Singulus sieht Sonderentwicklung bei CIGS-Technologie

pv magazine: Lange Zeit haben Sie um den 110-Millionen-Euro-Auftrag von CNBM gekämpft. Nun ist die erste Anzahlung da. Wie läuft die Abarbeitung des Auftrags derzeit?

Stefan Rinck (Foto): Singulus Technologies hat Ende Mai 2016 diesen Auftrag von zwei Tochtergesellschaften des chinesischen Staatskonzerns China National Building Materials (CNBM) zur Lieferung von Anlagen zur Produktion von CIGS-Solarmodulen erhalten. Im dritten Quartal konnten wir die ersten Anzahlungen für diese Aufträge vereinnahmen. Wir haben aber natürlich direkt nach der Auftragserteilung mit den vorbereitenden Arbeiten und Planungen begonnen. Es läuft alles gemäß unserer Planungen. Wir werden demnächst die ersten Anlagen in unserem Werk in Kahl aufbauen.

Wann glauben Sie, werden Sie den Auftrag – also die Lieferungen – abgeschlossen haben?

Wir werden die ersten Anlagen noch im ersten Halbjahr 2017 ausliefern und den Auftrag im Jahr 2017 abschließen.

Sie mussten hart kämpfen, auch um ihre Anleihegläubiger von der finanziellen Restrukturierung zu überzeugen. In welchem Zusammenhang steht der Großauftrag aus China mit dem Überleben von Singulus, das doch zum Jahresanfang eher fraglich schien?

Singulus Technologies hat die Restrukturierung der im Jahr 2017 fälligen Unternehmensanleihe in den vergangenen Wochen abgeschlossen. Natürlich hat der große Auftrag sehr geholfen, das Vertrauen unserer Investoren zurückzugewinnen. Auch die von der außerordentlichen Hauptversammlung beschlossene Barkapitalerhöhung wurde in den letzten Wochen erfolgreich realisiert.

Sie waren in der Vergangenheit immer zuversichtlich, dass sich die Nachfrage nach PV-Fertigungsanlagen positiv entwickeln wird. Ist das angesichts der nun herrschenden Überkapazitäten am Weltmarkt immer noch so?

Es ist richtig. Ich sehe aber die Photovoltaik und auch alle regenerativen Energien als alternativlos an. Wir stehen gerade vor einem weltweiten Umbruch in der Energieversorgung auf unserem Planeten. COP 21 wurde Anfang November ratifiziert. Und Cop 22 wird unsere Menschheit weiterhin in die richtige Richtung leiten. Langfristig müssen wir aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe zur Erzeugung von Energie aussteigen. Regenerative Energien sind in der Zukunft entscheidend. Es gibt keine Alternative hierzu und Solarenergie ist damit ein wichtiger Bestandteil der zukünftigen Stromerzeugung.

Ist der Konkurrenzkampf bei CIGS-Fertigungsanlagen (noch) nicht so groß wie bei kristallinem Equipment?

Bei CIGS gab es schon immer eine Sonderentwicklung. Es handelt sich hier um Entscheidungen, die langfristig getroffen werden. Investitionen in die Fertigung von Dünnschicht-Modulen basieren auf strategischen Entscheidungen in der jeweiligen Region.

Immer mehr chinesische Maschinenbauer sind in den vergangenen Jahren auf dem Markt erschienen. Wie sieht es bei CIGS-Fertigungsanlagen mit der direkten Konkurrenz aus China aus?

China ist grundsätzlich bemüht, Fertigungstechnologien selbst zu entwickeln und möglichst viel Wertschöpfung im eigenen Land zu etablieren. Wir haben bei allen wichtigen CIGS Fertigungsschritten in der Anlagentechnik einen technologischen Vorsprung. Aber es bedarf laufend neuer Anstrengungen im Bereich Forschung und Entwicklung. Man darf hier keine Pause einlegen, sonst verliert man diesen Vorsprung schnell.

Die Zell- und Modulhersteller in Europa und den USA sehen sich nun wieder einem sehr aggressiven Preiskampf gegenüber den chinesischen Photovoltaik-Herstellern ausgesetzt. Wie beurteilen Sie die Lage dort und welche Auswirkungen haben sie auf ihr Geschäft?

Überkapazitäten haben immer einen negativen Einfluss auf Investitionsentscheidungen. Aber wie bereits erläutert, CIGS Investitionen basieren eher auf langfristigen Entscheidungen.

Sollte es weitere Schutzmaßnahmen für Modulhersteller in Europa und den USA gegenüber der chinesischen Konkurrenz geben?

Das ist ein schwieriges Thema. Grundsätzlich ist ein freier Markt immer besser. Schutzzölle helfen sicher kurzfristig, sind aber langfristig schwierig. Es wäre sicher besser, für die deutsche und europäische Industrie bessere Rahmenbedingung zu schaffen. Wir müssen aber auf jeden Fall dafür Sorge tragen, dass unsere wenigen verbliebenen europäischen Solarzellen- und Solarmodulhersteller im Wettbewerb überleben und nicht durch Billigimporte in ihrer Existenz gefährdet werden.

Die Fragen stellte Sandra Enkhardt.