseits ist es eine Bürde. Denn Energieversorger müssen sich das Know-how teilweise erst noch erarbeiten. Der Energiewende-Award von The smarter E Europe, Deutsches Clean Tech Institut DCTI und EuPD Research untersucht daher jährlich, welche Anforderungen die Endkunden an die Energieversorger stellen und in welchem Maße die einzelnen Energieversorger der DACH-Region diese Bedürfnisse erfüllen.

EuPD hat dabei nicht nur die Endkunden befragt. Die Forscher haben sich auch als Endkunden ausgegeben und haben in direkten Interviews dieses Jahr auch die inhaltliche Qualität der Beratung direkt überprüft. Das nennt man Mystery Shopping. „Ich habe eine Frage bezüglich meines Heizungssystems“, fängt eine der Fragen an. „Wir haben eine Photovoltaikanlage mit neun Kilowattpeak installiert und überlegen nun, diese zur Heizungsunterstützung zu nutzen. Können Sie uns Informationen über Technik und Kosten geben? Aktuell haben wir eine Gasheizung installiert.“

Nicht alle angesprochenen Energieversorger bestanden diesen Test. Ein Experte eines Energieversorgers sagte: „Eine Photovoltaikanlage erzeugt mithilfe der Sonneneinstrahlung Strom und keine Wärme zur Unterstützung der Heizungsanlage. Dieses tun sogenannte Solarthermieanlagen.“ Auch wenn die Antwort nicht falsch ist, fehlt doch der richtige Hinweis darauf, dass man auch mit Photovoltaik­strom heizen kann. Ähnlich äußerte sich ein zweites befragtes Unternehmen.

Gute- und schlechte Beispiele

Doch nicht nur falsche oder unzureichende Antworten zeugen von schlechter Qualität: „Da ich Sie in unserer Kundendatei nicht gefunden habe, kann ich Ihnen, was Ihre Frage betrifft, leider nicht weiterhelfen“, musste sich einer der Testanrufer sagen lassen. Er wollte wissen, ob es sinnvoll sei, seinen Batteriespeicher zu erweitern.

Andererseits, jeder vierte Energieversorger erreicht in diesem Test eine sehr gute Beratungsqualität im Strombereich, weitere 15 Prozent eine gute. Am Ende analysieren die Forscher die Versorger nach 50 Kriterien. Der Preis für die Best-Practice-Beispiele Europe in den Kategorien Strom, Wärme, Mobilität, Energieeffizienz und Energiewende wird im Mai auf der The smarter E Europe vergeben.

The smarter E und die Intersolar finden jetzt in vielen Ländern statt. Wo erwarten Sie das größte Wachstum?

Das größte Wachstum sehen wir aktuell auf unserer Messe in Brasilien. Aber auch für Mexiko, wo wir in diesem Jahr zum ersten Mal mit der Intersolar parallel zur Green Expo im September aktiv sind, erwarten wir in den nächsten Jahren ein gutes Wachstum.

Sie arbeiten bei Power-to-Gas eng mit den Verbänden zusammen. Ist das in jedem Themenbereich mit den Verbänden so?

Wir beschäftigen uns für jede Messe mit den wesentlichen Themen, die den Markt aktuell und künftig bewegen. Dabei geht es auch darum, dass wir die relevanten Fachverbände dabei unterstützen, Marktbarrieren zu beseitigen und die Märkte insgesamt voranzubringen. Wir arbeiten seit unserem Start vor 30 Jahren daran, die erneuerbaren Energien im Markt voranzubringen. Es wird zunehmend wichtiger, Barrieren zu beseitigen und den Ausbau der Erneuerbaren zu beschleunigen, insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels. Dazu gehört auch, die Energiewirtschaft sektorenübergreifend, digital und dezentral zu betrachten und die Bereiche Strom, Wärme und Mobilität auf Basis von erneuerbaren Energien intelligent miteinander zu verknüpfen. Wir haben beispielsweise vor Kurzem ein Manifest mit Verbänden aus dem Bereich erneuerbare Energien veröffentlicht, an dem der Solarverband, der Windverband und die Verbände für die Elektromobilität beteiligt sind. Wir wollen damit zeigen, dass wir den Verkehrssektor mit erneuerbarer Energie elektrifizieren müssen und dass die erneuerbaren Verbände und die des Transportsektors sich dabei eng koordinieren müssen.

Gab es Reaktionen auf das Manifest?

Ja. Es gab eine breite Berichterstattung zu dem Thema. Weitere Verbände haben Interesse daran bekundet, das Manifest ebenfalls zu unterzeichnen, etwa der europäische Verband für Elektromobilität. Innerhalb der Verbände der Erneuerbaren haben sich Arbeitsgruppen gegründet, die sich mit dem Thema der Schnittstellen zur Elektromobilität beschäftigen.

Sie wollen mit The smarter E nun die gesamte Energiewirtschaft erfassen. Einzelbetrachtungen führen in der neuen Energiewelt nicht mehr weiter. Müssen die Verbände auch mehr gemeinsam vorgehen?

Wir brauchen einen branchenübergreifenden und sektorübergreifenden Austausch. Nur dann kann man das Gesamtsystem wirklich entwickeln und die Klimaschutzziele erreichen. Damit müssen sich auch die Verbände beschäftigen. Vielleicht können wir Impulse geben und zeigen, wie wir uns aufstellen und wie wir uns entwickelt haben von einer Messe, die sich rein in der Erzeugung bewegt hat, zu einer Messe, die im Gesamtenergiesystem der gesamten neuen Energiewelt zu Hause ist. Aber wir sehen uns nicht in der Rolle, den Verbänden hier Ratschläge zu geben.