Die Schuldenmär von RWE

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RWE musste in dieser Woche den ersten Nettoverlust seit mehr als 60 Jahren verkünden. 2,8 Milliarden Euro Miese standen bei dem Essener Konzern im vergangenen Jahr zu Buche. Dafür macht RWE mit Vorliebe die deutsche Energiewende – also den Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und Biomasse verantwortlich. Das Internationale Wirtschaftforum Regenerative Energien (IWR) hat sich die Bilanz allerdings genau angeschaut und kam zu einem ganz erstaunlichen Ergebnis. Der hohe Nettoverlust bei RWE resultiert auf Fehlinvestitionen und Abschreibungen auf ausländische Kraftwerke, wie eine Konzernsprecherin auch dem IWR bestätigte.

RWE konnte immerhin vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) einen Gewinn von 8,8 Milliarden Euro erzielen, zwar ein leicher Rückgang gegenüber 2012, aber eben ein Plus. Das EBIT-Ergebis gibt es der Energiekonzern mit 5,9 Milliarden Euro an. Doch dass es unter dem Strich dann doch zu einem Nettoverlust kam, liegt an den hohen Wertberichtigungen für die Kraftwerke. RWE beziffert diese IWR zufolge mit 4,8 Milliarden Euro, wobei es hauptsächlich den Kraftwerkspark außerhalb Deutschlands betroffen habe. Bereits Mitte des vergangenen Jahres habe RWE Wertberichtigungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro vorgenommen, die dann zum Jahresanfang nochmals um 3,3 Milliarden Euro erhöht worden seien.

Der IWR widerlegt dabei auch die Mär, dass Kohlekraftwerke wegen der Energiewende in Deutschland immer seltener am Netz seien. Die Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) belegten das Gegenteil. Gerade Braun- und Steinkohlekraftwerke liefen in Deutschland 2013 soviel wie lange nicht. 162 Milliarden Kilowattstunden Strom seien aus Braunkohle produziert worden – der höchste Wert seit 1990. Auch die BDEW-Auslastungszahlen für die Kraftwerke zeigten, dass Kohlekraftwerke in den vergangenen Jahren länger liefen und wieder auf eine steigende Zahl von Volllaststunden kämen.

Wenn RWE also weiterhin behauptet, die deutsche Energiewende sei Schuld an seinen schlechten Geschäftsergebnissen, dann ist dies nicht haltbar. Dennoch wird sich der Vorstand des Energiekonzerns wohl weiter auf diese Argumentation stützen. Es ist auch viel einfacher Photovoltaik, Windkraft und Biomasse die Schuld in die Schuhe zu schieben, als eigene Fehlinvestitionen einzuräumen. (Sandra Enkhardt)

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