Tipp für 2017

Wir reden immer über „den Modulpreis“. Den gibt es aber gar nicht. Zum einen unterscheiden sich Preise nach Herstellerregion, nach Zielmarkt, nach Technologie und nach der Stellung dessen, der die Module kauft. Wie kommen die Preise im Preisindex zustande und wer kann sie realisieren?

pvXchange startete ursprünglich als reine Vermittlungsplattform, agiert in seiner aktuellen Ausrichtung aber zunehmend als Großhändler mit eigenen Lagerflächen und weitergehenden Services. Wir kommen laufend mit Modulkontingenten und den dazugehörigen Einkaufs- und Verkaufspreisen aus allen Handelsstufen in Berührung. Seit 2006 werten wir die Modulpreise anhand von realen Angeboten systematisch aus.

Auf dem Weg vom Hersteller zum Installateur wird die Handelsware Modul mit Margen unterschiedlicher Höhe beaufschlagt. Diese sind immer auch von der gehandelten Menge abhängig. Bei pvXchange gibt es ein Spektrum vieler unterschiedlicher Marken, Mengen und Handelsstufen. Der ungewichtete Mittelwert entspricht in etwa dem mittleren Einkaufspreis eines Installateurs für eine mittlere Projektgröße. Die Preise im Index sind keinesfalls Endkundenpreise.

Die Preispunkte stellen die durchschnittlichen Angebotspreise für verzollte kristalline Module in der jeweiligen Kategorie auf dem europäischen (Spot-)Markt dar. Sie sind netto ohne Umsatzsteuer und ohne sonstige Abgaben wie zum Beispiel Transportkosten zur Baustelle.

Wie groß ist die Preisspanne bei Modulen einer Kategorie?

Die im Index dargestellten Preise können vor allem darüber eine Auskunft geben, wie sich Preise über die Zeit verändern oder wie sie sich relativ im Vergleich zu anderen Kategorien (Herkunft, Technologie) verhalten. Die Spanne der Einzelpreise, aus denen die Preispunkte errechnet werden, ist mitunter sehr groß. Aktuell gibt es für kristalline Module (A-Ware) aus Deutschland untere Preispunkte von 43 Cent per Watt und für Module aus Asien von 39 Cent per Watt, Tendenz fallend.

Bei dem Preisindex kann es vorkommen, dass einzelne Monatswerte durch punktuell auftretende Aktions- oder Insolvenzware in Richtung kleinerer Preise verzerrt werden. Das gleicht sich jedoch in den darauffolgenden Monaten in der Regel wieder aus. Zum Beispiel Module aus Japan und Korea Ende 2014. Damals wurden Module mit eventuell gefälschter Herkunftsangabe „Korea“ ohne Mindestpreis zu günstigen Preisen in den Markt gebracht, bis die EU-Kommission das verhindert hat.

Die einzelnen Preiskurven geben an, woher die Module stammen. Es fällt auf, dass seit April sogar der Mittelwert der Module aus China unter dem Mindestimportpreis liegt. Aber auch davor muss es ja Module gegeben haben, die unter Mindestpreis angeboten wurden. Woran liegt das?

Es ist schwer, zuverlässige Preise für Module mit Herkunftsland China zu ermitteln. Die Wege in die EU sind verschlungen und es wäre Detektivarbeit nötig, sie aufzudecken. Es gibt nur wenige große chinesische Hersteller, bei denen man zweifelsfrei bestimmen kann, ob deren Produkte aus China oder einer anderen Region in Asien kommen. Die Preise dieser Anbieter bilden dann das obere Ende der Preisspanne für chinesische Module oder landen in der Kategorie „südostasiatische Module“.

Eine andere kleine Gruppe von Anbietern verschleiert die chinesische Herkunft ihrer Module ebenfalls nicht, sondern geht offensiv damit um. Die Ware wird zum Mindestimportpreis in die EU geholt, dann aber deutlich darunter auf den Markt geworfen. Die vermeintlichen Verluste beim Weiterverkauf unterlägen der unternehmerischen Freiheit und müssten nicht hinterfragt werden, heißt es oft – Unrechtsbewusstsein? Fehlanzeige!

Für die chinesischen Hersteller, die aus der Mindestpreisregelung ausgestiegen sind, gilt: Sie können Module aus Produktionsanlagen, die angeblich ausschließlich in Fabriken außerhalb von China gefertigt werden und die das auch anhand der Herkunftsdokumente (Certificates of Origin) nachweisen, so günstig einführen, wie sie wollen. Aufgrund der großen Anzahl und Menge drängt sich aber der Verdacht auf, dass dabei nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Die EU-Kommission versucht, das dann aufzudecken und zu verhindern.

Den ersten großen Markteinbruch gab es 2012 zu 2013. Was ist da passiert und wie hängt das mit der Preisentwicklung zusammen?

