Bei den meisten Netzbetreibern scheitert die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung an der IT

Marcley, Hannover, Godehardistraße, Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung

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Die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV), bei der Bewohner eines Mietshauses Strom einer Photovoltaik-Anlage nutzen können, kommt in Deutschland bislang kaum voran. Hauptgründe sind ungeeignete IT-Systeme bei Verteilnetzbetreibern sowie hohe Kosten für Smart Meter. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des 1000-GW-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Bündnis Bürgerenergie.

Basis der Analyse ist eine bundesweite Umfrage unter Praxisakteuren wie Bürgerenergiegesellschaften, Wohnungseigentümergemeinschaften und Vermietern. Insgesamt wurden 110 valide Rückmeldungen ausgewertet und 63 Verteilnetzbetreiber bewertet, die zusammen mehr als die Hälfte der Niederspannungskunden in Deutschland abdecken.

Rund 60 Prozent der Befragten nennen Probleme mit Netzbetreibern als größte Hürde bei der Umsetzung. Aus den Rückmeldungen geht hervor, dass insbesondere IT-Systeme häufig nicht in der Lage sind, die Prozesse der GGV abzubilden. Netzbetreiber verweisen demnach auf fehlende technische Voraussetzungen oder nicht standardisierte Abläufe. Hinzu kommen organisatorische Defizite wie unklare Zuständigkeiten und mangelnde Verbindlichkeit in der Kommunikation.

Die Studie ordnet die Netzbetreiber in Kategorien ein. Kein Unternehmen erreicht die höchste Stufe, für die die Netzbetreiber alle gesetzlichen Standards zur Umsetzung der GGV erfüllen müssen. Nur fünf Netzbetreiber setzen GGV überhaupt um und gelten in der Studie als „Unterstützer“, während der Großteil als „Verzögerer“ gilt und Projekte allenfalls indirekt ermöglicht. Auch die Zufriedenheit der Projektentwickler ist entsprechend niedrig: Rund zwei Drittel fühlen sich schlecht unterstützt.

Wirtschaftlichkeit durch Messkosten aufgezehrt

Neben den IT-Problemen belasten primär die Kosten für intelligente Messsysteme die Umsetzung. Zwar ergeben sich Einsparungen von rund 80 Euro pro Haushalt und Jahr durch selbst genutzten Solarstrom, diese werden jedoch weitgehend durch Zusatzkosten für Smart Meter kompensiert. In Summe können bis zu 90 Euro jährlich pro Teilnehmer sowie zusätzliche Einmalkosten anfallen. Damit bleibt unter dem Strich nur ein geringer wirtschaftlicher Vorteil.

„Das Bündnis Bürgerenergie hat mit dieser Umfrage sicht- und greifbar gemacht, was gemeint ist, wenn vom ‚Flickenteppich der Verteilnetzbetreiber‘ in Deutschland gesprochen wird: Rund 100 Rückmeldungen zeigen ein breites Spektrum – von IT-Problemen, Intransparenz und fehlender Erreichbarkeit bis hin zu einigen engagierten Netzbetreibern, die Mieterstrom aktiv ermöglichen. Wir wünschen uns mehr von Letzteren – durch die richtigen Anreize, aber auch durch Druck und notfalls Kompetenzübertragung. Dann kann Mieterstrom sein volles Potenzial als Baustein einer bürgernahen Energiewende entfalten“, sagt Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft.

Forderungen: Aufsicht stärken und Kosten senken

Aus Sicht des Bündnis Bürgerenergie braucht es vordergründig zwei Maßnahmen, um die Umsetzung zu beschleunigen: Zum einen wäre da eine stärkere Rolle der Bundesnetzagentur. Netzbetreiber sollen konsequenter zur Einhaltung ihrer gesetzlichen Pflichten angehalten werden. Diskutiert werden unter anderem ein Beschwerdeinstrument für blockierte Projekte sowie mehr Transparenz über Rechte und Verfahren. Zum anderen wird die Senkung der Kosten im Messstellenbetrieb genannt. Die Kosten für Smart Meter gelten als zentrale Hürde. Für Mehrfamilienhäuser summieren sie sich auf bis zu 10.000 Euro über zehn Jahre und können die wirtschaftlichen Vorteile weitgehend aufzehren. Gefordert werden vereinfachte und günstigere Regelungen, etwa eine Abrechnung auf Gebäudeebene statt pro Zähler.

 

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