Offenbar chaotische Zustände bei Solon

Der vorläufige Insolvenzverwalter von Solon, Bruno Kübler, „fahndet nach Vermögenswerten“. Diese selbstgewählte Überschrift seiner Kanzlei zeigt, wie dramatisch die Lage bei den beiden betroffenen Gesellschaften in Berlin sein muss. Kübler habe „weder eine geordnete Buchhaltung oder Personalakten noch andere wesentliche Unterlagen“ vorgefunden. Insgesamt seien es rund 150 Umzugskartons mit Dokumenten gewesen, die Kübler nun begonnen habe zu sichten. Weitere Unterstützung erhofft sich der vorläufige Insolvenzverwalter von der Zusammenarbeit mit der ermittelnden Staatsanwaltschaft.

In der vergangenen Woche habe Kübler mit Betriebsratsmitgliedern getroffen sowie die Arbeitnehmervertreter der beiden Solon-Gesellschaften über den Sachstand informiert. Zugleich habe er sie gebeten, bei der Aufklärung der Insolvenzursachen zu helfen. Offenbar habe Solon seit Monaten über keine Finanzmittel mehr verfügt, so Kübler weiter. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sei daher, eventuell vorhandene Vermögenswerte zu ermitteln und einzuziehen. Er werde auch  eingehend prüfen, ob Haftungstatbestände vorliegen, die zu Forderungen gegen Gesellschafter oder Organe führen könnten. Die Betriebsräte hätten ihm dazu schon Hinweise geben können.

Die Situation bei Solon ist undurchsichtig. Bereits 2011 hatte das Berliner Photovoltaik-Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Damals übernahm der indisch-arabische Konzern Microsol den Berliner Hersteller und dessen Marke. Bereits Mitte 2012 sei es dann zu neuen Liquiditätsschwierigkeiten gekommen und ab Anfang 2013 zu weiteren Entlassungen. Spätestens seit Dezember 2013 wurden Löhne und Gehälter nur mit Verzögerung ausgezahlt, wie Kübler nun berichtet. Die rund 230 betroffenen Mitarbeiter der Solon Enegry GmbH und der Solon Modules GmbH, die Mitte September einen Eigenentrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt haben, hätten daher zumeist noch offene Lohnzahlungen und Abfindungen. Seine Photovoltaik-Produktion in Berlin hatte Solon Ende April eingestellt. Die 230 Mitarbeiter hätten Anspruch auf Insolvenzgeld, sofern das Verfahren eröffnet werden. Damit sei aber vorerst nicht zu rechnen, so Küblers Einschätzung.

Bereits nach der Einstellung der Produktion hatten Mitarbeiter im Juni eine Klage gegen Solon erwogen. Zudem hatte ein Betriebsrat im August Anzeige wegen Insolvenzverschleppung gegen die Solon-Geschäftsführung bei der Berliner Staatsanwaltschaft eingereicht. Diese liegt pv magazine vor. Darin sind umfangreiche Informationen über offene Forderungen in Millionenhöhe enthalten. Der Sitz der  Muttergesellschaft, der Solon International, befindet sich in den Vereinigten Arabischen Emirat, wo mittlerweile auch ein Werk für die Produktion von Solon-Solarmodulen steht. (Sandra Enkhardt)