Cloud und Community steuerlich betrachtet

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Viele Anbieter von Batteriespeichern für Photovoltaik-Anlagen wollen ihre Kunden rundum versorgt sehen. Wer aus der Photovoltaik-Anlage den Eigenbedarf deckt und im Speicher den Solarstrom für die Nacht zwischenspeichert, bezieht oft nur noch einen Bruchteil des Stromverbrauchs aus dem Netz und vom Energieversorger. Diese verbleibende Versorgungslücke wollen die Batterieanbieter mit eigenen Stromangeboten füllen, die der Kunde beim Speicherkauf gleich mit abschließen soll. Die Anbieter bezeichnen diese Tarife mit Begriffen wie Stromcloud, Community oder Stromflat. Ich beschränke mich bei der folgenden Betrachtung auf den Oberbegriff Cloudtarif.

Batteriespeicher im Steuerrecht

Wie Batteriespeicher für Photovoltaik-Anlagen steuerrechtlich zu behandeln sind, hat die Finanzverwaltung bereits vor einiger Zeit beschrieben. Das Bayerische Landesamt für Steuern schreibt dazu, dass bei Batteriespeichern, die dem privaten Eigenverbrauch dienen, keine Abschreibung geltend gemacht werden kann. Falls der Speicher zeitgleich mit der Photovoltaik-Anlage gekauft wird, kann jedoch die Vorsteuer vom Finanzamt erstattet werden, wenn der Betreiber umsatzsteuerpflichtig ist. Bei der Nachrüstung eines Speichers ist auch keine Vorsteuererstattung möglich.

Zu der Frage, wie sich Cloudtarife auf die steuerliche Behandlung der Photovoltaik-Anlage auswirken, hat sich die Finanzverwaltung bisher nicht geäußert. Eine verbindliche amtliche Auslegung des Steuerrechts auf diese Fälle gibt es deshalb noch nicht. Es bleibt uns also nichts übrig als diese Auslegung selbst zu versuchen, zumal es schon Entscheidungen in ähnlich gelagerten Fragestellungen aus anderen Bereichen gegeben hat.

Verschiedene Tarifmodelle

Angeboten wird meist eine dieser drei Arten von Tarifmodellen und weitere Abwandlungen davon wären denkbar:

A: Die Stromeinspeisung ins Netz (in die Cloud) wird vergütet, entweder zum EEG-Satz oder zu einem anderen meist ähnlichen Betrag. Für den Strombezug wird eine feste monatliche Pauschale abgerechnet.

B: Die Stromeinspeisung wird wie bei A vergütet. Für den Rückbezug werden feste Beträge pro Kilowattstunde berechnet, die bis zur eingespeisten Menge ähnlich oder gleich hoch wie die Einspeisevergütung. Dazu kommt eine monatliche Pauschale.

C: Die eingespeiste Strommenge wird nicht vergütet, sondern direkt mit dem Strombezug verrechnet, der zu einem anderen Zeitpunkt (davor oder danach) stattfindet. Hierbei kann es sein, dass weniger zurück bezogen wird als eingespeist wurde oder umgekehrt mehr bezogen wird als eingespeist wurde. Zu zahlen ist eine monatliche Pauschale und bei Mehrbezug gegenüber der eingespeisten Menge entstehen Zusatzkosten.

Schon ohne die steuerliche Betrachtung zeigen die umfangreichen Verträge und AGBs, die man bei Abschluss eines Cloudtarifes unterschreiben muss, wie rechtlich kompliziert das Konzept anscheinend ist. Das macht auch die steuerrechtliche Betrachtung unübersichtlich.

Dabei werden die Cloudtarife ganz einfach verkauft mit der Erzählung, man würde seinen eigenen Solarstrom zunächst in die Cloud speisen, dort speichern und zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückholen. Das stimmt physikalisch natürlich nicht. Aber auch steuerlich handelt es sich dabei wohl nicht einfach um zeitversetzten Eigenverbrauch, sondern eher um zwei verschiedene Vorgänge.

