Umfrage zeigt großes Unwissen der Verbraucher bei Ökostrom

Einer von Green Planet Energy in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage zufolge hat die Hälfte der befragten Ökostrom-Kunden noch nie etwas von Herkunftsnachweisen gehört. 78 Prozent erwarten, dass ihr Anbieter ausschließlich in Erneuerbare investiert.
57 Prozent der befragten Ökostrom-Kunden fordern von ihren Versorgern Transparenz über deren Investitionen in Erneuerbare | Foto: Pixabay / ColiN00B

Viele Ökostrom-Tarife halten nicht, was die Kunden von ihnen erwarten – die Verbraucher überschätzen deren Bedeutung für Energiewende und Klimaschutz. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des Ökostromanbieters Green Planet Energy durchgeführt hat.

So erwarten 81 Prozent der befragten Ökostrom-Bezieher, dass ihr Stromversorger unter keinen Umständen klimaschädliche Technologien fördert. Insgesamt 78 Prozent gehen davon aus, dass ihr Anbieter allein in den Erneuerbaren-Ausbau investiert. Das ist in der Praxis jedoch längst nicht der Fall. Auch Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken können Ökostrom anbieten. Dafür müssen sie lediglich Herkunftsnachweise erwerben, etwa von Betreibern europäischer Wasserkraftwerke. Sie sind nicht verpflichtet, selbst in Photovoltaik oder Windenergieanlagen zu investieren.

Diese Bestimmungen sind der Umfrage zufolge 64 Prozent der Bürger unbekannt. Unter den Ökostrom-Kunden hat rund die Hälfte noch nie davon gehört. Allerdings halten nur 21 Prozent der Bürger Informationen der Stromanbieter zur Herkunft von Ökostrom für glaubwürdig. 43 Prozent glauben die Informationen explizit nicht, 36 Prozent sind unentschieden.

Verbraucher wünschen mehr Transparenz

Insgesamt 76 Prozent der Ökostrom-Kunden sind der Meinung, ein Stromanbieter sollte die Quellen der Herkunftsnachweise offenlegen. 57 Prozent fordern Transparenz über die Investitionen in Erneuerbare; 53 Prozent wollen wissen, in welchen Kraftwerken der bezogene Strom produziert wird. Informationen zu den Strukturen des Versorgers erwarten 32 Prozent.

„Die bisherige Stromkennzeichnung wiegt Verbraucher oft in falscher Sicherheit. Wir brauchen daher im Sinne des Verbraucherschutzes eine bessere Kennzeichnung von echtem Ökostrom“, erklärt Sönke Tangermann, Vorstand bei Green Planet Energy.

Green Planet Energy stellt drei Forderungen: Zum einen sollten Stromanbieter zur vollen Transparenz verpflichtet werden – Firmenstruktur, Lieferantenkraftwerke und Quellen der Herkunftsnachweise müssten den Endverbrauchern transparent offengelegt werden. Zum zweiten sollten werbliche Aussagen zu Ökostrom-Produkten strenger reguliert werden, um Greenwashing zu unterbinden. Zum dritten fordert Green Planet Energy eine verständliche und einheitliche Kennzeichnung für Ökostrom, der diesen Namen verdient.

 

Kommentare

Michael Dietrich
May 18, 2024

Det Take in der Überschrift, die Verantwortung auf die Verbraucher und deren Unwissen zu schieben ist echt der Hammer. Die Industrie, die in den Ministerien seit Jahren die Gesetzestexte schreibt, hat hier mit Hilfe der Politik ein wares Netz von Verbrauchertäuschung aufgezogen. Das ist die Ursache des vermeintlichen „Unwissens“.

Frank Bleichinger
May 17, 2024

Um ein Kunde bei Green Planet Energy zu sein muss man schon sehr mit ökologischer Überzeugung unterwegs sein. zB. Entega bietet für ihren Ökostrom die kWh für 24 Cent an. Bei Green Planet Energy muss man aktuell 39 Cent dafür bezahlen.
Ich bin kurz vor dem Wechsel. Soviel ist mir der Strom von Green Planet Energy dann doch nicht wert.

Justus Well
May 16, 2024

Das einfachste wäre es, den Handel mit Zertifikaten ganz zu unterbinden. Es konterkariert nur die Bemühungen, die Kosten im System gerecht zu verteilen.

Ein Vermieter muss beispielsweise seinem Mieter einen Teil der CO2-Abgabe bezahlen, wenn die Wärmedämmung des Gebäudes unzureichend ist. Damit soll erreicht werden, dass die Vermieter ein Interesse entwickeln, sich um den Wärmeschutz ihres Objektes zu kümmern. Kauft aber ein Fernwärmeanbieter (wie beispielsweise die Stadtwerke Heidelberg) Ökozertifikate auf dem Markt, dann weist er keinen CO2-Preis aus, der Vermieter muss nichts zahlen, die Mieter dafür den Kauf der Zertifikate. Damit wird eine sinnvolle Regelung vollständig ausgehebelt, und keine einzige Tonne CO2 wurde vermieden.

Stadtwerke und Mieter haben wahrscheinlich noch ein gutes Gewissen, weil sie ja nominell nichts emittieren, obwohl das Wärmekraftwerk mit Gas betrieben wird. Der Verkäufer der Zertifikate hat ein gutes Gewissen, weil er ja eine CO2-freie Anlage betreibt. Dass er durch den Verkauf der Zertifikate die CO2-Emissionen der Käufer auf sein Konto bucht, merkt er nicht, und die Nachbarn auch nicht. Vor sich und allen anderen steht er gut da, wahrscheinlich hält er sich noch für besonders lobenswert, weil er den CO2-Emittenten zahlen lässt.

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joko
May 17, 2024

@JCW: danke für Ihr anschauliches Praxisbeispiel. Dieser vor allem von der FDP fortwährend gepriesene und hochgelobte Zertifikatehandel war mir schon immer etwas suspekt.