Die Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR) wird oft als Regulierung für öffentliche Ladeinfrastruktur gelesen. Das greift zu kurz. In Wahrheit verändert sie auch die Erwartungen an private Wallboxen – und damit an eine Komponente, die für Photovoltaik-Systemanbieter immer wichtiger wird.
Die EU schreibt keine Endkundenfunktion für das Photovoltaik-Überschussladen oder das bidirektionale Laden vor. Sie macht aber die zugrunde liegende Kommunikationsfähigkeit zum neuen Standard: Ab dem 1. Januar 2027 wird die im Zuge der AFIR verbindlich werdende EN ISO 15118-20 für neue private Ladepunkte relevant. Sie standardisiert die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladepunkt und schafft damit eine belastbare Grundlage für intelligentes Laden.
Für Photovoltaik-Systemanbieter liegt darin eine Marktchance. Denn wer heute in ein Photovoltaik-System investiert, denkt in Anwendungsfällen: das Elektroauto mit Solarstrom laden, Eigenverbrauch optimieren, perspektivisch Flexibilität aus dem Fahrzeugakku nutzen.
Systemanbieter können aus dieser regulatorischen Mindestanforderung ein echtes Marktangebot machen: Kunden, die heute eine Wallbox kaufen, wollen kein Versprechen auf spätere Nachrüstung, sondern ein Produkt, das die Vorteile des eigenen Energiesystems unmittelbar erschließt. Im Zusammenspiel mit Photovoltaik, Speicher und Energiemanagement entsteht so ein schlüssiges System.
Differenzierungschance für Systemanbieter
Die neue Regulierung sollte nicht defensiv als Compliance-Aufgabe gelesen werden, sondern offensiv als Differenzierungschance: Wer schon jetzt eine ISO-15118-20-konforme Wallbox anbieten kann, die Photovoltaik-Überschussladen und die Grundlage für bidirektionales Laden von Anfang an mitbringt, besetzt genau die Position, die der Markt in den kommenden Jahren suchen wird: zukunftssicher, interoperabel und zugleich praktisch nutzbar.
Natürlich erhöht AFIR gleichzeitig den Druck auf Hersteller und Anbieter. Standardisierte Kommunikation, Interoperabilität und sichere Authentifizierung sind keine Nebensächlichkeiten mehr. Gerade kleinere Anbieter können sich schwertun, diese Komplexität allein abzubilden.
Deshalb spricht vieles für ein Modell, bei dem zertifizierte White-Label-Lösungen die technologische Basis für das eigene Wallbox-Produkt liefern und Photovoltaik-Systemanbieter darauf ihr eigenes integriertes Angebot aufbauen. Wer nicht jede Komponente selbst entwickeln muss, kann schneller über Mindeststandards hinausgehen und sich mit einem schlüssigen Systemangebot im Markt profilieren.
Die Rolle der Cybersecurity
Auch beim Thema Cybersecurity gibt AFIR die Richtung vor: Ladeinfrastruktur soll sicher und vertrauenswürdig sein. EN ISO 15118-20 konkretisiert, wie diese sichere Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladepunkt technisch umgesetzt wird: etwa über zertifikatsbasierte Authentifizierung, verschlüsselte Verbindungen und klar definierte Kommunikationsabläufe.
Für Betreiber von Photovoltaik-Anlagen ist das kein „nice-to-have“, denn die Wallbox ist kein isoliertes Gerät mehr. Sie ist Teil des Heimnetzwerks, kommuniziert dem Energiemanagement und oft auch mit digitalen Plattformen.
Deshalb lässt sich die Sicherheit der Wallbox nicht von der Sicherheit der Photovoltaik-Anlage trennen. Werden dort Kommunikationswege unnötig geöffnet oder Daten intransparent gespeichert, betrifft das das gesamte Energiesystem.
Darin liegt für Photovoltaik-Systemanbieter eine weitere Differenzierungschance: Eine hohe Cybersecurity, europäische Datenverarbeitung und eine Technologieplattform im europäischen Regulierungsrahmen schaffen Vertrauen. So können sich Marken in einem Markt abheben, in dem sich technische Grundfunktionen von Photovoltaik-Anlagenpaketen zunehmend angleichen.
Auch hier profitieren Photovoltaik-Systemanbieter, die auf White-Label-Lösungen setzen: Sie bilden alle Anforderungen auf einer erprobten und zertifizierten Basis ab, ohne Geräte und Software komplett neu entwickeln zu müssen.
Noch stärker wird dieser Ansatz, wenn ein komplettes White-Label-System aus Wallbox und Wechselrichter aufeinander abgestimmt ist. Dann geht es nicht mehr um einzelne Produkte, sondern um ein Paket, das alle Funktionen, Cybersecurity und eine europäische Technologiebasis kombiniert.
— Der Autor Jochen Paukert ist Executive Vice President der Kontron AG und Managing Director der Kontron E-Systems GmbH. Das Unternehmen bietet Herstellern und Systemanbietern ISO 15118-20-konforme White-Label- und customized Lösungen für Ladeinfrastruktur und Solarelektronik mit höchsten Cybersecurity-Standards. Die Muttergesellschaft Kontron AG ist ein führendes, börsennotiertes IoT-Technologieunternehmen mit weltweit über 7000 Mitarbeitern. https://esystems.de/ —
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„europäische Datenverarbeitung“ liest sich doch sehr als ob weiterhin die Daten des Verbrauchers als Freiwild betrachtet werden sollen, in denen Jeder ein Anrecht hat, außer dem Eigentümer selbst, so wie es bisher bevorzugt gehandhabt wird.