Vorsprung von SMA schmilzt weiter

Für eine Branche, die mit ihrer Technik in Lichtgeschwindigkeit Gleichstrom in Wechselstrom wandelt, finden greifbare Bewegungen auf dem weltweiten Wechselrichtermarkt mit gletscherartiger Langsamkeit statt. Ende 2012 lockerte sich allmählich der Würgegriff, in dem sich die Hersteller befanden: SMAs Marktanteil war von 40 Prozent im Jahr 2010 auf 24 Prozent Ende 2012 gefallen – eine bahnbrechende Talfahrt mit dem Potenzial, einer Zersplitterung des Marktes Tür und Tor zu öffnen.

Bei den führenden Herstellern hat diese Zersplitterung allerdings an Tempo verloren. Ende 2013 lag SMAs weltweiter Marktanteil noch bei 16 Prozent. Um das zu verstehen, lohnt ein Blick auf die wichtigsten Wettbewerber. Denn Wachstum war in den vergangenen 18 Monaten schwer zu realisieren. Die fallenden Kosten für Zellen und Module haben dafür gesorgt, dass der Wechselrichtermarkt ebenfalls unter Preisdruck geriet.

Außer SMA musste auch ABB (nach dem Kauf von Power-One) im Jahr 2013 einen sinkenden Marktanteil hinnehmen, ebenso Kaco New Energy, Schneider Electric und Advanced Energy. Die schwindende Nachfrage in Europa im vergangenen Jahr ließ die Waage von West nach Ost kippen – was die von IHS vor einem Jahr im pv magazine aufgestellten Prognosen bestätigte: Die japanischen und chinesischen Hersteller sind weiter in die Riege der zehn marktbeherrschenden Unternehmen vorgedrungen, und ihre europäischen und US-amerikanischen Konkurrenten mussten dafür Platz machen.

Inmitten dieses Umschwungs hat sich die Internationalisierung als Überlebenstaktik erwiesen. Auf lokalen Märkten können japanische und chinesische Produzenten ihre Umsätze noch erhöhen. Aber anderswo haben Europas größte Player begonnen, ihre Auslandsaktivitäten auszubauen. Das Gleiche gilt für US-Produzenten, und selbst einige führende Wechselrichterhersteller aus Asien wagen sich jenseits kultureller Grenzen in internationale Gewässer. Das Resultat? IHS zufolge sind die durchschnittlichen Wechselrichterpreise im vergangenen Jahr um rund zehn Prozent gefallen.

„Bislang waren Deutschland und Italien die zwei größten Märkte, jetzt sind es China und Japan. Diese beiden Länder stehen für 50 Prozent der weltweiten Wechselrichternachfrage“, sagt Cormac Gilligan, Senior-Analyst für Photovoltaik bei IHS. Die Verschiebung der Nachfrage ist das dominierende Motiv in der Geschichte des Wechselrichtermarkts 2014. Die Nebenhandlung ist Gilligan zufolge der Preisdruck. „Einige Anbieter waren davon stärker betroffen als andere – abhängig davon, ob sie sich zu einer Aktualisierung ihres Angebots entschieden haben oder dafür, abzuwarten und ihre neuen Produkte noch nicht auf den Markt zu bringen.“

Die Zurückhaltung westlicher Unternehmen, in den asiatischen Markt einzutreten, beruhte auf diesem Preisdruck. China beispielsweise ist mit 0,07 US-Dollar pro Watt der billigste Markt für Wechselrichter. Japan ist mit 0,25 US-Dollar pro Watt der teuerste Markt, allerdings bevorzugen beide Länder lokale Lieferanten, was für westliche Anbieter eine Hürde darstellt.

Aber die Zeiten ändern sich. In China wird die Solarförderung jetzt pro Kilowattstunde bezahlt, daher achten Anlagenbauer und Projektentwickler stärker auf Qualität. „Das ist eine große Veränderung, die für große Anbieter aus Europa und den USA Vorteile bringen wird“, sagt Gilligan. „Eine wichtige Entwicklung wird der Ausbau von After-Sales-Services sein, was die Chancen in China weiter verbessern wird.“ Denn während chinesische Firmen auf Expansionskurs ihrem Kundendienst wenig Beachtung schenken oder ihn sogar reduzieren, setzen Anbieter aus den USA und Europa auf diese traditionelle Stärke, um in Asien besser Fuß zu fassen.