Umsatzsteuer

Besonders in der Umsatzsteuer ist genau zu prüfen, was da vor sich geht.  Es sind wirtschaftlich zwei getrennte Vorgänge: Erstens die Lieferung des Solarstroms in die Cloud und zweitens die (Rück-) Lieferung des Stroms aus der Cloud an den Anlagenbetreiber.

Der Anlagenbetreiber als Unternehmer liefert Solarstrom aus dem Unternehmen an den Cloudbetreiber. Die Gegenleistung (Vergütung) die er erhält ist entweder eine Einspeisevergütung oder  die Möglichkeit, den Strom zum privaten Verbrauch später wieder zu entnehmen. Man könnte das also auch als Tauschgeschäft bezeichnen.

Klar scheint jedoch zu sein, dass es sich bei der Einspeisung in die Cloud – faktisch ins Netz – genauso um eine unternehmerische Nutzung der Photovoltaik-Anlage handelt, wie das bei der klassischen Überschusseinspeisung der Fall ist. Der steuerliche Umsatz entspricht der Vergütung, die der Anlagenbetreiber erhält, entweder vom Netzbetreiber oder vom Cloudbetreiber. Übrigens wäre es für diesen Fall einmal interessant zu prüfen, ob die Abrechnungen der Cloudbetreiber mit dem Anlagenbetreiber die Umsatzsteuer korrekt ausweisen und vergüten, die der Anlagenbetreiber ans Finanzamt zu zahlen hat.

Bekommt der Einspeiser keine vertraglich vereinbarte Vergütung, sondern den Strom zeitversetzt für privaten Eigenverbrauch, wäre die umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage das was der Betreiber für dieses Tauschgeschäft aufwendet. Das ist in diesem Fall die EEG-Vergütung, auf die er verzichtet. Auch in diesem Fall muss der Anlagenbetreiber die entsprechende Umsatzsteuer ans Finanzamt zahlen.

Wer sich mit der ganzen Umsatzsteuer nicht herumschlagen will, kann natürlich auch die Kleinunternehmerregelung wählen und verzichtet dann eben auf den Vorteil, die beim Kauf bezahlte Mehrwertsteuer vom Finanzamt zurückerstattet zu bekommen (Vorsteuererstattung). Das geht, wenn der Anlagenbetreiber mit allen umsatzsteuerpflichtigen Tätigkeiten im Jahr nicht mehr als 17.500 Euro einnimmt (Umsatz, nicht Gewinn). Wer ausschließlich eine Photovoltaik-Anlage auf dem privaten Hausdach betreibt, liegt immer unter dieser Grenze.

Ertragssteuer

Die ertragssteuerliche Behandlung ist vermutlich etwas einfacher als die umsatzsteuerliche. Soweit der Strom ins Netz und in die Cloud eingespeist wird, handelt es sich um eine unternehmerische Nutzung und um betriebliche Einkünfte in der Höhe, wie sie auch umsatzsteuerlich bewertet wurden. Bei Einspeisung gegen Entgelt ist das die Höhe des Vergütungspreises und beim Tauschgeschäft ohne Vergütung die entgangene Einspeisevergütung laut EEG oder eben die Vergütung die vom Cloudanbieter als Gutschrift für die Einspeisung angerechnet wird.

Eine Kleinunternehmerregelung gibt es ertragssteuerlich nicht, anders als bei der Umsatzsteuer. Ob ich dieses Thema mit dem Finanzamt erörtern muss, hängt objektiv davon ab, ob ich mit der Photovoltaik-Anlage einen steuerlichen Gewinn erziele. Wie man das betrachtet, wird im Artikel „Photovoltaik ohne Finanzamt“ erklärt.

