Margendruck bei Speicher-Geschäftsmodellen wächst

pv magazine: Was muss man aus Ihrer Sicht heute tun, um am zukünftigen Wachstum des Speichermarkts teilhaben zu können?

Florian Mayr (Foto): Einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren ist sicherlich eine hohe Flexibilität im Geschäftsmodell. Hauptgrund sind die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten für Energiespeicher und die dynamische, schwer zu prognostizierende Nachfrage nach den einzelnen Anwendungsfällen. Diese sind oftmals durch zeitlich und lokal begrenzte Marktvolumina charakterisiert. Bei Sättigung lässt die Nachfrage nach, dafür entstehen an anderer Stelle neue Möglichkeiten, zum Beispiel durch die wachsende Wettbewerbsfähigkeit bestimmter Speichertechnologien gegenüber konkurrierenden speicher- und nicht- speicherbasierten Lösungen. Regulatorische Entwicklungen und deren Umsetzungsgeschwindigkeit führen zu zusätzlicher Unsicherheit hinsichtlich des „optimalen“ Geschäftsmodells. Es kommt also darauf an, schnell auf veränderte Einsatzmöglichkeiten für Speicher reagieren zu können und die passenden Lösungen anzubieten.

Welche der aktuell funktionierenden Geschäftsmodelle für Batteriespeicher sehen Sie in Zukunft in Deutschland gefährdet und warum?

Ein Beispiel können Geschäftsmodelle sein, die sich vornehmlich auf den Vertrieb von Speicherhardware konzentrieren. Durch den stark wachsenden Wettbewerb und die fortschreitende Kommodifizierung entsteht ein zunehmender Margendruck. Dieser kann die Attraktivität solcher Geschäftsmodelle deutlich beeinträchtigten. Ein weiteres Beispiel sind Geschäftsmodelle, die sich ausschließlich auf die Bereitstellung von Primärregelleistung in Deutschland konzentrieren. Dieser Markt ist über kurz oder lang von einer gewissen Sättigung und damit auch von fallenden Preisen betroffen.

Welche Geschäftsmodelle für Batteriespeicher werden möglicherweise in Zukunft interessant, die heute noch nicht attraktiv sind? Was ist nötig, damit es dazu kommt?

Im Gegensatz zu erneuerbaren Energien können Energiespeicher nicht nur einen, sondern eine Vielzahl von Anwendungsfällen bedienen. Damit können sie an verschiedensten Punkten der Stromwertschöpfungskette wertsteigernd eingesetzt werden. Mögliche Anwendungsfälle sind zum Beispiel die Erhöhung des Eigenverbrauchs von Solarstrom, die Bereitstellung verschiedener Netzdienstleistungen oder die Verschiebung von Lastspitzen zur Vermeidung von Infrastrukturinvestitionen. Noch verhindern jedoch regulatorische Rahmenbedingungen in vielen Märkten ein solches „benefit stacking“. In Zukunft ist jedoch mit einem zunehmenden Abbau solcher Hürden zu rechnen. Davon profitieren Geschäftsmodelle, die sich auf die Bereitstellung von aggregierten Energiespeicher-Dienstleistungen konzentrieren. Aber auch die fallenden Kosten für Batteriespeicher werden mehr und mehr Anwendungsfälle wettbewerbsfähig machen.  

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Was sollten Speichersysteme technisch leisten können, damit man als Betreiber oder Verkäufer in Zukunft auch tatsächlich flexibel reagieren kann?

Um bereits installierte, dezentrale Energiespeicher für zukünftige Anwendungsfälle flexibel zu halten, kommt es in erster Linie darauf an, die Software des Energiespeichers mit geringem Aufwand aktualisieren zu können. Das kann zum Beispiel über Cloud-basierte Lösungen geschehen. Bei der Hardware ist eine Erhöhung der Flexibilität üblicherweise gleichbedeutend mit einer Erhöhung der Kosten, was zu Abstrichen bei der Wettbewerbsfähigkeit führt. Betreiber werden aber letztlich die Speicherhardware auswählen, die am besten zum heute adressierten Anwendungsfall passt und sich diesbezüglich rechnet. In jedem Fall tragen produkt- und technologieoffene Geschäftsmodelle zur Flexibilität von Betreibern und Verkäufern bei und erhöhen die Fähigkeit, sich auf die verändernden Bedarfe einzustellen

Das schriftliche Interview führte Mirco Sieg.

Geschäftsmodelle für Speichersysteme werden eines der zentralen Themen auf der Energy Storage Europe 2017 vom 14. bis 16. März 2017 in Düsseldorf sein. Mehr Informationen dazu finden Sie unterwww.ESEexpo.de