Andererseits haben asiatische Anbieter die Möglichkeit, da Wechselrichter immer mehr zur Massenware und Preise zum entscheidenden Faktor werden, erst zu expandieren und dann ihre Produkte zu optimieren. Eine IHS-Kundenstudie im Bereich Wechselrichter zeigt, dass Systemanbieter und Anlagenbauer bei großen Kraftwerken und gewerblichen Anlagen chinesischen Produkten weiter kritisch gegenüberstehen und westliche Hersteller bevorzugen – was SMAs Vorherrschaft bei den Marktanteilen erklärt. Allerdings wachsen große chinesische Produzenten wie Sungrow und Huawei nicht nur bei Größe und Reichweite, sondern holen die westliche Konkurrenz auch bei Qualität und Service ein – eine Entwicklung, die das Jahr 2015 sehr interessant machen könnte.

SMA: Die Führung schwindet

Den jüngsten IHS-Zahlen zufolge ist SMAs Anteil am weltweiten Wechselrichtermarkt am Ende des zweiten Quartals 2014 auf elf Prozent gesunken – nach 40 Prozent im Jahr 2010, 24 Prozent 2012 und 16 Prozent Ende 2013 ein klares Zeichen für die Zersplitterung des Marktes. „Wichtigster Grund für diese Entwicklung ist die gedämpfte Nachfrage in Deutschland, die im restlichen Jahr 2014 weiter sinken soll“, sagt Gilligan.

Außerhalb Deutschlands sind die USA ein Hoffnungsmarkt für SMA. Dort steht das deutsche Unternehmen jedoch in starkem Wettbewerb mit anderen Anbietern aus Europa, China und Japan, die sich ebenfalls ein größeres Stück des umkämpften Marktes sichern wollen. „SMAs Engagement in China und Japan ging langsamer voran als vom Unternehmen erwartet“, so Gilligan weiter. „Die Übernahme von Zeversolar hat eine Zwei-Marken-Strategie in Asien möglich gemacht, aber wegen des starken Preiskampfs in China erweist sich der Markt als Herausforderung.“

Die großen Märkte für private Anlagen in China und Japan stellen eine gute Gelegenheit für SMA dar, aber die Realitäten haben die Expansion behindert. Die meisten einphasigen Wechselrichter werden dort Gilligan zufolge als Teil sogenannter PV-Kits angeboten und über Modullieferanten verkauft, nicht als Stand-alone-Geräte. Ein solcher Markt erfordert viel Arbeit und viel Zeit, um eine dauerhafte Beziehung mit lokalen Modullieferanten aufzubauen. Nach dem damals bemerkenswerten Kauf von Zeversolar warnte IHS-Analyst Sam Wilkinson bereits: „Es kann Jahre dauern, auf den Märkten Chinas und Japans Fuß zu fassen. Damit reden wir von 50 Prozent der globalen Nachfrage, zu der ein Zugang schwierig ist.“

Omron: Hausgemachter Erfolg

Omron blickt auf zwölf starke Monate zurück. Es hat inzwischen 7,5 Prozent Umsatzanteil am globalen Wechselrichtermarkt und war damit am Ende des zweiten Quartals 2014 der zweitgrößte Player nach SMA. Der Aufstieg verlief rasant: 2011 belegte Omron noch Platz 14, 2012 war es bereits Platz sechs, und Ende 2013 lag die Firma mit sechs Prozent Marktanteil auf Platz drei. Omrons Aufstieg verlief parallel zum Solarboom im heimischen Japan.

„Omrons Wachstum liegt am Erfolg des Unternehmens in Japan und wurde durch ein Quartal mit starker japanischer Nachfrage beschleunigt“, sagt Gilligan. Wegen der hohen Preise in Japan hat die Eroberung dieses Marktes Omrons Umsätze deutlich gesteigert und damit auch den Anteil am globalen Markt. „In Verbindung mit größeren Absatzmengen gehören Omrons Einnahmen zu den höchsten der Welt. Das ist der Hauptgrund, warum viele japanische Wechselrichterproduzenten mit global überdurchschnittlichen Preisen in das letzte Quartal gehen“, so Gilligan. Der wachsende japanische Markt nutzt zwar allen lokalen Anbietern. Omron hat jedoch die beste Ausgangsposition, um andere asiatische Märkte wie Thailand, Taiwan und Indien zu erschließen, wenn auch eine Expansion darüber hinaus unwahrscheinlich scheint. „Omron ist in Europa präsent, aber Japan wird weiter das Hauptaugenmerk gelten“, fügt Gilligan hinzu.

