Handel mit Photovoltaik-Bestandsanlagen wächst

Was sind ihre Erfahrungen, über welche Kanäle die meisten Photovoltaik-Anlagen verkauft werden?

Nachdem laufende Photovoltaik-Anlagen früher hauptsächlich im engen Kreis über Vermittler, Makler, Steuerberater und auch Anwälte vertrieben wurden, sehen wir einen zunehmenden Trend, Anlagen online zu vermarkten, da die Vorteile für Anbieter und Käufer überwiegen. Dieser Trend wird sich noch verstärken, da wohl mehr als 90 Prozent aller Anlagenbesitzer nicht klar ist, dass Sie Ihr Photovoltaikinvestment als liquides Asset handeln können.

Welche Vorteile hat die Onlinevermarktung für Anbieter und Käufer?

Früher kamen Investor und Verkäufer meistens aus derselben Region oder demselben Land. Durch eine Onlinevermarktung der Anlagen erreichen Anbieter einen internationalen Markt und Investoren ein viel größeres internationales Angebot. Außerdem müssen Unterlagen nicht mehr über E-Mail verschickt werden, sondern können über spezielle Datenräume sicher und bequem geteilt werden.

Milk the Sun betreibt eine Plattform für den Verkauf. Verkaufen Sie eher große oder eher kleine Anlagen?

Das ist von Region zu Region unterschiedlich. Die durchschnittlich gehandelte Anlagengröße in Deutschland liegt beispielsweise bei 150 Kilowatt, wobei wir Anlagen zwischen sieben Kilowatt und neun Megawatt erfolgreich vermarktet haben. In Italien hingegen liegt der Durchschnitt bei fast konstant einem  Megawatt. In Japan, Großbritannien und Lateinamerika sind es hauptsächlich Projekte im großen Megawattbereich.

Können Sie etwas über die Entwicklung des Angebots und der Nachfrage in Deutschland sagen? Haben Sie dort Änderungen etwa bei Anlagengrößen oder potenziellen Käufern in den vergangenen Monaten feststellen können?

Die zunehmende Alternativlosigkeit der Photovoltaik im Verhältnis zu  anderen Anlageformen hinsichtlich Risiko- / Rendite-Verhältnis lenkt den Fokus nicht nur institutioneller Investoren, sondern immer mehr auch privater Investoren auf Photovoltaik-Investments. Dadurch steigt aktuell die Nachfrage vor allem im Bereich der 30 bis 1000 Kilowatt-Anlagen. Zudem werden wir im zweiten Halbjahr wieder einen Ansturm von steuergetriebenen Privatinvestoren sehen. Diese hohe Nachfrage sorgt für bescheidenere Renditeerwartungen und lässt dadurch so manchen Eigentümer eher überlegen, sich von seinem Photovoltaikinvestment zu trennen. Früher galt ein Investment in eine Photovoltaik-Anlage als 20jähriges fixes Investment. Mittlerweile hat sich die Kenntnis, dank der weiterentwickelten Märkte, durchgesetzt, dass es möglich ist laufende Photovoltaik-Anlagen weiter zu veräußern. Somit können die in Photovoltaik investierten Mittel jederzeit wieder liquide gemacht werden kann.

Gibt es andere Länder in denen gerade der Kauf und Verkauf von Bestandsanlagen hoch im Kurs steht?

Definitiv. Insbesondere sehen wir unverändert eine starke Nachfrage aus Skandinavien. Aber auch das Interesse an laufenden Solaranlagen in Deutschland und Italien aus dem angelsächsischen Raum, aus Südosteuropa und Asien hat in den letzten Monaten stark zugenommen.

Welche Entwicklungen erwarten Sie für die Zukunft?

Einen sich dynamisch entwickelnden, professionellen, hochliquiden, internationalen Markt, der Anlegern eine Alternative zu klassischen Immobilien- oder Fundinvestments bietet.

Das Interview führte Sandra Enkhardt.

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