Förderung und verlässliche Rahmenbedingungen unabdingbar für Energiewende

Mehr als 75 Prozent der befragten Privathaushalte, Energieversorger und Industrieunternehmen bewerten die Neuausrichtung des Energiesektors und die Vorreiterrolle Deutschlands bei der Energiewende positiv. Dies ist das Ergebnis der nun in Berlin vorgestellten Oliver Wyman-Studie „Gesundheitscheck Energiewende – Folgen und Herausforderungen der Energiewende für Haushalte, Industrie und Energiewirtschaft“. Allerdings zeigt sich auch, dass Privathaushalte und Industrieunternehmen ohne entsprechende Förderung nur bedingt bereit sind, in den Aufbau eigener Kapazitäten zu investieren. Für die Energieversorger seien dabei stabile gesetzliche Rahmenbedingungen besonders wichtig.

Insgesamt wird der Investitionsbedarf für die Energiewende in Deutschland auf voraussichtlich 310 bis 360 Milliarden Euro bis 2030 geschätzt. Die Studie zeigt auch, dass es aber unterschiedliche Perspektiven gibt. Aus Sicht der privaten Haushalte leistet die Energiewende zudem einen wichtigen Beitrag, um die Belastung der nächsten Generation zu reduzieren (94 Prozent), Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen (95 Prozent), die Wettbewerbsfähigkeit zu halten und auszubauen (94 Prozent), Unabhängigkeit von Energieimporten aus dem Ausland zu gewährleisten (94 Prozent), die Abhängigkeit von Stromkonzernen zu verringern (91 Prozent) und die Klimaschutzziele zu erreichen (93 Prozent), wie die Ergebnisse zeigen. Immerhin 49 Prozent der befragten Privathaushalte glaubten nicht an eine erfolgreiche Realisierung der Energiewende. Obwohl eine Mehrheit grundsätzlich zu Investitionen in Photovoltaik-, Erdwärme- oder Windkraft-Anlagen bereit sei, wollten sich 66 Prozent nur bei einer entsprechenden Förderung engagieren. Zugleich fordere eine Mehrheit der Befragten eine kurze Amortisationszeit von höchstens fünf Jahren.

Auch bei den Industrieunternehmen sei eine gewisse Skepsis zu erkennen. So rechneten rund 70 Prozent mit höheren Energiebeschaffungskosten. 67 Prozent der Befragten gaben in der Studie an, sie wollten keine eigenen Kapazitäten zur Energieerzeugung aufbauen. Allerdings hätten alle befragten Unternehmen angegeben, dass eine entsprechende Förderung ihre Investitionsbereitschaft erhöhen könnte. Immerhin setzen Industrieunternehmen, die investieren, vorrangig aus Erneuerbare-Energien-Anlagen. Fast 90 Prozent sehen Blockheizkraftwerke, 65 Prozent Photovoltaik-Anlagen und 59 Prozent Erdwärme als attraktive Investitionsobjekte an, wie die Ergebnisse zeigen. Sie erhoffen sich davon, das Firmenimage (77 Prozent) zu verbessern und Kosten zu senken (62 Prozent).

„Die Energiewende findet in Deutschland zwar großen Anklang, wird jedoch weiterhin wesentlich vom Förderregime abhängen“, so das Fazit von Thomas Fritz, Principal und Energieexperte bei Oliver Wyman. Auch bei den Energieversorgern stießen vor allem auch die politischen Rahmenbedingungen auf Kritik. Sie reichten nicht aus, um die Neuausrichtung des Energiesektors voranzubringen. Die Änderungen in der EEG-Novelle 2014 halten 83 Prozent der befragten Energieversorger für wirkungslos oder negativ. Lediglich 30 Prozent rechneten zudem damit, dass der erforderliche Netz- und Speicherausbau in absehbarer Zeit realisiert werde. Für ihre eigene Zukunft sind die Energieversorger aber optimistisch. 83 Prozent sehen sich „gut vorbereitet“ für die kommenden Herausforderungen und 65 Prozent sehen große Chancen im Vertrieb. Im Fokus bei den Erneuerbaren stehen bei den Energieversorgern die Windkraft an Land (79 Prozent) und Photovoltaik (44 Prozent), die als attraktive Investments gesehen werden. Ihnen geht es dabei vor allem um ein Engagement als wirtschaftliche oder technische Betreiber, wie es weiter heißt. Zugleich müssten die Energieversorger daran arbeiten, ein besseres Kundenverständnis zu entwickeln sowie neue Produkte und Dienstleistungen anzubieten. „Für die Unternehmen der Energiewirtschaft gilt es, ihren Wandel vom Versorger zum Dienstleister noch stärker als bisher voranzutreiben, um in der Energiewende zu bestehen“, sagt Alwine Mohnen, Professorin am Lehrstuhl für Unternehmensführung der Technischen Universität München.

Die Studie hat Oliver Wyman in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Unternehmensführung der Technischen Universität München erstellt. Insgesamt seien mehr als 1000 Privathaushalte und über 120 Unternehmen der Energiewirtschaft und Industrie befragt worden. Die Befragung sei zwischen September und November 2014 erfolgt. (Sandra Enkhardt)