Intersolar in München soll noch größer werden

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Markus Elsässer

Foto: Solar Promotion

pv magazine: Viele unserer Leser sprechen immer noch von der Intersolar. Sie haben aber nicht nur den Namen geändert, sondern Sie verbinden damit auch neue Inhalte. Was haben Sie vor?

Markus Elsässer (Foto): Die Intersolar Europe als die führende Messe der Solarwirtschaft und die größte in Europa besteht ja nach wie vor. Wir fokussieren die Intersolar nur wieder stärker auf Solarthemen. Insgesamt gibt es aber viel mehr Inhalte. Wir haben jetzt als zusätzliche Plattform die „The smarter E“ ins Leben gerufen. Sie besteht zum einen aus der Intersolar, zum anderen aus drei weiteren, parallel stattfindenden Fachmessen. Das sind Europas größte und besucherstärkste Batterie- und Energiespeichermesse EES, die bereits seit 2014 parallel zur Intersolar läuft, und die zwei neuen Fachmessen EM-Power und Power2Drive. EM-Power ist eine Messe für die intelligente Energienutzung speziell in Industrie und Gebäuden, Power2Drive ist konzipiert als Messe für Ladeinfrastruktur und Elektromobilität. Die vier Messen finden gleichzeitig statt und spiegeln die Veränderungen in der Energielandschaft auch wider.

Das heißt, auch wenn die Intersolar fokussierter ist, der Besucher bekommt mehr?

So ist es. Er bekommt die Themen geboten, die die Intersolar bisher schon immer hatte, und dazu noch die Themen, die durch den rasanten Wandel in der Energielandschaft wichtig werden: zusätzliche Aussteller, zusätzliche Produkte und neue Geschäftsmodelle, die derzeit entstehen.

Erwarten Sie auch neue Besuchergruppen?

Ja, und zwar aus vielen Bereichen, die jetzt den Wandel vollziehen müssen, im Gewerbe, in der Industrie und Energiewirtschaft selbst. Es geht oft um die eigene Energieversorgung. Durch die Entwicklung der dezentralen Energieversorgung, der Digitalisierung der Energiewirtschaft und durch die Liberalisierung der Märkte gibt es dabei viel mehr Möglichkeiten als früher. Industrie- und Gewerbebetriebe und Wohnungswirtschaft können die Energieversorgung jetzt selbst organisieren und eine Vielzahl von Lösungen einbeziehen. Deshalb sind für uns neue potentielle Besucherzielgruppen entstanden, denen wir nicht nur das Thema Solar anbieten, sondern komplette moderne Energielösungen, die im Wesentlichen auf erneuerbare Energien basieren. In diese Energielösungen wird auch die Elektromobilität einbezogen, die damit auch Thema der The Smarter E wird. Dazu gehören auch die neuen Energieversorger, die jetzt mit eigenen Geschäftsmodellen entstehen und sich mit neuen Geschäftsmodellen positionieren.

Also auch potenzielle Kunden der Solarexperten, die schon seit eh und je auf die Intersolar kommen?

Ja, speziell die Messe EM-Power ist auf professionelle Energiekunden fokussiert, die in ihren Wohngebäuden, Gewerbebetrieben oder Industrieanlagen einen großen Energieverbrauch haben und die Energieversorgung organisieren müssen. Diese wollen wir gezielt ansprechen. Parallel zu unseren vier Veranstaltungen in diesem Jahr gibt es außerdem auch wieder die Automatica, eine Messe für Automatisierung und Robotik, die die Messe München zeitgleich veranstaltet. Dadurch werden zusätzlich viele Industriebetriebe als Besucher vor Ort sein. Denen machen wir Angebote, auch auf unsere Veranstaltungen zu kommen und sich über das Thema der Energieversorgung in der Industrie zu informieren. Wir arbeiten bei der EM-Power auch mit der Messe München zusammen. Sie ist als Mitveranstalter an Bord. Die Messe München veranstaltet verschiedene Leitmessen, etwa zu den Themen Bau, Immobilienwirtschaft und Kommunen. Bei diesen Messen ist die Energieversorgung nur ein Randthema . Auch den Besuchern dieser Messen werden wir gemeinsam mit der Messe München ein spezielles Angebot machen, damit sie auch auf die The Smarter E kommen, um sich über die Möglichkeiten der neuen Energiewelt zu informieren.

Früher war die Beziehung zur Automatica eher, dass auf der Intersolar auch Photovoltaik-Herstellung eine Rolle spielte. Auch die Zusammenarbeit mit der PVSEC ging in diese Richtung. Gibt es immer noch Aussteller aus diesem Bereich?

