Wartungspreise stehen unter Druck

pv magazine: Sie sagen, die heutige Entwicklung im O&M-Markt erinnert Sie an den drastischen Markteinbruch nach der EEG-Novelle 2012. Wie sehen Sie das?

Thomas Kercher: Zuerst einmal sehe ich, dass sehr viele Firmen gerade in Deutschland und Großbritannien im Bereich O&M die Rettung suchen. Das wird gehypt. Das war 2012 schon einmal so, als der Freiflächenmarkt weggebrochen ist und man Umsätze gesucht hat, um das zu kompensieren. So eine ähnliche Bewegung gibt es im Moment wieder. Die ganze O&M-Welt, die ganze Betriebsführung, wird mit tollen Begriffen und tollen Modellen neu erfunden. Auf der anderen Seite gibt es den Gegentrend bei den Investoren, die eigentlich immer weniger zahlen wollen.

Aber müssen die Kosten nicht sinken?

Wir kommen von relativ hohen Betriebsführungskosten, die im Wesentlichen dadurch begründet waren, dass die Komponenten sehr teuer waren. Durch die gesunkenen Komponentenkosten ist es nun logisch, dass die Wartungspreise entsprechend angepasst werden. Allerdings gehen die Wartungspreise sehr eng mit einem Leistungsverzeichnis und mit einer Wartungserwartung zusammen. Da sind die Anreize in Standard-Betriebsführungsverträgen heutzutage so: Je weniger man macht, desto höher ist die Marge. Das ist ein sehr gefährlicher Anreiz, vor allem wenn man unter Druck ist, wie viele Firmen aus Deutschland, die in England unterwegs sind.

Wie kann man als Betreiber sicher sein, dass man nicht zu viel zahlt, aber auch nicht jemanden erwischt, der die Kosten dadurch senkt, dass er nichts tut?

Ich glaube, man muss sich einfach über die Leistungserwartungen und die Leistungsumfänge definieren, zum Beispiel die Reaktionszeiten, und sich seinen Partner wirklich sehr, sehr gut ansehen. Man muss sich auch die Frage stellen, wie gesund ein Unternehmen ist. Denn wenn ein Betriebsführer zwischendurch in die Insolvenz geht oder den Markt verlassen muss, dann geht das fast immer mit irgendwelchen Ausfällen einher. Aber wenn eine Photovoltaikanlage mal eine Weile steht, holt man das nie wieder auf, die Erträge sind weg. Das ist unbedingt zu vermeiden. Man muss allerdings auch immer damit rechnen, dass Probleme plötzlich auftauchen, die am Anfang nie jemand auf dem Schirm hatte, weil Photovoltaik immer noch eine sehr junge Technik ist. Da muss man dem Kunden zur Seite stehen, und ein O&M-Dienstleister sollte das einkalkulieren oder es muss extra abgerechnet werden.

Kann man an alles Preisschilder kleben, zum Beispiel an die Reaktionszeiten, und damit die Anbieter vergleichen?

Das ist schwierig. Diese Diskussion haben wir auch teilweise schon geführt. Teilweise haben wir ausgemacht, dass wir nach Aufwand abrechnen. Aber man muss aufpassen, dass der Prüf-, Kontroll- und Verwaltungsaufwand nicht überhandnimmt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man mit einem Pauschalvertrag, einem vernünftigen Leistungsverzeichnis und einem vernünftigen Controlling besser fährt.

Sind Sie auch der Meinung, dass man eine Betriebsführung für fünf bis neun Euro pro Kilowatt Leistung bei größeren Freiflächenanlagen realisieren kann?

Ja, das hängt aber vom Leistungsverzeichnis ab. Eine Vergleichbarkeit ist aber wirklich schwierig. Es gibt viele Verträge mit einem sehr geringen Grundpreis. Dann kann aber zum Beispiel gleich jedes Mini-Kommunikationsproblem 400 Euro kosten.

Einige Unternehmen propagieren sich als „unabhängige O&M-Anbieter“. Das sind jene, die nicht an EPCs gebunden sind und die betonen, dass man einen O&M-Vertrag nicht mit dem EPC machen soll, der die Anlage gebaut hat. Denn dann gibt es ja einen Interessenskonflikt, wenn Mängel detektiert werden, für die der EPC geradestehen muss. Wie sehen Sie diesen Punkt?

Ich würde keine Anlage und keinen Solarpark verkaufen, ohne auch für die Gewährleistungszeit die O&M-Leistung zu erbringen. Das machen wir einfach nicht. In dieser Zeit haben wir die Chance, durch Leistung zu überzeugen, damit eine Vertragsverlängerung schließlich Sinn macht. Ich kann die andere Argumentation zu dem Gewährleistungsdilemma sehr gut nachvollziehen. Das kenne ich auch aus anderen Gewerken und ja, das ist auch kritisch zu sehen. Deswegen ist die Gewährleistungszeit schwierig. Es liegt aus meiner Sicht aber am EPC: Wenn man sehr zufrieden ist, die Anlage toll performt, die Kommunikation gut ist, die Firma präsent ist, warum soll man dann wechseln?

Nach der Gewährleistung gibt es ja auch keinen Interessenskonflikt mehr.

Genau. Aber auch während der Gewährleistungszeit überwiegen nach meiner Einschätzung die Vorteile die Nachteile.

Was sind denn die Vorteile?

Es gibt keine Schnittstellen mit Reibungsverlusten. Es gibt keine Diskussionen, wer für was verantwortlich ist. Als EPC kann man sich hinter nichts verstecken. Man kann nicht sagen: Hier gab es einen Wartungsmangel, da ist zu spät gemailt worden. Wenn irgendetwas in der Gewährleistungszeit kaputtgeht, ist klar, wer dafür verantwortlich ist. Da wir solche Diskussionen nicht wollen, haben wir diese Entscheidung so getroffen, dass wir in der Garantiezeit die Betriebsführung machen wollen. Ich habe auch noch keinen Kunden gehabt, der das anders wollte. Ich erlebe bei Dachanlagen leider eher, dass Kunden das Thema Betriebsführung nicht so ernst nehmen und gar niemanden beauftragen wollen.

Das Gespräch führte Michael Fuhs.