Hessen verzeichnet Aufschwung bei Photovoltaik-Nachfrage

„Die Trendwende ist geschafft. Nach jahrelangem Rückgang nimmt der Ausbau der Photovoltaik jetzt besonders in Hessen wieder Schwung auf“, sagte der hessische Minister für Wirtschaft und Energie, Tarek Al-Wazir (Grüne), bei der Vorstellung der neuen Statistik für 2017. Demnach sei in dem Bundesland mit 72,5 Megawatt knapp 50 Prozent mehr als 2016 und fast 80 Prozent mehr als noch 2015 installiert worden. Diese Steigerungsraten lägen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Al-Wazir bezieht sich dabei auf die Auswertung des Photovoltaik-Zubaus nach Bundesländern durch die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE). So entfielen auf Hessen 5,6 Prozent des deutschlandweiten Zubaus bei Photovoltaik-Dachanlagen im vergangenen Jahr.

Neben den gesunkenen Preisen für Photovoltaik-Dachanlagen sieht Al-Wazir noch einen weiteren wesentlichen Grund für die Belebung der Nachfrage: „Die überdurchschnittlich gute Entwicklung in Hessen ist dabei sicherlich auch ein Ergebnis unseres Solarkatasters Hessen.“ Seit 2016 könnten in Hessen die fünf Millionen Dächer und alle Freiflächen so online auf ihre Eignung für die Photovoltaik-Nutzung geprüft werden. Innerhalb der ersten 18 Monate habe die Plattform 140.000 Zugriffe verzeichnet, so das Ministerium. „Mit diesem kostenlosen Online-Angebot kann sich jeder hessische Hausbesitzer mit wenigen Klicks informieren, ob das eigene Dach für eine Photovoltaik-Anlage geeignet ist und wie schnell sie sich rechnet. Und vielen wird dann klar: Der Solarstrom lohnt sich wieder“, sagt der Grünen-Politiker.

In dem Solarkataster sind dem Ministerium zufolge neben physikalische Größen wie Neigungswinkel und Verschattung auch Kalkulationen für die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaik-Anlage für unterschiedlichste Verbrauchsprofile hinterlegt. Die Berechnungen seien auch für die Kombination einer Photovoltaik-Anlage mit einem Stromspeicher oder einem Elektrofahrzeug möglich. „Heutige Dachanlagen können Sonnenstrom schon für unter 11,00 Cent pro Kilowattstunde erzeugen, gerade beim Eigenverbrauch ist das mehr als wirtschaftlich. Zudem werden die Speichertechnologien immer besser. Dezentral erzeugter Strom sollte dezentral genutzt werden – das ist die Kernidee des Solar-Katasters Hessen“, erklärt Al-Wazir weiter.

Eine Nachfrage von pv magazine mit welcher Marktentwicklung das Ministerium in diesem Jahr bei Photovoltaik-Anlagen rechnet, blieb zunächst unbeantwortet. Dafür erklärte ein Sprecher, dass derzeit an einer Verordnung gearbeitet werde, um 50 Hektar pro Jahr an landwirtschaftlichen Flächen in benachteiligten Gebieten für Photovoltaik-Anlagen freizugeben. Bislang haben nur Bayern und Baden-Württemberg von dieser Länderöffnungsklausel im EEG 2017 Gebrauch gemacht. Eine Zeitangabe, wann die Verordnung voraussichtlich in Kraft treten wird, wollte der Sprecher nicht machen. Eine Förderung von privaten und gewerblichen Speichern im Zusammenhang mit Photovoltaik-Anlagen beabsichtige das Land dagegen derzeit nicht.

Das der Photovoltaik-Zubau aber noch weit hinter den Zahlen vergangener Jahr zurückliegt, zeigt die auf „Energieland Hessen“ veröffentlichte Statistik, die ein Sprecher des Ministeriums im Nachhinein als veraltet bezeichnet. Er verwies auf den Monitoringbericht, dem die Zahlen der Bundesnetzagentur zugrunde gelegt würden. Demnach betrug der Photovoltaik-Zuwachs 2015 insgesamt 58,7 Megawatt, 2016 waren es demnach 49,7 Megawatt und 2017 dann 70,7 Megawatt. Zum Jahresende 2017 seien mehr als 110.000 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1944 Megawatt in Hessen installiert worden.