Wenn man die Kosten für den Erhalt von Flächen in die Modellierung der Stromgestehungskosten für Agrivoltaik-Projekte einbezieht, lassen sich solche Anlagen wirtschaftlich kaum rechtfertigen. Entsprechend seien pauschale Förderungen solcher Systeme wenig zielführend. Etwa so lassen sich die Ergebnisse einer Forschungsgruppe des Thünen-Instituts für Agrartechnologie zusammenfassen.
„Agrivoltaik kann landwirtschaftliche Flächen effektiver erhalten als herkömmliche Freiflächen-PV-Anlagen, da sie die gleichzeitige Nutzung von Flächen für die Stromerzeugung und die Landwirtschaft ermöglicht“, sagt der Hauptautor der Studie, Jonas Böhm, gegenüber pv magazine. „Unsere Analyse zeigt jedoch, dass dieser Vorteil für den Landschaftsschutz mit erheblichen Kosten verbunden ist. Diese Kosten müssen entweder vom Investor, den Stromkunden oder von der Gesellschaft getragen werden.“
Böhm betont auch, dass die landwirtschaftliche Produktion nur einen marginalen Beitrag zur Gesamtwirtschaftlichkeit von Agrivoltaik-Anlagen leistet, da die Stromerzeugung nach wie vor die dominierende Einnahmequelle ist.
„Um den landwirtschaftlichen Ertrag zu quantifizieren, haben wir historische Daten des Deutschen Betriebsbuchführungs-Daten-Netzwerks verwendet, das langfristige, repräsentative Informationen über landwirtschaftliche Faktoreinkommen in Deutschland liefert. Diese Daten bestätigen, dass die landwirtschaftliche Wertschöpfung viel zu gering ist, um die erheblich höheren Systemkosten der Agrivoltaik auszugleichen“, sagt Böhm.
Die Modellierung ging davon aus, dass Agrivoltaik-Anlagen den deutschen Standards entsprechen müssen, wonach mindestens 85 Prozent der Flächen bei bodennahen-Anlagen oder 90 Prozent bei hochaufgeständerten-Anlagen weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden müssen.
Bei den Investitionskosten berücksichtigten die Forscher die Kosten für Solarmodule, Wechselrichter, Montagesysteme, interne Verkabelung, Installation, Umzäunung, Transformatoren und möglicherweise eine Umspannstation sowie die Ausgaben für Landerwerb, Maßnahmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, Genehmigungen, Bau- und Umweltgutachten, Projektplanung und Bauüberwachung. Die Opex-Berechnungen umfassten Überwachung, Berichterstattung, Inspektionen, Wartung, Fernsteuerungsfunktionen, Sicherheit, Versicherung, kaufmännische Verwaltung, Rechtsberatung, Erhaltung der biologischen Vielfalt, Pflege von Grünflächen, Reinigung, Reparaturen von Wechselrichtern und sonstige Kosten.
Anhand der durchschnittlichen globalen Sonneneinstrahlungsdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für vier Bodenklimazonen zwischen 2014 und 2023 schätzt die Forscher die Stromerträge. Bei der Kostenbewertung berücksichtigten die Autoren auch die landwirtschaftlichen Erträge aus Flächen unter den Agrivoltaik-Anlagen und verrechneten diese mit den Gesamtkosten der Anlage.
Anhand realer Kostendaten deutscher Projektentwickler stellte das Team fest, dass die Stromgestehungskosten für Agrivoltaik-Anlagen zwischen 4 und 148 Prozent höher sind als für konventionelle Freiflächen-PV-Anlagen, wobei Anwendungen wie Agrivoltaik für Apfelplantagen die größten Kostenunterschiede aufweisen.
