Solarpower Europe: Neues Photovoltaik-Wachstum braucht geeigneten Rahmen

Im vergangenen Jahr sind in Europa Photovoltaik-Anlagen mit 6,9 Gigawatt Leistung neu ans Netz angeschlossen worden. Dies sei ein Rückgang um 20 Prozent gegenüber 2015, hieß es bei Solarpower Europe auf Basis erster Schätzungen am Freitag. Der Weltmarkt sei demgegenüber im selben Zeitraum um fast 50 Prozent auf 76,1 Gigawatt gewachsen. China lag dabei mit 34,2 Gigawatt neu installierter Photovoltaik-Leistung ganz vorn und verzeichnete eine Steigerung um mehr als 125 Prozent, wie es weiter hieß. Auch in den USA, das deutlich weniger Einwohner als die 28 EU-Mitgliedsstaaten habe, sei mit 14 Gigawatt doppelt so viel Photovoltaik-Leistung wie in Europa zu gebaut worden. Selbst Japan installierte mit 7,3 Gigawatt im vergangenen Jahr noch mehr als die europäischen Staaten zusammen.

Das Hauptproblem des schwächelnden Photovoltaik-Marktes in Europa sieht Solarpower Europe im unzureichenden Rechtsrahmen in der EU und den Mitgliedsstaaten. „2016 wird als das Jahr in Erinnerung bleiben, als die ersten Photovoltaik-Abnahmeverträge auf einem Niveau unterzeichnet wurden, die Solar zum günstigsten Energielieferanten in vielen Regionen der Welt machte“, erklärt James Watson, CEO von Solarpower Europe. Auch in Europa sei Photovoltaik in vielen Teilen schon billiger als unflexible Erzeugungstechnologien. Es sei nun notwendig, den nächsten Investitionszyklus für Photovoltaik zu fahren, um die Dekarbonisierung des europäischen Stromsektors voranzutreiben. „Dies erfordert einen politischen Rahmen“, so Watson weiter. Mit dem von der EU-Kommission vorgelegten „Clean Energy Package“ gebe es einen sehr konkreten und umsetzbaren Hebel, der allerdings noch Spielraum für Verbesserungen habe.

Solarpower Europe fordert daher vom Europäischen Parlament und den Mitgliedsstaaten, dass fünf Prioritäten bei den Verhandlungen über das Maßnahmenpaket berücksichtigten, um ein neues Photovoltaik-Wachstum zu entfesseln. So müsse es einen ambitionierten Governance-Rahmen geben, der Investitionen in saubere Energien lenke. Zudem sollten es Flexibilitäts-Roadmaps für alle Länder geben, damit mehr flexible Erneuerbare aufgenommen werden könnten und zugleich das Problem von Überkapazitäten im Stromsektor angegangen werde. Darüber hinaus müssten die Strommarktregeln auf die Photovoltaik angepasst und damit sichergestellt werden, dass Photovoltaik- und Speicherdienste angemessen entlohnt würden. Bei der Ausgestaltung der Ausschreibungen in Europa brauche es „best practices“-Beispiele, die zum einen weitere Kostensenkungen ermöglichten, zum anderen die Realisierung der Projekte sicherstellten. Als fünften Punkt für Solarpower Europe an, dass es einen starken gesetzlichen Rahmen für die Eigenerzeugung und den -verbrauch für Privatkunden brauche, um Verbraucher und Gemeinden zum Mittelpunkt der Energiewende zu machen.

„Europa muss seine eigene Inspiration wiederfinden und als Führungsmacht der Energiewende handeln“, so Alexandre Roesch, Politikdirektor von Solarpower Europe. „Wir müssen aus Solar und Erneuerbaren ein riesiges Industrieprojekt machen.“ Ein guter Anfang dafür wäre, das Erneuerbaren-Ausbauziel auf mindestens 35 Prozent bis 2030 zu erhöhen. Dies würde ein „starkes Signal senden, dass Europa zurück im Solargeschäft ist“, so Roesch weiter.

Solarpower Europe erhebt alljährlich Daten zur Marktentwicklung und veröffentlicht diese in seinem „Global Market Outlook“. Die nun vorgelegten Zubauzahlen basierten auf offiziellen Veröffentlichungen. Sofern diese nicht verfügbar gewesen seien, habe Solarpower Europe die Zahlen in Kooperation mit Unternehmen vor Ort und nationalen Verbänden ermittelt. Offiziell soll der Marktbericht für 2016 Anfang März in Brüssel vorgelegt werden. (Sandra Enkhardt)