US ITC-Bericht: 26 US-Modulhersteller in fünf Jahren vom Markt verschwunden

Die Anhörung in dem Section 201-Petition von Suniva und Solarworld am Dienstag naht. Jedes Wort, dass nun von der Internationalen Handelskommission der USA (US ITC) veröffentlicht wird, wird genau analysiert, geprüft und nochmal analysiert. Gegner und Befürworter des Verfahrens blicken immer wieder sorgenvoll in den Himmel, um zu sehen, ob weißer Rauch aufsteigt, der zeigt, dass die Kommissionsmitglieder ihre endgültige Entscheidung getroffen haben. In der Tat, legt der 428-seitige vorläufige Bericht der US ITC-Mitarbeiter die Grundlage für das Konklave in Washington D.C. in der nächsten Woche. Er ist gleichermaßen bedeutend für die Petitionäre und die Teile der Solarindustrie, die dem Vorhaben widersprechen.

Obwohl in den meisten Fällen die Stichprobengröße für die Herstellerbefragung eher klein ist, gibt es starke Belege, dass die US-Modulhersteller seit 2012 gewaltig unter der ausländischen Konkurrenz leiden. Damit sind gegen die chinesischen Photovoltaik-Hersteller bereits 2011 und 2015 Zölle verhängt worden. Dem Bericht zufolge haben in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 26 US-Modulhersteller ihre Produktionsstätten geschlossen. In diesem Zeitraum seien die Importe von Solarmodulen und -zellen um nahezu das Fünffache angestiegen. Zudem habe die Mehrheit der US-Modulproduzenten in dieser Zeit operative Verluste verzeichnet. Der Bericht der US ITC zeigt auch auf, dass die Modulpreise um ein Drittel im zweiten Halbjahr 2016 gesunken sind. Während des Jahres seien die Importe um 50 Prozent gegenüber dem Jahr davor angestiegen. Der Bericht schweigt aber dazu, ob die beiden Tatsachen in einem direkten Zusammenhang stehen oder zufällig sind.

Die US ITC zeigt auch auf, dass die Nachfrage nach Photovoltaik-Produkten in den Jahren zwischen 2012 und 2016 anstieg. Module aus Malaysia, China und Korea hätten aber größere Marktanteile am US-Markt als die heimischen Hersteller. Leider werden die Marktanteile nicht nach den verschiedenen Segmenten aufgeschlüsselt. Dies könnte hilfreich sein, um den genauen Grad der Benachteiligung von US-Herstellern zu erkennen. Denn nicht alle heimischen Produzenten stellten Module für alle Marktsegmente her.

Zumindest ein Petitionär zeigte sich über den Bericht erfreut. „Wir wissen die harte Arbeit, die die ITC-Mitarbeiter in diesen umfassenden Bericht investiert haben, zu schätzen“, sagte Juergen Stein, Präsident von Solarworld Americas. „Wir sind zuversichtlich, dass die Fakten ein zustimmendes Ergebnis der ITC unterstützen werden und dass die Ergebnisse schließlich zur Wiederherstellung eines fairen Wettbewerbs auf dem US-Photovoltaik-Markt führen wird.“

Abigail Ross Hopper, Präsidentin des US-Verbands SEIA, sagte, dass der Bericht für die Petitionäre nicht so gut sein könnte, wie sie auf den ersten Blick glauben. „Suniva und Solarworld greifen weiter nach jedem Strohhalm und diese Veröffentlichung ist keine Ausnahme“, so Hopper. „Wenn man den Bericht liest, ist er nicht annährend so rosig, wie die zwei Unternehmen als Petitionäre versuchen, es darzustellen. Der Bericht der Mitarbeiter sei kein Zustimmungsdokument und enthalte sicherlich nicht alle Fakten. Es sei nur eine Zusammenstellung der Antworten aus dem Fragebogen und anderer Daten.

Ebenso unbeeindruckt von den Daten des Berichts zeigte sich Paul Nathanson, Sprecher der Energy Trade Action Coalition (ETAC). „Der Mitarbeiterbericht hat einige Punkte ausgelassen, die bei der Anhörung rauskommen werden, wie die anderen Gründe für die finanzielle Situation der Petitionäre, sinkende Preise bei anderen Energiearten oder weitere Informationen“, sagte er. „Aber der Bericht macht klar, dass die Industrieproduktion und -kapazität sich erweitert sowie neue Unternehmen in den Markt eintreten. Die zeigt, dass die Zukunftsaussichten für die Solarindustrie stark sind und der Schutz vor Importen nicht benötigt wird“, so Nathanson weiter.

Die US ITC wird voraussichtlich am 22. September darüber abstimmen, ob Importe schweren Schaden für die heimische Solarindustrie verursacht haben oder diese bedrohen. Wenn mindestens zwei der derzeitigen Kommissionsmitglieder dem zustimmen, dann wird die Petition in die nächste Phase übergeleitet. Die US ITC hat dann bis zum 13. November Zeit, US-Präsidenten Donald Trump Empfehlungen vorzulegen, wie dieser Situation begegnet werden sollte.

Den vollständigen 428-seitigen Bericht finden Sie am Ende des Orginalartikels auf pv magazine USA