Private Kosten

Die Kosten für den Rückbezug des Stroms aus der Cloud, egal ob dieser nach Kilowattstunden abgerechnet wird oder soweit es die Monatspauschale betrifft, können nicht als Aufwand für das Unternehmen „Photovoltaik-Anlage“ geltend gemacht werden, wenn der Strom im Privathaushalt verbraucht wird. Auch ein Vorsteuerabzug für diese Beträge ist dann nicht möglich.

Die von manchen geäußerte Hoffnung, durch die Cloud würde sich die steuerliche Behandlung der Photovoltaik-Anlage als unternehmerische Tätigkeit erübrigen, scheint sich nach unseren Überlegungen nicht zu erfüllen.

Wie geht’s praktisch?

Betrachten Sie diesen ersten Beitrag zur steuerlichen Behandlung von Cloudtarifen nicht als Praxistipp, sondern als ersten Diskussionsbeitrag. Wir freuen uns über weitere Fragen, Anregungen und Lösungsvorschläge von Steuerfachleuten und Praktikern. Ganz besonders interessant wären für uns Erfahrungen von Cloudtarif-Kunden mit ihrem Finanzamt. Schreiben Sie uns gern eine E-Mail an redaktion@pv-magazine.com.

Lohnt sich die Umsatzsteuerpflicht und der Vorsteuerabzug oder wählt man besser die Kleinunternehmerregelung?

Ein Rechenbeispiel:

PV-Anlage mit 7 kWp, Kaufpreis 1.300 € pro kWp netto = 9.100 € + 1.729 € USt.
Batteriespeicher mit 6 kWh Kapazität für 6.000 € + 1.140 € USt.
mögliche Vorsteuererstattung insgesamt 2.869 €
Gesamtstromverbrauch 6.000 kWh
PV-Erzeugung 6.300 kWh

Verwendung des Solarstroms:
davon Direktverbrauch aus PV und via Speicher: 3.500 kWh
Einspeisung in Cloud und Rücklieferung: 2.500 kWh
Überschusseinspeisung ins Netz: 300 kWh

Umsatzsteuer auf direkten Eigenverbrauch: 3.500 kWh * 0,23 € * 0,19 = 153 €
x 6 Jahre (dann Wechsel auf Kleinunternehmer) = 918 €

Für den Strom der in die Cloud gespeist wird und den Überschussstrom der nur ins Netz gespeist wird, erhält der Betreiber die Umsatzsteuer, die er ans Finanzamt abführt (Durchlaufposten ohne Vor- oder Nachteil).

Für den aus der Cloud zurückbezogenen Strom bezahlt der Betreiber die Umsatzsteuer auf den Verrechnungsbetrag des Cloudbetreibers, zum Beispiel 12 Cent.

Strombezug aus der Cloud: 2.500 kWh * 0,12 * 0,19 = 57 €
Außerdem zahlt der Betreiber die Umsatzsteuer auf den monatlichen Pauschalbetrag für die Cloud, zum Beispiel 16,81 € * 12 Monate *0,19 = 38 €Diese Umsatzsteuerbeträge beziehen sich auf den privaten Stromverbrauch und sind deshalb nicht als Vorsteuer abziehbar.

Ergebnis:
Bei Umsatzsteuerpflicht steht der Vorsteuererstattung von 2.869 € eine Umsatzsteuerzahlung für Eigenverbrauch von 918 € gegenüber. Es bleiben 1.951 € Vorteil gegenüber der Kleinunternehmerregelung. Der Aufwand dafür sind zwei Kalenderjahre monatliche Umsatzsteuervoranmeldungen und jährliche Umsatzsteuervoranmeldungen bis zum Wechsel im siebten Jahr.

Der Autor Thomas Seltmann ist unabhängiger Experte für Photovoltaik und Autor des Ratgebers „Photovoltaik – Solarstrom vom Dach“ der Stiftung Warentest. Er arbeitet als Referent Photovoltaik bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Mit der steuerlichen Behandlung von Photovoltaik-Anlagen beschäftigt er sich seit über 20 Jahren.