Agora Energiewende und Guidehouse haben die wichtigsten Politikinstrumente für die Markteinführung von grünem Wasserstoff in Europa sowie die Kosten dafür in ihrer neuen Analyse aufgezeigt. Carbon Contracts for Difference, eine Quote für strombasierte synthetische Kraftstoffe im Luftverkehr, Ausschreibungen zur Förderung von mit Wasserstoff betriebenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, gezielte Marktanreize für CO₂-freie Materialien sowie Lieferverträge für erneuerbaren Wasserstoff halten sie für geeignet, um grünen Wasserstoff wettbewerbsfähig zu machen.
Bereits im nächsten Jahr könnte die EEG-Umlage halbiert werden, wie aktuelle Rechnungen des Berliner Think Tanks zeigen. Dafür müssten die CO2-Preise 2022 um 15 auf 45 Euro pro Tonne erhöht werden, um die Mehreinnahmen aus dem Emissionshandel für die Entlastung der EEG-Umlage zu nutzen.
Die Experten des Think Tanks empfehlen unter anderem, das Klimaneutralitätsziel auf 2045 vorzuziehen und das Klimaziel für 2030 auf 65 Prozent anzuheben. So könne die Bundesregierung dem Klimaschutz-Urteil des Bundesverfassungsgerichts gerecht werden.
Daneben fordern Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und Regulatory Assistance Projekt kurzfristige Ausgleichsregelungen bei den geplanten Ausschreibungen für Schnellladesäulen. Andersfalls drohen Regionen mit hohen Netzentgelten abgehängt zu werden.
Mit zwölf Handlungsempfehlungen an die Politik haben Agora Energiewende, Roland Berger und die Stiftung 2° einen Rahmen für den klimaneutralen Umbau der Industrie erarbeitet. Die Empfehlungen sind Ergebnis eines engen Austausches mit großen Industrieunternehmen.
Wegen ihres großen Wasserstoffbedarfs eignen sich die Standorte der Stahl-, Ammoniak- und Chemieindustrie gut für den Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur. Zweite Bedingung ist der günstige Zugang zu erneuerbaren Energien. Agora Energiewende sieht das unter anderem in einem breiten Küstenstreifen zwischen Deutschland und Frankreich gegeben.
Seit 2015 hat sich die Erzeugung der Photovoltaik- und Windkraftanlagen in den EU-Mitgliedsstaaten fast verdoppelt, die Kohleverstromung dagegen halbiert. Die Erneuerbaren insgesamt kamen 2020 auf 38 Prozent, die fossilen Energieträger blieben mit 37 Prozent knapp dahinter zurück.
Seit 2015 hat sich die Kohleverstromung mehr als halbiert. Die Corona-Krise hat diese Entwicklung weiter beschleunigt. Ihre Auswirkungen führten immerhin dazu, dass Deutschland seine CO2-Minderungsziele für 2020 doch noch erreichte.
Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität haben analysiert, wie Deutschland bis 2050 klimaneutral werden kann. Dafür sei ein umfassendes Investitionsprogramms nötig, das vor allem den Erneuerbaren-Ausbau vorantreibt, aber auch die weitgehende Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie, die energetische Sanierung fast aller Gebäude und den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur umfasst.
Um eine teure Zählerumrüstung zu vermeiden, schlägt die Berliner Denkfabrik vor, für den Betrieb von kleinen Photovoltaik-Anlagen nach Auslaufen der Förderung das bestehende System von Standardlastprofilen um ein Solarstrom-Prosumer-Standardlastprofil zu ergänzen. Bei komplexen Anwendungsfällen stößt das Prinzip jedoch an seine Grenzen.