Rent-a-Storage System: Großspeicher einfach mal ausprobieren

In Zukunft sind große Batteriespeicher ein unverzichtbarer Teil der Stromnetze, sagen viele Experten. Heute aber ist die Investition in einen Großspeicher noch ein hohes Risiko. Die Anschaffungskosten sind immens, die Erfahrungswerte bei den Akteuren oft noch gering. Rentabilität und Nutzen lassen sich nur schwer einschätzen, nicht zuletzt wegen der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und Geschäftsmodelle.

Ein neues Miet-Modell für Großspeicher im Megawatt-Maßstab soll Interessenten nun den Einstieg erleichtern. Kunden wie Stadtwerke oder größere Industrieunternehmen können sich damit ohne hohes Risiko für ein paar Wochen oder Monate mit dem System vertraut machen und den Speicher für Ihre Anwendung testen. Welche Größe und Leistung sind nötig? Welchen Nutzen bringt welche Betriebsweise? Ist eine andere Lösung nicht vielleicht doch billiger? Das sind Dinge, die man bei hohen Investitionskosten gerne vorher klären möchte, um dann den optimalen Speicher zu finden.

Gemeinschaftsprojekt mit bekannten Namen

Das Angebot zum Miet-Speicher kommt von einem Zusammenschluss mehrerer Firmen. Der Technikriese Siemens liefert Wechselrichter und Netzanschlusstechnik, der Batteriespezialist Ads-tec steuert Batteriesystem, Monitoring und  Energiemanagement bei. Das Fraunhofer ISE betreut und evaluiert das Projekt vor, während und nach dem Speichereinsatz. Der Verein Storegio Energiespeichersysteme koordiniert und berät die Beteiligten.

In den eigens entwickelten Containern sind Batterie, Wechselrichter und Transformator jeweils in eigenen Räumen untergebracht. Das Ganze passt auf einen Tieflader und kann daher laut den Anbietern relativ kostengünstig transportiert werden. Die größte Variante liefert einen Megawatt Leistung bei einer Megawattstunde Kapazität.

„Wir haben bei Kunden oft Hemmungen gesehen, in große Speicher zu investieren, weil sie seither noch kaum Erfahrung mit der Technik sammeln konnten,“ sagt Jens Kistner, Leiter Produkt- und Projektmanagement im Bereich Energy Storage bei Ads-tec. „Mit unserem Angebot können Kunden ohne finanzielles Risiko ausprobieren, welche Vorteile ein Speicher bringt, um ihn dann mit einem guten Gefühl zu beschaffen.“

Interesse bei Stadtwerken und Großindustrie

Die Einsatzmöglichkeiten für Mietspeicher sind dabei vielfältig. Das größte Interesse besteht laut Kistner im Moment bei Stadtwerken. Diese möchten zum Beispiel ihre eigenen Stromnetze stabilisieren und suchen vermehrt nach Alternativen zum klassischen Netzausbau. Der Betrieb eines Großspeichers ist dann je nachdem günstiger als neue Leitungen zu verlegen oder Transformatoren auszutauschen. Transformatoren haben zudem oft eine Lieferzeit von einem Jahr oder mehr. Diese Wartezeit könnte in dringenden Fällen auch mit einem Mietspeicher überbrückt werden.

Industrieunternehmen geht es laut Kistner in derzeitigen Gesprächen eher darum, Erzeugungsspitzen zum Beispiel von Solarstrom und Bezugsspitzen von Netzstrom zu glätten. Das erhöht den Eigenverbrauch und senkt den Grundpreis beim Energieversorger. Größere Speicher können aber auch helfen lokale Firmennetze zu stabilisieren und zum Beispiel das Anfahrverhalten von Gaskraftwerken und Blockheizkraftwerken (BHKW) kompensieren.

Darüber hinaus geht es vielen Kunden einfach darum, erste Erfahrung mit der neuen Speichertechnik zu sammeln. Dadurch sind sie für künftige Entwicklungen auf dem Energiemarkt gewappnet ohne dafür große Investitionen tätigen zu müssen.

Großveranstaltungen und Baustellen versorgen

Ein weiteres Geschäftsmodell, das Ads-tec und Partner für ihre Mietspeicher sehen, ist der temporäre Einsatz bei Großveranstaltungen. Es gebe auch schon Anfragen, sagt Kistner. „Wenn man kurzfristig viel Strom da haben will, wo er nicht ausreichend zur Verfügung steht, kann es attraktiv sein, sich für ein oder zwei Wochen einen Speicher zu mieten.“ Dann erhöhe sich zwar aufgrund der Fixkosten für Transport, Anschluss und Konfiguration der Mietpreis pro Tag, „aber auch ein Dieselgenerator muss auf- und abgebaut werden“. Zudem werden alleinstehende Dieselgeneratoren typischerweise im Teillastbereich betrieben, was Verbrauch und Alterung verschlechtert. Das gelte entsprechend auch bei einem Einsatz auf Großbaustellen. (Mirco Sieg)