Sonnen-Charger vernetzt Elektroautos zu virtuellem Großspeicher

Sonnen hat am Donnerstag in Berlin sein neues Produkt vorgestellt, das mit gleichem Recht auch als Projekt bezeichnet werden kann. Der „Sonnen-Charger“ ist eine intelligente Wallbox für den Heimbereich, bei der Nutzer zwischen dem „power“-Modus, in dem ein Auto mit 22 Kilowatt Ladeleistung so schnell wie möglich lädt, und  einen „smart“-Modus wählen kann. Im „smart“-Modus berücksichtigt er derzeit schon Wetterprognosen und verteilt die Ladeleistung so, dass möglichst viel selbst erzeugter Solarstrom genutzt wird. Die Charger sind mit der Sonnen-Leitzentrale vernetzt, und diese kann im „smart“-Modus mitsteuern, um Netzengpässe durch die Beladung mit Elektroautos und bei Bedarf mithilfe der Autobatterien das Stromnetz zu stabilisieren.

Mit dem Produkt will das Allgäuer Unternehmen auf diese Art künftig tausende Elektroautos zu einem Großspeicher vernetzen und gleichzeitig ein attraktives Angebot für Kunden schaffen. Die Idee ist, den Charger mit dem Sonnen-Flat 8000 zu nutzen. Zu diesen Tarif kann man wechseln, wenn man einen zwölf Kilowattstunden Sonnen-Batteriespeicher zu einer mindestens 9,5 Kilowattpeak großen Photovoltaik-Anlage installiert. Gegen eine monatliche Grundgebühr sind dann 8000 Kilowattstunden Strom gratis. Rund 5.000 Kilowattstunden benötigt ein durchschnittlicher Haushalt, die restlichen 3.000 Kilowattstunden reichen für rund 15.000 Kilometer Fahrleistung der Elektroautos. Wer neu in den Tarif wechselt, bekommt den Sonnen-Charger umsonst. Bestandskunden können ihn für 1399 Euro kaufen. Prinzipiell kann den Charger aber jeder benutzen, der der Sonnen-Community beitritt, da in dieser die Geräte vernetzt werden. Damit ist auch sichergestellt, dass sie mit dem Strommix der Sonnen-Community versorgt werden. Dort speisen vor allem Photovoltaik-Anlagen ein und wenn diese zum Beispiel nachts keinen Strom liefern und die Speicher leer sind, werden laut Vertriebsgeschäftsführer Philipp Schröder Biogasanlagen hochgefahren.

Sonnen baut damit ein System, mit dem Ladesäulen steuerbar werden und Daten gesammelt werden können, die es erlauben, die Beladung der Elektroautos netzdienlich zu steuern. „Elektromobilität kann nur funktionieren, wenn sie ein aktiver Teil des Energiesystems wird“, sagt Schröder. Das Unternehmen schafft damit Optionen für sich und für Netzbetreiber, mit denen die Netzprobleme gelöst werden können, die bei einem starken Wachstum der Elektromobilität sonst einen großen Netzausbau erfordern würden. Wie genau, kann sich im Detail erst in Zukunft zeigen.

Zum Beispiel im Verteilnetz. Schon bei zehn bis zwölf Tesla in einer Straße könnten heute Probleme im Vetreilnetz auftreten, sagt Schröder, weil damit zu viel Energie auf einmal gezogen wird. Eine Lösung wäre, die Ortsnetztrafos zu erweitern und weitere Leitungen zu verlegen. Eine andere Lösung wäre, die Beladung intelligent zu steuern. Ob diese Optionen des Sonnen-Chargers genutzt werden kann, hängt jedoch von den Randbedingungen ab. Im Prinzip kann Sonnen, wenn in einem Verteilnetz mehrere Sonnen-Charger installiert sind, deren gemeinsame maximale Ladeleistung steuern oder auf ein Signal des Verteilnetzbetreibers hin die gesamte Ladeleistung reduzieren. Dieses Signal gibt es aber noch nicht, außerdem gibt es noch keinen finanziellen Anreiz. Da müssen sich die Verteilnetzbetreiber bewegen.

Die Möglichkeit der Netzentlastung im Verteilnetz ist aus Sicht Schröders jedoch nur eine Zutat zu der eigentlichen interessanteren Vermarktungsmöglichkeit. Sonnen zielt auf den Stromhandelsmarkt ab und will die Charger im „smart“-Modus vor allem dann einschalten, wenn die Großhandelspreise niedrig sind. Dann ist viel oder bei negativen Strompreisen sogar zuviel Strom im Netz. In diesem Sinne vernetzt Sonnen die Elektrautos zu dem virtuellen Großspeicher, der die Energie im richtigen Moment aufnehmen kann. Im Prinzip kann man die so vernetzten Elektroautos vielleicht auch zur Stromnetzstabilisierung mit Regelleistung nutzen. Allerdings ist es nur möglich, Strom in die Elektroautos einzuspeichern, nicht diese in das Stromnetz zu entladen. Das erlauben zum einen die Autohersteller nicht. Zum anderen haben Kunden mit dem Beladen kein Problem, wohl aber teilweise mit dem Entladen, da dadurch die Batterie zusätzliche Lade- und Entladezyklen durchlaufen würde. Generell hält Schröder den Regelleistungsmarkt in diesem Fall nicht für attraktiv. Da seien die Anforderungen höher als im Stromhandelsgeschäft.

Sonnen ist mit diesem Produkt noch lange nicht am Ende mit seinem Weg, die Energiebanche aufzurollen. Angesprochen auf den Genfer Autosalon, der im März stattfindet, ließ Schröder durchblicken, dass Sonnen dort mit einem Partner eine Designstudie für ein Elektroauto vorstellen werde.