Bereits Ende 2012 sind die Preise der chinesischen Module stark gefallen. Allerdings ist die Einspeisevergütung damals auch pro Monat um fast zwei Prozent gefallen. Für den Markt war das schwierig, und das erste Quartal war schwach. Die Diskussion um mögliche Importzölle auf chinesische Module hat aber dazu geführt, dass jegliche Ware, die sich nach einem schwachen ersten Quartal noch in den Lagern oder auf dem Weg nach Europa befand, auf den Markt geworfen wurde. Preise unterhalb der 40-Cent-Marke waren damals keine Besonderheit.

In der ersten Märzwoche 2013 wurde der Wortlaut einer EU-Verordnung bekannt, aufgrund derer alle Importe von chinesischen Solarmodulen umgehend zollamtlich erfasst werden mussten. Die schlagartig einsetzende hohe Nachfrage nach bereits in der EU befindlicher unregistrierter Lagerware führte schnell aber wieder zu steigenden Preisen. Neu gefertigte Ware wurde eine Zeitlang nur unverzollt angeboten, da die Konsequenzen der Registrierung noch nicht klar waren und niemand das Risiko einer Nachzahlung auf sich nehmen wollte. Das hemmte natürlich die Nachfrage wieder. Bei den Inbetriebnahmen kam diese Preisentwicklung einige Monate verzögert an, sodass der Markt von April bis Juli 2013 noch ganz gut aussah.

Wie ging es dann weiter?

Im Dezember 2013 wurde der verbindliche Mindestimportpreis für diejenigen chinesischen Hersteller, die sich im sogenannten Undertaking verpflichtet haben, auf 0,56 Euro pro Wattpeak festgelegt. Für die anderen Hersteller galten hohe Einfuhrzölle. Zwar dominierten Angebote aus China dann noch immer den Modulmarkt, allerdings waren sie nicht mehr diejenigen mit den tiefsten Preisen.

Kostengünstigere Alternativen ergaben sich nun durch ein immer breiter werdendes Anbieterspektrum aus Südostasien. Diese Newcomer, deren Namen bis kurz zuvor in Europa noch völlig unbekannt waren, erfreuten sich durch ihre sehr attraktiven Angebote wachsender Beliebtheit. Neue Herkunftsländer für kristalline Module waren beispielsweise Vietnam, Malaysia und natürlich Taiwan. Preislich lagen diese Module in der Region um 50 Cent pro Wattpeak.

Die Einspeisevergütung sank weiter stark. Die Modulpreise blieben konstant. Dadurch kam es zu dem bekannten starken Rückgang im Zubau. Gleichzeitig hat die Politik immer noch das Bedürfnis gehabt, einem ungebremsten Ausbau der Photovoltaik entgegenzuwirken, wie er in den Jahren zuvor teilweise stattfand.

Dadurch kam es in der Branche zu einer Konsolidierungsphase – viele augenscheinlich gesunde Unternehmen strauchelten oder mussten ganz aufgeben. Oft, aber nicht immer kam dann ein rettender Investor aus Fernost. Es gab danach noch leichte Schwankungen in den Modulpreisen, unter anderem weil der Euro gegenüber dem Dollar um rund 15 Prozent nachgab.

Stellen wir mal die Was-wäre-wenn-Frage. Die Vergütung wäre auch ohne Mindestpreis gefallen. Die „Preisdelle“ Anfang 2013 hätte es dann nicht gegeben. Wäre der Zubau langfristig höher gewesen?

Schaut man sich das Preisniveau in unregulierten Märkten an, hat es sich in den vergangenen drei Jahren kaum verändert. Hätte es 2013 keine Marktregulierung über künstlich hohe Preise, sondern nur über kontinuierlich gesenkte Vergütungssätze gegeben, ständen wir heute an einem ganz anderen Punkt. Selbst die Umstellung auf ein Ausschreibungssystem hätte die Branche viel besser verkraftet, denn dann hätten die Anlagen auch gleich zu den niedrigen Preisen gebaut werden können, und nicht erst jetzt nach dem Preisabfall. Die Preise waren ja nur so niedrig, weil Anbieter auf die fallenden Modulpreise spekuliert haben. Wir würden uns möglicherweise am oberen Rand des gewünschten Ausbaukorridors befinden, hätten aber vermutlich keinen Wildwuchs mehr, vor dem die Politik und die alte Energiewirtschaft so viel Angst haben. Sicherlich wären auch einige Solarfirmen auf der Strecke geblieben, insbesondere Hersteller, die eine zwingend notwendige Internationalisierung des Geschäfts sowie die Skalierung der Produktionskapazitäten nicht hinbekommen hätten. Die durch den Mindestpreis aufgespannte Hängematte wird aber gerade löchrig, sodass alle Hersteller, die auf den aktuellen Preisverfall nicht vorbereitet sind und dem nichts entgegenzusetzen haben, über kurz oder lang doch noch vom Markt verschwinden werden.