ABB: Interessante Zeiten

Gilligan beschreibt ABBs Situation 2014 als durchaus vergleichbar mit der von SMA. Dessen Anteil am Weltmarkt ist auf sieben Prozent gefallen, damit liegt das Unternehmen auf Platz drei des Rankings. Die eine Milliarde US-Dollar teure Übernahme des US-Rivalen Power-One Mitte 2013 hat ABB zwar mehr Markteinfluss verschafft, aber die Expansion hat erst begonnen. Power-One hatte 2012 den zweitgrößten Marktanteil mit zehn Prozent des weltweiten Wechselrichterumsatzes, dieser sank bis Ende 2013 auf acht Prozent und ist bei ABB noch weiter gefallen.

„ABBs Schlüsselmärkte leiden unter der sinkenden Nachfrage nach Solaranlagen, besonders in Italien und in anderen europäischen Ländern“, sagt Gilligan. „Darüber hinaus werden einige Märkte wie beispielsweise Indien, wo ABB Fabriken hat, volatil bleiben, was zu unregelmäßigen Umsätzen führt.“ Die größte Herausforderung wird es aber sein, die vielversprechenden Märkte Chinas und Japans besser zu erschließen.

Tabuchi: Gut unterwegs

Tabuchi wurde lange zur Gruppe der asiatischen Wechselrichterproduzenten gezählt, die ihre europäischen Konkurrenten aus dem Markt drängen wollen, und erfüllt jetzt diese Prophezeiung. 2013 hat sich das japanische Unternehmen mit etwa zwei Prozent Marktanteil auf Platz sieben der größten Wechselrichterproduzenten geschlichen, jetzt liegt es mit 6,8 Prozent auf Platz vier. „Das ist eine gute Steigerung im Vergleich zum Vorjahr und spiegelt die Stärke des japanischen Privatkundenmarktes wider“, sagt Gilligan.

TMEIC: Steile Lernkurve

Wenn es um das zu große Vertrauen in einen einzigen Markt geht, scheint TMEIC die Torheit dieser Strategie erkannt zu haben. Der japanische Gigant ist mit einem stabilen Marktanteil von vier Prozent im Ranking abgerutscht: vom vierten Platz 2013 auf Platz fünf zum Ende des zweiten Quartals 2014. „TMEIC bleibt zwar der größte Wechselrichteranbieter für große Kraftwerke in Japan, hat aber realisiert, dass ein zu großes Vertrauen in den heimischen Markt ein Fehler ist“, sagt Gilligan.

Zur Unternehmensstrategie gehören die Übernahme von AEG Power Solutions Indien, was TMEIC einen schnellen Marktzugang ermöglichen soll, und konzertierte Anstrengungen in China und den USA. „Im September hat TMEIC mitgeteilt, dass das Unternehmen die Produktion von Zentralwechselrichtern in den USA aufnehmen wird, um Frachtkosten zu sparen“, sagt Gilligan. Ähnlich ist die Strategie in Indien, wo das Unternehmen dank der Produktion vor Ort Importsteuern vermeidet. „Um das Risiko zu reduzieren, von einem einzigen Markt abhängig zu sein, hat TMEIC Produktionskapazitäten in drei anderen der zehn größten Märkte aufgebaut – in Indien, China und den USA.“

Advanced Energy: Langsam und gleichmäßig

Auf den US-Produzenten Advanced Energy entfielen im zweiten Quartal 2014 rund 3,5 Prozent des weltweiten Wechselrichtermarktes. Das entspricht etwa dem Jahr 2013 und sichert dem Unternehmen im Ranking wieder den sechsten Platz. In einer Branche, deren Umsätze immer weiter nach Osten wandern, ist Stabilität für das Unternehmen ein Gewinn. „Advanced Energy konzentriert sich darauf, den Marktanteil in den USA zu sichern, insbesondere weil dort die stark wachsende Nachfrage nach großen Solarparks und gewerblichen Anlagen neue Player anzieht“, so Gilligan. Als günstig hat sich auch die Strategie erwiesen, 2013 Refusol zu übernehmen, um die Nachfrage in Indien und Europa bedienen zu können.

