Warum in der Schweiz Photovoltaik-Dachanlagen teurer als in Deutschland sind

Die Kosten für schlüsselfertige Photovoltaik-Anlagen sind in den vergangenen Jahren massiv gesunken. Dennoch gibt es große Unterschiede, wie ein Vergleich der Kosten für eine Installation einer Dachanlage mit fünf Kilowatt Leistung zwischen Deutschland und der Schweiz zeigt.

Während in Deutschland die Kosten für eine solche Anlage auf durchschnittlich etwa 1400 Euro pro installiertem Kilowatt belaufen, liegen sie in der Schweiz bei etwa 3000 Franken – umgerechnet knapp 2550 Euro.  Diese Preise beziehen sich jeweils auf Aufdachanlagen mit fünf Kilowatt Leistung in beiden Ländern – allerdings in der Schweiz mit und in Deutschland ohne Mehrwertsteuer. Der Mehrwertsteuersatz der Eidgenossen liegt derzeit bei 7,7 Prozent. Egal, ob mit oder ohne ist der Preisunterschied enorm.

David Stickelberger vom Verband Swissolar weist daraufhin, dass die Kosten auch noch höher liegen, wenn es um eine Indachanlage geht, wobei hierbei gleichzeitig Kosten für Dachziegel eingespart würden. Ein offensichtlicher Grund für den Preisunterschied sind die differierenden Lohnkosten in Deutschland und der Schweiz. So sind in der Alpenrepublik selbst nochmal deutliche Unterschiede festzustellen, wie Ruedi Schmid aus der Geschäftsführung des Schweizer Installationsunternehmens Clevergie bestätigt. „So kostet eine Anlage in Zürich wesentlich mehr als in den Bergregionen“, sagte er. Stickelberger bestätigt, dass im Raum Zürich die höchsten Lohnkosten des Landes zu verzeichnen sind.

Er hat die Zahlen für ein Fünf-Kilowatt-Aufdachprojekt in dieser Region für pv magazine auseinandergenommen. Der Gesamtpreis liegt bei dem Projekt nach seinen Angaben bei 20.300 Schweizer Franken (17.200 Euro). Die Kosten verteilen sich wie folgt: Gerüst, Dachvorbereitung 3000 Schweizer Franken,  Planung, Eingabe Förderung 2800 Schweizer Franken; Module inklusive Unterkonstruktion 4900 Schweizer Franken; DC-AC-Verkabelung (Material) 1400 Schweizer Franken; Wechselrichter 2200 Schweizer Franken; Montage DC sowie AC jeweils 4000 Schweizer Franken und der Netzanschluss mit  2000 Schweizer Franken. Dazu kommen neu noch Vorschriften für permanente Dachsicherung (Anschlagpunkte) mit nochmals 500 Schweizer Franken.

Martin Ammon von EuPD Research hat diese Zahlen mit denen des von seinem Institut erhobenen Preismonitors für den Bundesverband Solarwirtschaft aus dem vierten Quartal abgeglichen. Dabei zeigt sich, dass die Preise für Module samt Unterkonstruktion in der Schweiz und Deutschland in etwa auf einem Niveau liegen. Die Wechselrichter sind in seiner Rechnung in Deutschland etwa ein Drittel günstiger, wobei es immer darauf ankomme, welche Marke gewählt werde.

„Der Unterschied beider Länder liegt eindeutig in den Installationskosten. Hier summieren sich die Kosten in der Schweiz auf 10.000 Euro, in Deutschland fallen hingegen nur knapp 1600 Euro an“, so Ammon weiter. David Stickelberger von Swissolar sieht noch weitere Gründe. „Es werden schönere Module, beispielsweise mono black, gewählt und dazu schwarze Unterkonstruktionen“, sagt er. Auch die Dachsicherheitsvorschriften würden sehr genau in der Schweiz eingehalten. Zudem werde nach zwei Manntagen ein Gerüst gebraucht. Nach Ansicht von Stickelberger sind Fünf-Kilowatt-Dachanlagen darunter nicht zu machen, gerade wenn es sich um die in der Schweiz populären Indachanlagen handele. Diese haben EuPD Research zufolge in Deutschland nur einen verschwindend geringen Marktanteil. Damit fallen auch die massiv höheren Stundenlöhne in der Schweiz bei der Installation der Dachanlagen mehr ins Gewicht. Sie liegen bei durchschnittlich 100 Schweizer Franken pro Stunde, wie Stickelberger sagt.

In der Schweiz verursachten zudem auch Genehmigungen für den Bau von Photovoltaik-Anlagen einen enormen Aufwand. So sind nach Angaben von Swissolar mindestens drei Instanzen für eine Bewilligung notwendig, darunter die Baugenehmigung durch die Gemeinde, die Anschlussgenehmigung durch den örtlichen Verteilnetzbetreiber sowie die Meldung bei der Förderinstanz Pronovo, die kostenpflichtige Zertifizierungen einfordern kann.

„Ich schätze den Aufwand für das Material auf rund 40 Prozent, Arbeitsleistung etwa auf 30 bis 40 Prozent sowie Behördenadministration und bauseitige Arbeiten auf 20 bis 30 Prozent“, bestätigt auch Ruedi Schmid von Clevergie. Allerdings hänge die genaue Zusammensetzung stark von Art und Größe der Anlage ab. Auch er sieht einen enormen Kostenblock, wenn es um die behördlichen Genehmigungen für Anlagen geht. Aber auch Kosten für Gerüste und Netzanschluss seien in der Schweiz ebenfalls nicht zu vernachlässigen.

Nach Angaben von Stickelberger hat es im vergangenen Jahr eine kleine Preisreduktion bei Photovoltaik-Anlagen in der Schweiz gegeben. Maßgeblich dafür verantwortlich seien die noch günstigeren Module, insbesondere Preisreduktionen bei den monokristallinen Hochleistungsmodulen, sowie günstigere Unterkonstruktionen, mit denen aber auch Nachteile bei der Wartung verbunden sein könnten, wie Stickelberger weiter ausführt. Mit das größte Einsparpotenzial sieht er bei der Bürokratie rund um die Installation einer Photovoltaik-Anlage. Das sieht auch Schmid so: „Viele Prozesse könnten standardisiert werden.“ Es sollte ein „one-stop-shop für alle Bewilligungen“ geben, fordert Stickelberger und schränkt gleich wieder ein, das sei aber „ziemlich illusorisch“ in der dezentralisierten Schweiz.

Eine andere Option für Kostensenkungen seien höhere Wirkungsgrade. Dann werde weniger Fläche pro Leistung gebraucht und die Montagekosten würden sinken, sagt Stickelberger weiter. Schmid weist ebenfalls daraufhin, dass es oftmals auch noch günstigere Produkte auf dem Markt gebe, wenn es um Kostensenkungspotenzial gehe. „Hier sehen wir halt vielfach, dass unser Schweizer Durchschnittskunde eine individuelle Lösung mit einem hochwertigen Produkt gerne auch bezahlt. ‚Geiz-ist-Geil‘-Mentalitäten sehen wir selten“, sagt Schmid.