Wenn man sich die Preiskurven anschaut, haben die Mindestpreise keinen Effekt mehr. Kann die Diskussion darüber aufhören?

Er scheint bei der aktuellen Marktlage kaum noch eine Rolle zu spielen. So gut wie alle relevanten Player haben sich freiwillig aus dem sogenannten Undertaking verabschiedet oder sind wegen diverser Umgehungstatbestände ausgeschlossen worden. Einmal befreit von der Last der Beschränkung, scheinen die Hersteller aus Asien sich ganz entspannt wieder ihrer Niedrigpreispolitik hingeben zu können.

Beinahe zeitgleich führten jedoch auch deutsche Hersteller wie Aleo Solar, Heckert Solar und Solarworld in den ersten Septemberwochen 2016 teilweise massive Preissenkungen durch. Begründet wird die Ermäßigung einerseits mit gesunkenen Weltmarktpreisen für Zellen, andererseits mit einer allgemeinen Überproduktion. Es ist also mit einem stetig wachsenden Preiskampf auf allen Ebenen zu rechnen. Die großen chinesischen Hersteller haben sich in Position gebracht und werden den europäischen Konkurrenten nicht das Feld überlassen.

Nun drängt sich natürlich die Frage auf, welche Daseinsberechtigung eine Marktbeschränkung für chinesische Produkte hat, wenn mittlerweile jeder Hersteller mit einer gewissen Größe imstande ist, Module für 45 bis 48 Cent pro Watt auf den Markt zu werfen, also in etwa 20 Prozent unter dem noch geltenden Mindestimportpreis? Betreiben jetzt tatsächlich weltweit alle Firmen Preisdumping? Sollten jetzt etwa alle Hersteller, die außerhalb der EU produzieren, mit Einfuhrbeschränkungen belegt werden? Eines scheint sicher: Die Schutzmaßnahmen der EU-Kommission greifen immer weniger und gehören daher abgeschafft.

Wie stark sind die Preise seit Mai gefallen und welchen Effekt wird das auf den Markt haben?

Je nach Herkunftsregion sind die Preise von Modulen aus Asien auf Basis unseres vor allem in Europa erhobenen Preisindex zwischen März und September um fünf bis acht Prozent gefallen. Erstaunlicherweise sind Produkte deutscher Hersteller sogar zehn Prozent günstiger als noch vor einem halben Jahr. Der Preisrutsch hat gerade erst im letzten Monat so richtig angefangen und wird sich bis Jahresende sicherlich noch fortsetzen. Im Dezember werden wir dann möglicherweise noch die 20-Prozent-Marke im Vergleich zu den Jahresanfangspreisen knacken.

Warum ist aber die Nachfrage in Deutschland und Europa noch vergleichsweise verhalten?

Die gesunkenen Preise und die damit verbundenen neuen Renditemöglichkeiten sind noch nicht voll bei den Investoren und Endkunden angekommen. Da die EEG-Vergütung in Deutschland konstant bleibt, gibt es außerdem wenig Druck, die Projekte noch in diesem Jahr fertigzustellen. Im Gegenteil – der Betreiber würde beinahe ein ganzes Jahr garantierter Einspeisevergütung verschenken, wenn er die Anlage im November oder Dezember ans Netz brächte, anstatt bis Januar damit zu warten. Auch die Gewinner der ersten Photovoltaik-Ausschreibungsrunde in Deutschland, die aufgrund der bisher zu hohen Preise eine Realisierung der Projekte aufgeschoben haben, dürften keine allzu großen Ambitionen haben, noch in diesem Jahr zu bauen. Sie werden abwarten, was sich bei den Modulpreisen noch tut, derweil alle notwendigen Schritte der Vorbereitung unternehmen, um ihre Freiflächenanlagen dann zu April 2017 in Betrieb nehmen zu können, wozu sie verpflichtet sind.

Für dieses Jahr erwarte ich nur noch einen leichten Anstieg der Installationszahlen. Es steht meiner Meinung nach jedoch außer Frage, dass wir mittelfristig wieder zu einem merklichen Marktwachstum innerhalb Europas zurückfinden. Mein Tipp für Deutschland: zwei Gigawatt im Jahr 2017, was einem Wachstum von rund 100 Prozent gegenüber 2016 entsprechen würde. (Martin Schachinger)

Der Autor Martin Schachinger ist seit 20 Jahren aktiv im Bereich Photovoltaik und regenerative Energien. 2004 hat er pvXchange gegründet. Durch die Handelsplattform ist er sowohl mit Lieferanten als auch mit EPC- und Installationsbetrieben vernetzt. Auf der Handelsplattform wird ein breites Spektrum an Markenprodukten, Neu- und Gebrauchtware mit unterschiedlichsten Spezifikationen angeboten.