„Wir haben außerdem festgestellt, dass sich die gesellschaftlichen Kosten, wenn man die zusätzlichen Kosten von Agrivoltaik-Anlagen pro Hektar erhaltener Ackerfläche ausdrückt, auf 8.000 bis 26.000 Euro pro Hektar und Jahr für mittelhohe Anlagen und auf 42.000 bis 75.000 Euro pro Hektar und Jahr für hochmontierte Anlagen belaufen“, sagte Böhm. „Diese Zahlen sind um ein Vielfaches höher als der potenzielle landwirtschaftliche Ertrag derselben Fläche.“
„Unsere Ergebnisse lassen daher Zweifel an der Kosteneffizienz von Agrivoltaik als Landbewirtschaftungsstrategie aufkommen und werfen wichtige Fragen hinsichtlich der Rechtfertigung öffentlicher Subventionen auf“, fügte er hinzu. „Zwar können bestimmte Konzepte, wie beispielsweise Agrivoltaik für Apfelplantagen, bemerkenswerte Synergien schaffen, etwa durch den Ersatz von Hagelschutznetzen, doch sind sie auch mit deutlich höheren Systemkosten verbunden. Die niedrigsten zusätzlichen Kosten entstehen bei Agrivoltaik-Systemen, die nur minimale Anpassungen seitens der Landwirtschaft erfordern, wie beispielsweise die Nutzung von Grünland oder die Tierhaltung.“
„Anstatt die derzeit kostspieligen und nicht wettbewerbsfähigen Agrivoltaik-Systeme pauschal zu subventionieren, sollte die Politik vorrangig die Erprobung und Entwicklung neuer Konzepte fördern, die eine realistische Chance haben, in Zukunft kostengünstig zu werden“, sagt Böhm.
Die Ergebnisse der Untersuchung sind im wissenschaftlichen Journal Artikel „Preserving agricultural land with agrivoltaic – But at what cost? An economic analysis of different agrivoltaic systems in Germany“ (Erhaltung landwirtschaftlicher Flächen mit Agrar-Photovoltaik – aber zu welchem Preis? Eine wirtschaftliche Analyse verschiedener Agrar-Photovoltaik-Systeme in Deutschland) veröffentlicht, der im Fachjournal Land Use Policy veröffentlicht.
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Können Sie die Überschrift nicht etwas weniger tendenziös und näher am Ergebnis belassen? Zwischen 4 % – 148 %. Und die 4 % Mehrkosten berücksichtigen noch nicht evtl. Zusatzerlöse der PV durch geänderte Erzeugungsprofile (z.B. durch vertikale AV). Zudem wurden in der Studie auf den Hektar standardisierte Anlagen verglichen (2, 10, 40 ha) – ein auf MWp standardisierter Vergleich sähe schon positiver aus, weil dann u.a. die 120.000 € je km Leitung zum Netzanschluss und weitere Fixkosten verteilter wären.
Die aus meiner Sicht erwartbare Tendenz der Studie: vertikale AV und Tracking-Systeme mit Landnutzung zwischen den Trackern sind kostengünstiger als mittel- und hochaufgeständerte Systeme.
dazu kommt noch:
„sowie die Ausgaben für Landerwerb, Maßnahmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, Genehmigungen, Bau- und Umweltgutachten, Projektplanung und Bauüberwachung. Die Opex-Berechnungen umfassten Überwachung, Berichterstattung, Inspektionen, Wartung, Fernsteuerungsfunktionen, Sicherheit, Versicherung, kaufmännische Verwaltung, Rechtsberatung, Erhaltung der biologischen Vielfalt, Pflege von Grünflächen, Reinigung, Reparaturen von Wechselrichtern und sonstige Kosten.“
Der Landwirt, hat:
1. keinen Landerwerb
2. „Maßnahmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt“, Studien zeigen das die Artenvielfalt durch PV nicht gestört wird, warum auch
3. „Überwachung“ durch wen, das kann der Bauer selber machen
4. Berichterstattung, gehört wohl mit in den Punkt Überwachung
5. Inspektionen und Wartung sind dasselbe
6. Fernsteuerung führt der NB aus
7. Sicherheit?
8. Erhaltung der biologischen Vielfalt, Nochmal??
9. Pflege von Grünflächen, die muss der Bauer sowieso machen
alles in allem stellt sich die frage wer die Studie in Auftrag gegeben hat.
Wenn sich so eine Anlage nicht rechnet, dann baut der Bauer sie auch nicht.
Die höheren Vergütungssätze sind sehr überschaubar.
