Installateure gegen Antidumping-Zölle

45,3 Prozent der von EuPD Research befragten Installateure sprechen sich gegen Importzölle aus, nur 38,5 Prozent dafür. Aus Sicht der Marktforscher ist das eine naheliegende Meinung. So hätten letztes Jahr rund 55 Prozent der Installateure ihren auch chinesische Module angeboten. Jetzt haben sie Angst, dass diese teurer werden. „Vor diesem Hintergrund erscheinen diese Ergebnisse plausibel, dass sich eine Mehrheit gegen Schutzzölle ausspricht“, sagt Marketingleiter Thomas Olbrecht.

Mit am häufigsten würden die Installateure ihre Meinung damit begründen, dass Zölle das eigene Geschäftsmodell gefährden würden. „Viele Installateure fürchten zudem, dass auch europäische Produkte aufgrund ihrer chinesischen Zulieferer von Strafmaßnahmen betroffen sein könnten“, so Olbrecht weiter. Es erstaunt jedoch, dass nur 43 Prozent der befragten deutschen Installateure das Thema intensiv verfolgen. Insgesamt wurden zu je einem Viertel Installateure aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien befragt. Die Studie wurde nach eigenen Aussagen von EuPD selbst finanziert.

Interessant sind auch die Antworten auf die Frage, welche Rolle die Registrierungspflicht für chinesische Module für Auswirkungen hat, die die EU Anfang März eingeführt hat. Für alle seither eingeführten Module ist es prinzipiell möglich, dass die Zölle rückwirkend eingeführt werden. Betriebe mit chinesischen Produkten im Portfolio gaben laut EuPD an, dass sie deshalb chinesische Produkte nur noch über den Handel beziehen wollen, um so das Risiko zu minimieren.

Auch wenn europaweite Schutzzölle eingeführt werden sollten, werden sich die Installateure nach der Umfrage so verhalten, wie es die Marktforscher erwarten. Einige Installateure mit chinesischem Produktportfolio würden dann den Anbieter wechseln und europäischen Produzenten den Vorzug geben. Installateure, die bereits jetzt nur europäische Produzenten im Angebot haben, würden dann ihr Beschaffungsverhalten zwar nicht ändern. Doch in diesen Betrieben wolle man die Produktspezifikationen und die Liste der Zulieferländer genau prüfen.

Mit der Informationspolitik sind die Installateure übrigens generell nicht sehr zufrieden. Von den chinesischen Herstellern erwarteten die Betriebe zum Beispiel vor allem Klarheit und Offenheit und wünschten sich, stärker in die Diskussion mit einbezogen zu werden. Auch die Frage, welche Auswirkungen Zölle auf die Liefersituation, die Preise und eventuelle rückwirkende Zahlungen haben, werde zuwenig behandelt. Von den Medien erwarteten die Installateure eine Versachlichung des Themas. Publikumsmedien würden tendenziell eher parteipolitische Arbeit leisten und ihre Rolle als neutraler Informationsvermittlers nur unzureichend ausfüllen.

Die Frage, welche Auswirkungen mögliche Zölle auf den Markt  und die Arbeitsplätze in Europa haben, ist in der Branche sehr umstritten. Afase, die Organsisation, die gegen die Zölle kämpft, behauptet auf Basis einer Studie von Prognos, dass bei 35 Prozent Zoll der Markt in Europa von 14,8 auf 7,7 Gigawatt einbrechen und die Zahl der Beschäftigten um über 200.000 Beschäftigte zurückgehen werde.

Prosun, die Vereinigung, die bei der EU die Beschwerde gegen unerlaubtes Dumping und Subventionen eingereicht hat, wendet sich gegen das Argument. „Chinas Dumping schadet der ganzen Solarbranche und hat die europäische Industrie inzwischen schon Tausende Jobs und über 30 Firmenpleiten und Fabrikschließungen gekostet", erklärte Milan Nitzschke, Präsident  von Prosun und Sprecher von Solarworld in einer Presseerklärung im Februar. In den USA sei der Markt im übrigen trotz Einführung der Zölle gewachsen. Im Interview mit pv magazine erklärte Nitzschke allerdings auch, dass „wer auf Module für 45 Cent setzt, der wird sie nicht mehr bekommen“. Für den werde es in der Tat teurer. Einige Anlagen würden dann nicht mehr gebaut werden. Wie teuer die Module dann werden, hängt natürlich von der Höhe der Zölle ab. Bei 35 Prozent würde ein 45 Cent pro Watt Modul rund 60 Cent pro Watt kosten. (Michael Fuhs)

Mehr Informnationen dazu in unseren Schwerpunkt„Importzölle“. Dort finden Sie unter anderem:Fragen und Antworten für die PraxisStatement von Milan Nitzschke, Präsident ProsunStatement von Thorsten Preugschas, Sprecher der AFASE