RWE betreibt gesundheitsschädlichste Kohlekraftwerke in Europa

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Der Betrieb von Kohlekraftwerken hat erhebliche gesundheitsschädliche Auswirkungen. Nach dem am Dienstag veröffentlichten Bericht „Last Gasp“ von Greenpeace, Sandbag und anderen Umweltorganisationen summierten sich die Kosten in Folge gesundheitsschädlicher Emissionen aller in der EU betriebenen Kohlekraftwerke auf mindestens 22 Milliarden Euro im Jahr 2016. Zwei Drittel dieser Folgekosten entfielen auf zehn Energiekonzerne. Aus deutscher Sicht gehörten neben RWE auch Uniper und Steag dazu. Ebenso in den „Top 10“ befindet sich der tschechische Konzern EPH, der von Vattenfall die Braunkohlekraftwerke übernommen hat.

Aus der veröffentlichten Liste in dem Bericht gehen auf das Konto von RWE allein knapp 2,8 Milliarden Euro der Folgekosten und 1880 vorzeitige Todesfälle. Dahinter folgt EPH mit 2,2 Milliarden Euro und 1455 vorzeitigen Todesfällen. Uniper liegt auf Rang sechs und Steag folgt auf Platz neun. Die weiteren in Deutschland aktiven Energiekonzerne EnBW (Rang 12) und Vattenfall (Rang 21) liegen auch im Vorderfeld der 104 Betreiber von Kohlekraftwerken umfassenden Liste.

Der Report modelliert auf Basis der jüngsten Emissions- und Wetterdaten die Gesundheitsschäden durch Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Feinstaub. Demnach verursacht eine Megawattstunde Kohlestrom der zehn größten Kohleunternehmen durchschnittliche Gesundheitskosten in Höhe von 56 Euro, wie es weiter heißt. Nicht berücksichtigt seien dabei die Auswirkungen von Schadstoffen wie Quecksilber, Cadmium oder Blei, die ebenfalls bei der Verbrennung von Kohle entstehen. Entsprechend liegen die tatsächlichen Gesundheitskosten durch Kohlekraftwerke weit höher.

„Ein schneller Kohleausstieg birgt Vorteile für Gesundheit und Umwelt“, sagt Dieter Lehmkuhl, von der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit, der den Report wissenschaftlich begutachtet hat. Greenpeace nutzte den Bericht, um von der Bundesregierung erneut einen schnellen Kohleausstieg zu fordern. Derzeit entwickelt die so genannte Kohlekommission im Auftrag der Bundesregierung einen Pfad, wie Deutschland sozial- und klimaverträglich aus der Kohle aussteigen kann. Sie will in Kürze ihre finalen Vorschläge der Bundesregierung zur Entscheidung vorlegen.

Kernpunkte der Diskussion sind dabei Sofortmaßnahmen, die helfen sollen, das stark gefährdete deutsche Klimaziel für das Jahr 2020 möglichst rasch zu erreichen, sowie das Enddatum, zu dem der letzte Kohlemeiler vom Netz gehen soll. Nach Ansicht von Greenpeace gilt ein ehrgeiziger deutscher Ausstiegsplan auch als zentrales Signal für die Anfang Dezember im polnischen Kattowitz startende Weltklimakonferenz. Bislang reichten die Klimazusagen der Staaten bei weitem nicht, um den Temperaturanstieg wie in Paris beschlossen auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. „Wenn selbst reiche Industrieländer wie Deutschland die eigenen Klimaversprechen reißen, werden andere Staaten kaum draufsatteln“, so Greenpeace-Sprecher Christoph Lieven.