Also wir haben nach wie vor viele Aussteller aus dem Bereich Produktionstechnik, wobei wir nicht nur von dem Thema PV-Produktion sprechen, sondern auch von Batterieproduktion. Die Automatica ist eine und branchenübergreifende Messe für die Themen Automatisierung, Robotik und Produktionstechnik. Diejenigen, die bei uns sich aus dem Bereich präsentieren, sind schon sehr fokussiert als Zulieferer für den Photovoltaikbereich oder für Batteriezellen und Module bei Batterien tätig. Dennoch sehen wir einen Doppelnutzen für die Besucher. Die Besucher, die auf die Automatica gehen und sich mit sehr große Investitionen zur Automatisierung einer Fabrik beschäftigen, sind potenziell auch für unsere Aussteller interessant, da diese Fabriken auch Energielösungen brauchen.

The smarter E besteht aus vier Fachmessen und Konferenzen. Die Messen finden zeitgleich in München vom 20. Juni bis 22. Juni statt. Die Konferenzen starten schon einen Tag früher.

Foto: pv magazine März 2018

Warum setzen Sie gerade jetzt so stark auf Industrie und Gewerbe?

Wenn man so eine Messe entwickelt oder weiterentwickelt, geschieht das nicht über Nacht. Es braucht eine gewisse Vorlaufzeit. Wir haben erkannt, dass wir mit dem isolierten Thema Solarenergie bestimmte Zielgruppen aus Industrie und Gewerbe, aber auch der Energie- und Wohnungswirtschaft besser erreichen können, wenn wir das Angebot noch einmal spezieller auf die jeweiligen Zielgruppen zuschneiden. Das machen wir durch die Bündelung von vier führenden Energiemessen unter einem Dach. Davon sind mit der Intersolar und EES Europe zwei bereits Leitmessen in ihren Branchen. Mit der EM-Power werden wir im Rahmenprogramm das Thema intelligente Energienutzung in Industrie und Gebäuden ganz fokussiert auf die einzelnen Nutzer-Zielgruppen anbieten. Mit den Ausstellern, die auf der EM-Power vertreten sind, wird ein komplettes Systemangebot vorhanden sein. Dazu kommt, dass die gezeigten Lösungen inzwischen erheblich wirtschaftlicher geworden sind, als sie das vor zwei, drei oder vier Jahren waren.

Woraus besteht das Rahmenprogramm?

Im EM-Power-Bereich haben wir innerhalb der Halle ein dreitägiges Forum. Dieses wird aktuell auf fünf Zielgruppen zugeschnitten sein, für die es jeweils kompakte Foren über drei Stunden gibt. Dort fokussieren wir uns auf bestimmte Themen und Industriebereiche. Wir wollen die Besucher gezielt abholen und mit Best-Practice-Beispielen oder Informationen zu Förderungen aufzeigen, was möglich ist. Dazu haben wir beispielsweise die Bundesstelle für Energieeffizienz als Kooperationspartner gewinnen können. Sie kann gezielt über das Angebot der Fördermöglichkeiten für die jeweiligen Zielgruppen informieren. Auf diese Weise wollen wir maßgeschneiderte Angebote für die Industrie und das Gewerbe sowie Wohnungswirtschaft schaffen.

Gibt es so etwas Ähnliches schon in Deutschland?

Uns ist keine Veranstaltung bekannt, die den professionellen Energiekunden in den Vordergrund stellt und ein gezieltes, maßgeschneidertes Programm für diesen anbietet. Es gibt natürlich viele Messen, die sich auf einzelne Bereiche konzentrieren. Wir wollen nun versuchen, Lösungen für die Komplettenergieversorgung auf der Basis einer vollständigen erneuerbaren Energieversorgung zu zeigen.

Wen haben Sie als Zielgruppe für die Power2Drive im Hinterkopf?