Eine Studie darüber, wieviele AgriPV Anlagen es überhaupt gibt und in welchem Segment (Ackerbau,Weidefläche etc.) sie hauptsächlich gebaut werden ist viel interessanter.
Da wird man sehen, dass Überbaung von Feldern die exorbitant teuer ist, so extrem selten ist, es sei denn es ist ein regierungsgeführtes Vorzeigeprojekt, dass wir hier von vernachlässigbaren Beträgen sprechen.
Und er hat recht, die Überschrift ist ziemlich kontraproduktiv und bildet die Studie in keinsterweise wieder.
Jap… ich sehe „heute“ primär bifaziale Ost-West PV-Zäune klar im Vorteil, die sind schnell aufgestellt, stören den landw. Ablauf nur geringfügig und sollten mit vermehrter morgen- bzw. abendlicher Deckung von Spitzenlast wirtschaftlich deutlich besser funktionieren, auch wenn man auf die Zukunft ohne Subventionen blickt, sie also am Markt teilnehmen wollen ohne bzw. mit wenig weiterer Speicherung.
Schade, dass hier die verschiedenen Methoden nicht näher aufgeschlüsselt ist. Es erscheint mir aber logisch, dass aufwändige Überdachungen nur dann Sinn ergeben, wenn sie Synergien mit Wetterschutz und einer vorteilhaften Beschattung zur Fruchtbildung schaffen können… und dann ist es natürlich auch eine Frage der Skalierung und der Innovationen, die vermutlich noch drastische Kostenreduzierungen möglich machen. Das kann also in 5 Jahren schon wieder ganz anders aussehen…
Also mal Hand aufs Herz:
Es ist doch schwer vorstellbar, das Flächen mit extra großen Metallüberdachungen lohnenswerter sind als Freiflächenlandwirtschaft. Klar, es hat auch Benefits und so, aber der Aufwand ist schon enorm.
„zwischen 4 und 148 Prozent“
Damit ist alles gesagt 🙂 So ein Quatsch.
Die überschrift torpediert massiv die berechtigten Entwicklungen in dem Segment Agri PV gerade in Deutschland mit anteilig geringen Landwirtschaftlichen Nutzflächen.Des weiteren steckt Agri PV weiterhin in den Kinderschuhen. Nicht zuletzt weil Das solarpaket 1in Brüssel mit zusätzlicher Vergütung 1,5 ct pro KW noch aussteht.Es iSt schon mehr als erstaunlch dass aus so einem institut solch eine „“Studie „“veröffentlicht wird !
Leider eine sehr verzerrende Überschrift und ein tendenziöses Foto, die das PV Magazin hier wählt.
Wer genau liest und die Materie kennt, stellt fest, dass man mit einigen vernünftigen Annahmen auf Basis a) ggü. 2023 aktualisierter Kosten und b) der von der Studie explizit nicht berücksichtigten höheren Marktwerte für die Produktionsprofile von Tracker und Vertikal-Anlagen die in der Studie dargestellten 4-13% LCOE Kostendifferenz mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich überkompensieren kann.
Dann wäre die richtige Überschrift: „Große Agri-PV Tracker und Vertikalanlagen sparen ggü. Freiflächen-PV 60- 80% Agrarfläche und sind energiewirtschaftlich profitabler. – ein Win-Win-Win für Landwirte, Energiewende und Gesellschaft.“ Das ist eine Umkehr der Message, mit der sich der Autor hier zitieren lässt. Sowas sollte das PV Magazin kritisch hinterfragen, nicht einfach übernehmen.
Das hochgeständerte Fix-Tilt Anlagen keinen energiewirtschaftlichen Sinn machen, wissen wir schon lange. Und ob Hagel- oder Sonnenschutz die höheren Kosten je ausgleichen können, hängt stark von der Frucht ab. Bei Bordeaux-Weintrauben vielleicht, da sind die Anlagen auch niedriger, beim Bodenseeapfel eher nicht. Und das Foto zeigt eine Forschungsanlage, die so niemand zur Stromproduktion bauen wird.
Bitte gerade rücken. Und bitte nochmal mit dem Thünen-Institut sprechen, warum die sowas machen? Schadet letztlich den Landwirten und der Wertschöpfung im ländlichen Raum.