Energy-Charts: Photovoltaik überholt 2025 erstmals Braunkohle bei Nettostromerzeugung

öffentliche Nettostromerzeugung 2025, Deutschland, Auswertung der einzelnen Energieträger, Quelle: Energy-Charts vom Fraunhofer ISE

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Die Photovoltaik ist 2025 in Deutschland zur zweitgrößten Quelle bei der Nettostromerzeugung aufgestiegen. Dies zeigt die Auswertung für 2025 von Energy-Charts vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, die die Forscher pünktlich zum Jahresbeginn vorlegten. So sei die installierte Photovoltaik-Leistung bis zum Jahresende auf 116,8 Gigawatt gestiegen, was einem Zubau von 16,2 Gigawatt DC-Leistung für das zurückliegende Jahr entspricht. Die in Deutschland installierten Anlagen erzeugten nach Angaben von Energy-Charts etwa 87 Terawattstunden Solarstrom, wovon 71 Terawattstunden ins öffentliche Netz eingespeist wurden und 16,9 Terawattstunden in den solaren Eigenverbrauch flossen. Die Gesamtproduktion an Solarstrom habe sich damit um etwa 15 Terawattstunden oder 21 Prozent gegenüber 2024 erhöht. Neben dem Zubau spielten dabei auch eine deutlich höhere Anzahl an Sonnenstunden eine entscheidende Rolle.

Erstmals rangierte die Photovoltaik damit bei der Nettostromerzeugung vor den Braunkohlekraftwerken. Die Windkraft ist allerdings weiterhin die größte Erzeugungsquelle und liegt noch vor der Photovoltaik- Doch Wind und Solar bilden nun eine „Doppelspitze“, wie es von den Freiburger Forschern heißt. Dabei war es kein gutes Windjahr. Die Erzeugung der Windparks an Land lag trotz Zubaus mit 132 Terawattstunden um 3,2 Prozent niedriger als noch 2024. Die Windparks auf See erzeugten etwa 26,1 Terawattstunden Strom.

Bei den gesetzlich verankerten Ausbauzielen hinkt die Windkraft noch hinterher. Statt der avisierten 76,5 Gigawatt waren Ende 2025 erst 68,1 Gigawatt installiert. Die Photovoltaik liegt dagegen im Plan, der allerdings auch vorsieht, dass der Zubau im nächsten Jahr auf 22 Gigawatt steigen muss. Bis 2030 sollen 215 Gigawatt Photovoltaik-Leistung in Deutschland installiert sein, um die Klimaziele zu erreichen.

Insgesamt lag der Anteil der ins öffentliche Netz eingespeisten Erneuerbaren bei 55,9 Prozent, wie Energy-Charts ermittelte. Dies entspricht dem Vorjahresniveau. Bei den fossilen Kraftwerken verzeichneten die Forscher eine Verschiebung von Braunkohle- zu Gaskraftwerken. Trotz einer leicht steigenden Nutzung von Steinkohlekraftwerken sei die Kohle mit 95,4 Terawattstunden auf ein historisches Tief gesunken. Auch die CO2-Emissionen der Kohlekraftwerke gingen damit weiter zurück, allerdings sei der Ausstoß insgesamt etwa auf dem Niveau von 2024 verblieben.

574,75 Stunden mit negativen Börsenstrompreisen 2025

Mit der zunehmenden Erzeugung der Photovoltaik-Anlagen steigt auch die Zahl der negativen Preisstunden an der Strombörse. Die Rekordmarke von 459 Stunden aus dem Jahr 2024 war bereits im August erreicht. Bis zum Jahresende stieg die Zahl noch auf 574,75 Stunden, wie die Auswertung von Energy-Charts zeigt. Seit der Umstellung im Oktober werden die negativen Stunden auf Viertelstunden-Basis und nicht mehr stündlich angegeben. Auffällig ist jedoch auch, dass es viele lange Zeiträume mit negativen Stunden gab, zumeist 6 Stunden und länger.

Die Grafiken zeigt deutlich, dass es viele lange Zeiträume mit negativen Börsenpreisen gibt.

Grafik: Fraunhofer ISE/Energy-Charts

Allerdings, so der Verweis der Forscher, sei der durchschnittliche negative Strompreis leicht rückläufig. 2024 lag er bei -11,45 Euro pro Megawattstunde und im vergangenen Jahr noch bei -10,97 Euro pro Megawattstunde. Auch der durchschnittliche Börsenstrompreis hat sich im Jahresvergleich von 78,01 auf 86,55 Euro pro Megawattstunde knapp 11 Prozent erhöht.

11,5 Gigawattstunden an Batteriespeicher bereits mit Inbetriebnahmedatum versehen

Eine Reaktion auf die volatilen Strommarktpreise ist die dynamische Entwicklung am Speichermarkt. Dazu kommen weiter sinkende Preise für Batteriespeicher, die ein Investment zunehmend attraktiv machen. Die Zahlen aus dem Marktstammdatenregister spiegeln dies auch wider: So sind große Batteriespeicher mit einer Kapazität von 11,5 Gigawattstunde bereits mit einem geplanten Inbetriebnahmedatum verzeichnet. Insgesamt liegt die installierte Kapazität der in Deutschland installierten Batteriespeicher bei knapp 25 Gigawattstunden, wobei etwa 80 Prozent auf Photovoltaik-Heimspeicher entfallen. Stark gewachsen – mit 60 Prozent – ist aber der Großspeichermarkt, der allerdings auch von einem deutlich niedrigeren Niveau kommt. Die installierte Batteriekapazität in diesem Segment erhöhte sich von 2,3 auf 3,7 Gigawattstunden.

Nach einer Modellierung des Fraunhofer ISE wird der Speicherbedarf in Deutschland bis 2030 auf 100 bis 170 Gigawattstunde geschätzt. “Mit dem Hochlauf von Großbatteriespeichern verändert sich die Funktionsweise des deutschen Stromsystems grundlegend. Während Effekte auf die kurzfristige Flexibilitätsbereitstellung bereits sichtbar sind, lassen sich systemische Auswirkungen zum Beispiel auf Reservekraftwerke bislang nur abschätzen“, sagte Leonhard Gandhi. Projektleiter Energy-Charts am Fraunhofer ISE. „Diese Entwicklungen erfordern, Batteriespeicher explizit in der Ausbauplanung, in der Systemplanung sowie im Strommarktdesign zu berücksichtigen.«

Energy-Charts wertet nicht nur die Nettostromerzeugung in Deutschland aus, sondern hat auch EU-weite Trends im Blick. Dabei zeigt sich, nicht nur hierzulande ist die Photovoltaik deutlich auf dem Vormarsch. Erstmals habe die Solarstromerzeugung in der EU mit insgesamt 275 Terawattstunden die Erzeugung aus Braun- und Steinkohlekraftwerken mit 243 Terawattstunden übertroffen. Damit habe sich in den vergangenen zehn Jahren die Photovoltaik-Erzeugung in der EU verdreifacht, während die Kohlestromerzeugung um 60 Prozent zurückgegangen sei.

EU-weite Erzeugungsvergleich von Photovoltaik und Braunkohle, Quelle ist Energy-Charts vom Fraunhofer ISE
Auch EU-weit lag die Erzeugung der Photovoltaik-Anlagen erstmals vor jener aus Kohlekraftwerken.

Grafik: Fraunhofer ISE/Energy-Charts

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