Das Thema Power2Drive liegt für uns ganz klar auf der Hand. Wir sind bei der Energiewende im Strombereich mit einem Anteil von 36 Prozent Erneuerbaren in Deutschland schon relativ weit gekommen. Im Verkehrsbereich liegen wir dagegen noch weit zurück. Wir haben die Elektromobilität etwa durch Sonderschauen in den vergangenen Jahren vorbereitet. Jetzt scheint uns der richtige Zeitpunkt für den Start der Veranstaltung, da das Thema in den nächsten Jahren sehr stark an Fahrt aufnehmen wird. Es wird durch die fallenden Batteriepreise und durch den Einstieg großer Firmen, vor allem aus China und den USA, aber auch in Deutschland getrieben. Auch das Angebot an Elektrofahrzeugen wird sich stark vergrößern, was natürlich auch zur weiteren Wirtschaftlichkeit gegenüber vergleichbaren Verbrennungsmotormodellen beitragen wird.Es ist daher wichtig, die Ladeinfrastruktur voranzubringen und Konzepte zu entwickeln, die die Netzstabilität gewährleisten und sicherstellen, dass die Versorgung mit erneuerbaren Energien erfolgt und die Fahrzeuge am Ende nicht mit klimaschädlichem Braunkohlestrom beladen werden. Durch die Intersolar ist die Photovoltaik als wichtige Säule der erneuerbaren Stromversorgung mit einem großen Angebot bereits in München präsent. Der Fokus der Power2Drive liegt auf Lösungen zur intelligenten Nutzung des Solarstroms im Verkehrssektor. Wir sprechen hier verschiedene Zielgruppen an, die am Ausbau der Ladeinfrastruktur beteiligt sind, ob als Hersteller, Zulieferer, Händler, Planer, Installateur oder als professioneller Anwender.

Elektroautos wird es dort keine geben?

Wir sehen uns nicht als Automesse, trotzdem werden wir dort auch Fahrzeuge sehen. Für uns ist deren Versorgung mit erneuerbarer Energie relevanter. Wichtig ist uns, intelligente Steuerung und Hardware sowie interessante Geschäftsmodelle vor Ort zu haben. Das passt zu unserer The-smarter-E-Plattform.

Gibt es dazu auch eine Konferenz oder ein Forum?

Wir haben sowohl erstmals die Power2Drive-Konferenz als auch in der Halle ein Forum mit einem entsprechenden Rahmenprogramm. Wir wollen unseren Besuchern hier die Verbindung zur Photovoltaikbranche zeigen. Man kann ja mit relativ wenig Photovoltaik, etwa mit drei Kilowattpeak, im Jahr bereits Strom für 14.000 Kilometer Fahrleistung erzeugen. Es liegt nahe, dass der Handwerker, wenn er eine Photovoltaikanlage verkauft, das Thema Anbindung der Elektromobilität gleich mitverkauft. Auch hier gibt es schon Fahrzeuganbieter, die auf den Vertriebsweg Photovoltaikinstallateur setzen.

Die EES war schon in den vergangenen Jahren groß, vor allem wegen des Booms im Heimspeichermarkt. Haben die mittleren und größeren Speicher auch ihren Platz?

Wir haben von Anfang an auch die Anbieter von Großspeichern bei uns auf der Messe gehabt. Vor der Einführung der EES Europe 2014 war das Thema Speicher bereits einige Jahre in Sonderschauen auf der Intersolar vertreten. Ähnlich wie jetzt bei der Power2Drive sind wir dann den Schritt gegangen und haben es in eine eigenständige, parallel stattfindende Messe überführt. Dabei war klar, dass es zu wenig ist, sich jetzt nur auf solare Heimspeicher zu konzentrieren. Wir wollten mehr Anwendungsbereiche abdecken und haben das auch sehr gut geschafft. Mit Einführung der EES konnten wir uns der Themen Großspeicher, Speicher für Elektromobilität und unterbrechungsfreie Stromversorgung verstärkt annehmen.

Was gibt es dieses Jahr bei der EES Neues?

In diesem Jahr haben wir einen zusätzlichen Fokus auf der Batterieproduktion. Dazu gibt es auch ein kleines Forum und einen Gemeinschaftsstand. Produktion ist im Moment ja stark in der Diskussion, wenn es um den Aufbau einer Batteriezellfertigung in Deutschland oder Europa geht. Dazu arbeiten wir mit der RWTH Aachen zusammen. Zum Thema Brennstoffzellen und Wasserstoff gibt es auch noch einen Sonderbereich.

Wie äußert sich der Wandel durch die Digitalisierung bei Ihnen? Genau darin, dass Sie diese vier Themen jetzt zusammenbringen müssen?

