Solarpower Europe kritisiert EEG-Entwurf als vergebene Chance

Solarpower Europe hat den aktuellen EEG-Referentenentwurf für die anstehende Reform kritisiert. "Dieser Gesetzesentwurf ist eine vergebene Chance für Deutschland wieder in der ersten Solarliga mitzuspielen", erklärte Oliver Schäfer, Präsident des europäischen Photovoltaik-Verbands, am Mittwoch. International hat Deutschland mittlerweile den Anschluss an die weltgrößten Photovoltaik-Märkte verloren und selbst die „unambitionierten“ Zubauziele von 2,4 Gigawatt neu installierter Leistung seien in den vergangenen zwei Jahren deutlich verfehlt worden.

Dabei sinken die Photovoltaik-Kosten kontinuierlich. Allein dies sei „ein gewichtiges Argument“, um die Solarenergie in Deutschland weiterhin zu unterstützen, heißt es bei Solarpower Europe. Solarstrom koste heute bereits weniger als die Hälfte von Haushaltsstrom und auch Solarparks seien immer wettbewerbsfähiger. "Die Ausschreibungen für Solarparks in Deutschland zeigen, dass Solarenergie günstiger ist als Strom aus Atom, Kohle, aber auch Offshore-Wind Anlagen, wenn man Äpfel mit Äpfeln vergleicht", sagt James Watson, Geschäftsführer von Solarpower Europe. Er verweist dabei auf die durchschnittlichen Preise für die erfolgreichen Ausschreibungsprojekte. Sie seien seit April 2015 um fast 20 Prozent auf nun nur noch 7,4 Cent pro Kilowattstunde gesunken.

Vor diesem Hintergrund fordert Solarpower Europe für die EEG-Reform, dass die finanzielle Belastung auf Solarstrom für den Eigenverbrauch und die Direktversorgung abgeschafft werden. Zudem sollen die jährlichen Ausschreibungsvolumen für Photovoltaik-Freiflächenanlagen in Deutschland auf ein Gigawatt verdoppelt werden. Auch müssten die Auktionen auf Anlagen ab einem Megawatt beschränkt bleiben. Dies sieht der Entwurf vor, ist allerdings noch stark in der Diskussion. So haben zuletzt der BDEW und Unions-Fraktionschef Volker Kauder massiv an dieser Bagatellgrenze gerüttelt und fordern Ausschreibungen auch für deutlich kleinere Photovoltaik-Anlagen. Solarpower Europe lehnt überdies die Einbeziehung der großen Dachanlagen ab einem Megawatt Leistung in die Ausschreibungen ab und plädiert auf eine Beschränkung auf Freiflächenanlagen.

Solarpower Europe kritisiert zudem, dass die Bundesregierung ihren Worten auf dem Pariser Klimagipfel im Dezember 2015 nun keine Taten folgen lässt. "Insbesondere Europa und Deutschland sind hier in der Pflicht, aber wenn man sich den EEG-Entwurf anschaut, scheint die Bundesregierung das Mandat von Paris nicht ernst zu nehmen", so Schäfer weiter. Solarpower Europe hatte jüngst die EU-Kommission aufgefordert, das Ziel für die erneuerbaren Energien bis 2030 von 27 auf 35 Prozent anzuheben. Dies würde auch ambitioniertere Erneuerbaren-Ausbauziele in den EU-Mitgliedsstaaten nach sich ziehen. Da die Bundesregierung den weiteren Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und Biomasse an deren Anteil am Bruttostromverbrauch ausrichten will, müsste die EEG-Novelle in diesem Fall wohl nachgebessert werden.

Deutschland hatte im vergangenen Jahr seinen Titel als „weltgrößter Solarmarkt“ an China verloren. Bis zum Ende des Jahres könnten aufgrund der boomenden Nachfrage auch noch die USA und Japan mit einer höheren installierten Photovoltaik-Leistung an Deutschland vorbeiziehen. Die schwächelnde Nachfrage hierzulande ist auch nicht ohne Auswirkungen auf die Jobs im Photovoltaik-Bereich geblieben. So hat Deutschland nach Angaben von Solarpower Europe zwischen 2008 und 2014 etwa 120.000 Jobs in der Solarbranche eingebüßt. Ende 2014 seien lediglich noch knapp 30.000 Arbeitsplätze übrig gewesen. Allerdings gab es in dieser Zeit auch eine massive Konsolidierungswelle inklusive vieler Insolvenzen großer Photovoltaik-Hersteller in Deutschland und ganz Europa. Nach Ansicht des Verbands bietet die Solarenergie gerade mit Blick auf den Wandel zur digitalen Gesellschaft, die auch Smart Home, Elektroautos und Batteriespeicher umfasse, ein „gigantisches Potenzial“. "Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann die Anzahl der Solarjobs um rund 50 Prozent bis 2020 steigen", sagte Watson. Solarpower Europe hatte anhand einer bei Ernst &Young beauftragten Studie aufgezeigt, dass eine Vielzahl neuer Photovoltaik-Jobs gerade auf lokaler und regionaler Ebene möglich seien. (Sandra Enkhardt)