Westnetz hat einen ersten erfolgreichen Test mit dem Großspeicher aus dem Forschungsprojekt „SUREVIVE“ gefahren. Es handelt sich dabei um einen Batteriespeicher, der das Stromsystem selbst aktiv stabilisieren und somit Frequenz und Spannung auch bei Schwankungen konstant halten kann.
„Der erste Test ist erfolgreich verlaufen. Wir konnten zeigen, dass die Anlage im Mittelspannungsnetz auch im sogenannten netzbildenden Modus so reagiert, wie wir es berechnet und erwartet hatten“, sagte Ingo Liere-Netheler, Projektleiter bei Westnetz im Bereich Digitalisierung, Innovation und Technologie. Die Anlage habe damit im Verteilnetz zur Stabilität beigetragen. Eine Aufgabe die bislang vor allem konventionelle Kraftwerke übernehmen.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Anlage auch bei anspruchsvollen Systemereignissen wie erwartet reagierte, wie es von Westnetz weiter hieß. Besonders relevant sei gewesen, dass die Anlage tatsächlich eine Systemdienstleistung erbringen konnte, deren Wirkung der bekannten Wirkung der Momentanreserve aus konventionellen Kraftwerken entsprach und einen stabilen Verbundbetrieb sicherstellte.
Das Pilotprojekt „SUREVIVE“ in Föhren entstand unter der Regie von Schoenergie, wobei die netzbildende Funktion des Speichers mit 55 Megawattstunden Kapazität von zentraler Bedeutung ist. Dafür wird eine neue Steuerungstechnik mit netzbildenden Wechselrichtern von SMA genutzt. Eine angeschlossene Photovoltaik-Anlage übernimmt die Befüllung des Speichers.
Im Projekt soll nicht nur getestet werden, wie ein Speicher das Netz entlastet, sondern das Stromsystem selbst stabil hält. Er muss dabei kurzfristige Schwankungen im Netz ausgleichen, um die Netzfrequenz stabil zu halten. Mit dem Pilotprojekt will Westnetz Praxiserfahrung sammeln, um Batteriespeicher künftig verstärkt für die Aufgaben einzusetzen. Dem ersten Feldtest gingen dabei Simulations- und Laboruntersuchungen voraus.
„Der Feldtest ist ein wichtiger Schritt, weil er zeigt, dass sich zentrale systemstabilisierende Funktionen nicht nur in Simulation und Labor, sondern auch unter realen Bedingungen im Netz untersuchen und bewerten lassen“, sagte Roland Singer, Gruppenleiter Stromrichter basierte Netze am Fraunhofer ISE. „Im weiteren Projektverlauf werden wir nun die Spannungsbildung durch das Speichersystem während verschiedensten Testszenarien detailliert prüfen und auswerten, um die Übertragbarkeit auf künftige Anwendungen im Stromsystem besser einordnen zu können.“
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Na und? Die Hornsdale Power Reserve in Australien hat bereits vor neun Jahren vorgeführt, dass und wie das geht.
Auch China ist uns auf dem Gebiet netzbildender Technologie mindestens ein gutes Jahrzehnt voraus und das, obwohl wir entsprechende Entwicklungen vor ca. 30 Jahren in der Schublade verschwinden ließen.
Aber es ist gut zu sehen, dass wir endlich experimentell ausprobieren, ob erprobte Technik auch wirklich funktioniert.
Frag mich auch was das novum ist…
Koennte sowas nicht jeder Privat-BatterieWR wenn er konfiguriert ist?
Die eigentliche News in dem Artikel ist der Name „Westnetz“. Das ändert den Inhalt ungemein. Man sollte annehmen, das Westnetz die Hürden für einen Erfolg des Tests extrem hoch gelegt hat und er TROTZDEM bestanden wurde.
Dass man in DE erst alles zerredet und danach zerprüft ist ja keine neue Information. Und so verlieren wir den Anschluss an die Länder, die sich als Eletrostaaten der Zulunft sehen.
Interessant bei der Thematik Elektro- versus Petrostaaten finde ich, dass es auch Petrokonsumentenstaaten gibt. Spannende Reise.