Wir haben das Thema Digitalisierung schon im letzten Jahr in Form eines Forums behandelt, weil es tatsächlich viele neue Geschäftsmodelle erst ermöglicht. Daher ist es für uns ein ganz wichtiges Thema neben der dezentralen Stromerzeugung und Speicherung. Die Themen Digitalisierung, Cybersicherheit und neue Geschäftsmodelle werden auch in diesem Jahr wieder innerhalb des Konferenz- und Forenprogramms stark präsent sein. Innerhalb einer The-smarter-E-Konferenz werden Digitalisierung, Sektorkopplung und Vernetzung eine Rolle spielen. Es wird vor allem um neue Geschäftsmodelle gehen, die durch Digitalisierung entstehen, wie Stromhandel oder -vermarktung und die Peer-to-Peer-Modelle.

Es gibt bei der Konferenz das Programm “What does the return of the major companies mean for the future of solar?“ Sehen Sie, dass die konventionellen Unternehmen vermehrt auf die Intersolar kommen und vielleicht die mittelständischen Erneuerbaren-Unternehmen verdrängen?

Wenn man sich die erneuerbare Erzeugungslandschaft in Deutschland anschaut, war sie lange Zeit und ist immer noch sehr stark dominiert von Privatinvestoren. In Deutschland, wo der Erneuerbaren-Ausbau stark über Einspeisetarife vor- angetrieben wurde, ist sehr viel von privater Seite investiert worden, seien es jetzt Industriebetriebe, Gewerbebetriebe oder Privatleute. Lange ist die Energiewirtschaft als Investor nicht wirklich aufgetreten. Erst in den letzten Jahren, nachdem klar war, dass der klassische Energiemarkt nicht dauerhaft funktionieren wird, sieht man tatsächlich einen Wandel. Die klassischen Energieversorger sind stark eingestiegen und präsent. Die großen Player werden auch alle in München vor Ort sein. Dazu kommt die spannende Entwicklung, dass viele kleinere Unternehmen, EPC-Firmen, Planer oder auch Start-ups, die im Bereich Digitalisierung interessante Dinge entwickelt haben, bereits von klassischen Energieversorgern übernommen wurden. Aber ich würde nicht sagen, dass es jetzt schon dazu geführt hat, dass eine große Verdängung von Erneuerbaren- Anbietern stattgefunden hat.

Die smarter E ist eine europäische Messe. Was tun Sie dafür, dass auch diejenigen, die Geld im großen Maßstab außerhalb Deutschlands in Solar investieren, auf die Messe kommen?

The smarter E Europe verbindet vier führende Energiemessen, von denen Intersolar und EES mit 160 Nationen und einem Auslandsanteil von 50 Prozent bei den Besuchern die internationalsten Branchenveranstaltungen sind. Die Zielgruppen, die wir mit unserer neuen Plattform ansprechen, laden wir selbst- verständlich international ein. Das Netzwerk der Intersolar mit Veranstaltungen in Bangalore, Dubai, Mumbai, New York, San Francisco, São Paulo und Teheran trägt dazu bei, Schlüssel- märkte zu erschließen und Investoren als Besucher zu erreichen. The smarter E ist als Innovationsplattform gedacht, die die neue Energiewelt mitgestaltet und umfassend präsentiert.

Erwarten Sie mehr Aussteller und Besucher als letztes Jahr?

Wir erwarten auf jeden Fall mehr als letztes Jahr – insgesamt etwa 1.200 Aussteller. Wir sehen aktuell, dass das Thema „smarter“ zieht. Insgesamt werden wir in diesem Jahr etwa 15 Prozent von der Fläche wachsen, aber der größte Zuwachs kommt tatsächlich aus dem Bereich vernetzter Systemlösungen.

Was wird im Mittelpunkt der The-smarter-E-Konferenz stehen?

Sie wird sich speziell mit diesen Verknüpfungsthemen beschäftigen, also Sektorkopplung, Digitalisierung, virtuellen Kraftwerken, Verbundkraftwerken und Vermarktungsmodellen. Zudem werden wir erstmals einen The smarter E Award vergeben.

Wofür werden Preise verliehen?

Wir haben die klassischen Awards Intersolar und EES, die es weiterhin speziell für Technologie und Weiterentwicklung im Bereich Solar oder Speicher geben wird. Wir haben aber die letzten Jahre gemerkt, dass neue Geschäftsmodelle, die etwa auf Sektorkopplung oder Digitalisierung abzielen, innerhalb dieser Awards nur schwer abzubilden sind. Dort geht es oftmals um neue Ansätze, übergreifende Dinge zusammenzufügen, weshalb wir uns für einen weiteren Award entschieden haben.

„The smarter E“ besteht aus vier Fachmessen und Konferenzen. Die Messen finden zeitgleich in München vom 20. Juni bis 22. Juni statt. Die Konferenzen starten schon einen Tag früher.