Die Verkehrswende kommt aus China

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Bei der Verkehrswende sind die Chinesen inzwischen an der Spitze. Während Deutschland und Europa bei der E-Mobilität noch zögern und die deutschen Autokonzerne noch immer schlafen, zeigt das Reich der Mitte, dass und wie es schneller geht mit dem Umstieg auf E-Mobility.

Die globale Energiewende nahm im Jahr 2000 durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Deutschland  ihren Anfang. Inzwischen haben nahezu 100 Länder dieses Gesetz mit Einspeise-Vergütungen  in der Intention übernommen. Heute ist das bevölkerungsreichste Land der Welt, China mit 1,4 Milliarden Menschen, bei der Energiewende vorn.

Auch mit Hilfe deutscher Technik und durch kluge staatliche Unterstützung – vor allem durch billige Staatskredite für die Solarbranche ist China heute Solarweltmeister in einer der wichtigsten Zukunftsbranchen. Solarstrom wird jetzt weltweit Sozialstrom.

Aber auch bei der Verkehrswende sind die Chinesen inzwischen an der Spitze. Während Deutschland und Europa bei der E-Mobilität noch zögern und die deutschen Autokonzerne noch immer schlafen, zeigt das Reich der Mitte, dass und wie es schneller geht mit dem Umstieg auf E-Mobility.

Keine Energiewende ohne Verkehrswende

Weltweit sind bereits 385.000 Elektro-Busse unterwegs, aber noch wenige in Deutschland. Daimler hat bisher ein einziges Modell vorgestellt. 99% aller E-Busse fahren in China. In der 13-Millionen-Stadt Shenzen in Südchina fahren über 16.000 öffentliche Busse, alle elektrisch. Ebenso zwei Drittel aller 17.000 Taxen. In der Stadt gibt es über 13.000 öffentliche Ladestationen. Fast jeder fünfte Bus in China fährt bereits elektrisch, in Peking jeder dritte.

Hauptursache: Der chinesischen Bevölkerung stinkt´s. Die Luft ist so schmutzig und gesundheitsgefährdend, dass an manchen Herbst- und Wintertagen  die Chinesen nur noch mit Mundschutz auf die Straße gehen. Die Regierung hat angeordnet, dass Kinder nicht mehr im Freien spielen dürfen. Zehntausende Aufstände in ganz China sind die Folge, etwa eine halbe Million Menschen erleiden jedes Jahr einen frühzeitigen Tod durch schlechte Luft.

Die dramatische Klimaveränderung und Luftverschmutzung ist in China zu einer Machtfrage für die kommunistische Partei geworden.

Zum Vergleich Deutschland: Hierzulande fahren von 78.000 Omnibussen ganze 458 ohne Verbrennungsmotor. Wann endlich stink´s auch den Deutschen? Es kann keine Energiewende geben ohne Verkehrswende.

Lernen von China

Es ist die schiere politische Not und die zunehmende Umweltbelastung, welche China ins Zeitalter der Elektro-Mobilität treibt. Dadurch nimmt das Reich der Mitte  eine Vorreiterstellung bei der Verkehrswende ein.

Westlichen Ländern steht diese Entwicklung noch bevor. Die ersten Fahrverbote für Diesel in Deutschland machen aber auf die notwendige Veränderung auch hierzulande  aufmerksam. Die Politik hat den verantwortungslosen und kriminellen deutschen Autobossen bisher wie blind zugesehen. Immerhin macht die deutsche Justiz noch ihre Hausaufgaben gegenüber der Öffentlichkeit: Audi-Chef Stadler sitzt bereits hinter Gittern, dem früheren VW-Boss Winterkorn droht Gefängnis in den USA und Daimler-Chef Zetsche könnte ebenfalls bald im Knast sitzen.

Es gibt nur noch einen Ausweg: Lernen von China!

— Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte auf www.sonnenseite.com. —

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