Interessant dazu: https://www.spiegel.de/ausland/iran-krieg-wie-donald-trumps-politik-das-ende-des-oelzeitalters-einleitet-a-a68a4cc7-9e39-476a-8e04-3ae2d1d384cf
@Hans Peter, jo – wenn man mal die Algorithmen offenlegt und die Parametersätze auch.
Ich dachte das Muster wäre inzwischen bekannt?
Wir können uns in Deutschland nicht einfach irgendwas im Ausland abschauen, nein. Wir müssen alles immer selber erst nochmal Testen, Implementieren und Jahre bis Jahrzehnte mit Analysen, Zertifizierung, usw. verbringen. Dieser Netzfrequenztest ist nur eine von vielen Sachen die im Ausland seit Jahren erfolgreich angwandt werden, aber in Deutschland nur in der „Erprobung“ stecken, weil „wir können uns ja nicht darauf verlassen, dass andere das richtig gemacht haben“ und „unsere Anforderungen sind ja völlig andere (sind sie nicht)“ und „wir können das alles viel besser“.
Hans Peter fragte:
„Koennte sowas nicht jeder Privat-BatterieWR wenn er konfiguriert ist?“
Nein, leider nicht. Bei Wechselrichtern kann man in netzfolgend (grid-following) und netzformend (grid-forming) unterscheiden.
Grundsätzlich sind alle Heimgeräte, welche an das Netz angeschlossen sind, gridfolgend. Das heisst, solche Geräte können keinen Wechselstrom erzeugen, sondern nur einen bereits bestehendes Netz lokal modulieren (Stromflussumkehr). Es handelt sich streng genommen nicht um Generatoren, sondern um Modulatoren. Der Standbyverbrauch ist gering und beschränkt sich weitgehend auf Power-Faktor-Korrektur.
Manche dieser Geräte haben allerdings auch noch zusätzliche Hardware, welche netzbildend ist. Das sind dann EPS/UPS Inverter, welche ihr eigenes Netz aufspannen können. Diese können allerdings in der Regel nicht mit dem Netz synchronisieren und schon gar nicht einen externen Netzsinus in geeigneter Weise manipulieren. Diese Inverter haben einen extrem hohen Standbyverbrauch, oft sehr deutlich über 10W. Es handelt sich um Generatoren.
Netzbildende Inverter, wie hier im Artikel erwähnt, sind noch einmal eine komplett andere Kategorie. Es handelt sich um Generatoren, welche netzsynchronisiert sind. Ich habe noch keinen selbst gesehen und kann daher nur raten, welche Prinzipien und Schaltungen im Einsatz sind.
Grundsätzlich sind die Schaltungen, welche fuer netzfolgende Heimgeräte im Einsatz sind, nicht geeignet für Generatorbetrieb, oder zumindest nicht ohne erhebliche Modifikation.
Davon abgesehen sind im Mittelspannungsnetz Kaskadenschaltungen im Einsatz, da es keine Halbleiter gibt, welche bei solchen Spannungen nicht pulverisiert würden. Diese Prinzipien sind aus den Umrichtern von Gleichspannungsübertragungsleitungen, wie Unterseekabeln, lange bekannt. Auch in modernen Kohlekraftwerken sind solche Schaltungen längst im Einsatz.
Es existiert jede Menge Technologie, welche die bestehenden Netze sinnvoll transformieren kann, z.B. Halbleitertransformatoren, Leiterseilmonitoring, etc., welche trotz Verfügbarkeit einfach nicht zum Einsatz kommen. Man könnte glatt den Eindruck bekommen, dass die (deutschen) Netzbetreiber absichtlich die Energiewende an allen Ecken und Enden torpedieren.
Statt dessen wird uns immer erzählt, dass es derzeit kaum möglich ist, noch die antiquierte Hardware zu bekommen, was nicht ganz falsch ist. Aber eben auch nicht die ganze Wahrheit.
Mich würde nicht wundern, wenn wir noch ca. 800 solche Meldungen haben werden…