Niedrigstpreise für deutschen Strom lassen Stromexporte auf Rekordwert steigen

Rund 25 Terawattstunden Strom hat Deutschland im ersten Halbjahr 2015 ins Ausland exportiert. Das entspricht etwa acht Prozent des insgesamt erzeugten Stroms und einer prozentualen Steigerung von mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und mehr als 66 Prozent im Vergleich zum Jahr 2013. Besonders die Exporte nach Frankreich und in die Schweiz stiegen deutlich an. Zu diesem Ergebnis kommt das Denklabor Agora Energiewende in einer vorläufigen Auswertung der Stromexporte für dieses Jahr.

Analog zu den steigenden Stromexporten zeigt sich ein stetig fallender Börsenstrompreis. Im Jahr 2013 kostet die Kilowattstunde im Schnitt noch etwa 3,76 Cent, im Jahr 2014 3,24 Cent und im laufenden Jahr 2015 nur noch 3,02 Cent. Das ist eine Preissenkung von knapp 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Damit gehören die deutschen Börsenstrompreise laut Agora Energiewende zu den niedrigsten in Europa.

Grund für die immer niedrigeren Strompreise sei das deutlich größere Angebot von Strom aus erneuerbaren Energien. Ihr Anteil an der Gesamtstromerzeugung stieg vor allem durch einen kräftigen Ausbau der Windenergie auf einen neuen Rekordwert von 31,4 Prozent. Die Stromproduktion aus Braun- und Steinkohle sank im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr leicht von 135 auf 128 Terawattstunden. Die Erzeugung aus Atomkraftwerken und Gaskraftwerken blieb hingegen ungefähr auf Vorjahresniveau.

„Vor allem die älteren Steinkohlekraftwerke geraten durch die stark gestiegene Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zunehmend unter Druck und müssen ihre Produktion immer öfter drosseln. Sie suchen ihr Heil aber auch im verstärkten Export“, sagt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Unglücklicherweise verdränge der Kohlestrom-Export in unseren Nachbarländern vor allem Strom aus klimafreundlicheren Gaskraftwerken. (Mirco Sieg)