Enphase: Spezialist für Modulwechselrichter

Als Hersteller von Modulwechselrichtern hat Enphase Energy von der boomenden privaten Nachfrage in den USA, in Großbritannien und in Australien profitiert. Diese verhalf dem Hersteller zu einem Marktanteil von 3,5 Prozent und dem siebten Platz im Ranking. Gleichzeitig ist Enphase der größte Spezialist für Modulwechselrichter in den Top Ten. Ende 2013 lag das Unternehmen mit rund zwei Prozent Marktanteil auf Platz zehn, hatte 2012 aber schon einmal den achten Platz inne. Ob der US-Produzent in Zukunft sein Schicksal besser kontrollieren kann, bleibt abzuwarten.

Schneider Electric: Zufrieden

Dank einer nennenswerten Reichweite in den meisten wichtigen Photovoltaikmärkten liegt der Marktanteil von Schneider Electric im zweiten Quartal 2014 bei 3,3 Prozent. Das entspricht in etwa den Anteilen in den Jahren 2013 und 2012, als das Unternehmen im Ranking die Plätze acht beziehungsweise vier belegte. In den vergangenen 24 Monaten verzeichnete Schneider Electric stets um die drei Prozent Umsatzanteil. „Schneider Electrics globale Verankerung bedeutet, dass die Produktion hochgefahren oder begonnen werden kann, sobald ein Markt entsteht. Das ist eine der wichtigsten Stärken des Unternehmens“, sagt Gilligan. Dank eines guten Vertriebs und vielen Niederlassungen weltweit hat der Elektrotechnikkonzern ein hohes Ansehen. Im Unterschied zu den Konkurrenten, die ausschließlich Wechselrichter produzieren, kann das Unternehmen schneller neue Märkte erschließen.

Huawei: Eine neue Kraft

Auf Platz neun mit drei Prozent Weltmarktanteil liegt der chinesische Fertigungsriese Huawei. Die Ambitionen des chinesischen Herstellers jedoch sind sehr viel größer. „Das Unternehmen ist erst im zweiten Quartal 2014 in die Top Ten aufgestiegen und plant Größeres“, sagt Gilligan. „Sie bauen ihren Marktanteil in China auf und erhöhen ihn dann nach und nach quer durch die führenden internationalen Märkte. Huawei ist eine wirklich wettbewerbsfähige Kraft in China und engagiert sich stark für Forschung und Entwicklung.“

Solaredge: Noch ein Neuzugang

Mit einem Weltmarktanteil von 2,7 Prozent schiebt sich Solaredge in die Top Ten. Der israelische Produzent von Wechselrichtern und Leistungsoptimierern profitiert vor allem von einem soliden US-Geschäft. „Viele führende Solar-Leasing-Firmen in den USA greifen auf Produkte von Solaredge zurück – und wenn man auf der Liste der zugelassenen Anbieter steht, verschafft das Zugang zum wachsenden Markt für private PV-Anlagen“, sagt Gilligan.

Außerhalb der Top Ten

Das bemerkenswerteste Unternehmen, das momentan nicht mehr im Ranking der zehn größten Produzenten auftaucht, ist Sungrow. 2013 lag der chinesische Anbieter mit einem Marktanteil von vier Prozent auf Platz fünf. Angesichts starker Konkurrenz von Huawei blieb Sungrow 2014 bislang hinter den Erwartungen zurück. Als Silberstreif am Horizont gilt jedoch ein starkes zweites Halbjahr. „Im ersten Halbjahr ist Sungrows Absatz gesunken. Aber bevor die Zahlen für das Gesamtjahr nicht vorliegen, ist es schwer zu sagen, wie viel Marktanteil Sungrow an Huawei verloren hat“, sagt Gilligan.

Auch Kaco New Energy fehlt in der Liste: Das deutsche Unternehmen rutschte von einem dritten Platz 2012 mit drei Prozent Marktanteil über einen neunten Platz 2013 mit gut zwei Prozent Marktanteil jetzt aus den Top Ten. „Die Schwäche der europäischen Kernmärkte belastet Kacos Zahlen“, sagt Gilligan. „Immerhin ist das Unternehmen in den USA und auf asiatischen Märkten präsent, vor allem in Japan und Südkorea. Es hat also die Notwendigkeit internationaler Expansion erkannt.“

Was passiert 2015?

„Es wird interessant werden zu beobachten, wie reine Wechselrichterproduzenten auf die Konkurrenz durch große Industrieunternehmen wie Huawei reagieren“, sagt Gilligan. „Für Wechselrichterspezialisten kann eine Expansion schwierig sein. Es gibt Investitionsrisiken, die sich als abschreckend erweisen können.“ Viele Spezialisten verfügen über weniger Ressourcen als einige Multis – eine Herausforderung, die es zu meistern gilt.