pv magazine highlight top business model für Clever-PV: Cloudbasiertes Energiemanagement zur Eigenverbrauchsoptimierung für Haushalte

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„Wir haben Clever-PV ursprünglich für uns selbst entwickelt, weil Photovoltaik-Überschussladen normalerweise nur mit teurer Hardware möglich war“, sagt Danny Klose, der aus seiner Idee mittlerweile ein Geschäft gemacht hat. Zusammen mit seinem Bruder Hannes und mit Benjamin Baumann gründete er im November 2022 in Landsberg am Lech Clever-PV. Mittlerweile ist ihre webbasierte Lösung auch als App verfügbar.

Mit ihrer Anwendung richtet sich das Start-up in erster Linie an Privathaushalte, die kein Energiemanagementsystem installiert haben, aber eine Dachanlage oder ein Stecker-Solar-Gerät betreiben. Daher ist die Einrichtung der App intuitiv gehalten, wie Klose erklärt. Nach der Registrierung bei Clever-PV muss man den Stromzähler der Photovoltaikanlage über das Log-in bei seinem Anbieter aussuchen und aktivieren. Danach lassen sich auf die gleiche Weise Wallboxen über die bereits vorhandenen Internetportale der Hersteller mit Clever-PV verbinden. Auch Wärmepumpen können per SG-Ready-Anschluss, der über Shelly-Schalter angesteuert wird, in die App integriert werden. Alles erfolgt über so genannte API-Schnittstellen.

Highlights und spotlights

Preis für gute Ideen:

In der September-Runde zeichnet pv magazine eine Einreichung als highlight top innovation und eine als highlight top business model aus.

Das sagt die Jury:

Clever-PV: Cloud-basiertes Energiemanagement für Endkunden im Abo-Modell

Es wird mehr und mehr Standard, dass Photovoltaikanlagen mit einer Wärmepumpe und einem Batteriespeicher kombiniert werden und Elektroautos laden sollen. Zum großen Leid vieler Anwender gibt es jedoch oft keine funktionierenden Standards zur Kommunikation der benötigten Komponenten, wenn sie nicht vom gleichen Hersteller stammen. Mit einem cloud-basierten Energiemanagement, das keine zusätzliche Hardware vor Ort benötigt, löst Clever-PV die Herausforderung. Es nutzt die Backend-Daten der Komponenten über sogenannte API-Schnittstellen und ermöglicht Verbrauchern über ein erfolgversprechendes Abo-Modell ein Energiemanagement. Die Jury zeichnet das Angebot mit dem Prädikat top business model aus.

Die Juroren: Volker Quaschning ist Professor für regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin. Hans Urban ist langjähriger Experte und Consultant für Photovoltaik, Speicher und E-Mobilität. Winfried Wahl ist Senior Director Product Management bei Hithium und seit 15 Jahren im Bereich erneuerbare Energien tätig.

Mehr Infos, bisherige Preisträger (seit 2014) und alles zur Bewerbung unter: www.pv-magazine.de/highlights

Einsendeschluss für die nächste Runde: 8. Oktober 2023

„Nicht alle Geräte verfügen über die notwendigen APIs“, wie Klose erklärt, „allerdings die meisten“. Er schätzt, etwa 80 Prozent der modernen Geräte. Daher ist die Liste der Komponenten, die über Clever-PV angesteuert werden können, auch bereits recht lang und viele bekannte Namen sind vertreten, darunter E3/DC, Fronius, Growatt, LG, Q-Cells oder Sonnen. Auch bei den Wallboxen werden es immer mehr, aktuell sind 13 Ladesäulen verfügbar, die über API oder den Industriestandard OCPP mit der Clever-PV-Anwendung verbunden sind. API steht für Anwendungsprogrammierschnittstelle, die als eine Art Dienstleistungsvertrag zwischen zwei Anwendungen betrachtet werden kann. Darin wird festgelegt, wie die beiden Anwendungen mittels Anfragen und Antworten miteinander kommunizieren.

Matthias Mayer, Inhaber des Installationsbetriebs ESH Mayer, ist glühender Fan von Clever-PV. „Bei jeder neuen Photovoltaikanlage verkaufe ich es meinen Kunden mit“, sagt er. Er verbaue größtenteils Huawei-Systeme, die aber keinen integrierten Schaltkontakt hätten. Daher nutze er für die Steue­rung der Geräte Clever-PV. „Es gibt viele Controller, aber die sind teuer und auch immer ein Stück Hardware, was kaputt gehen kann“, sagt Mayer. Die Lösung von Clever-PV ist komplett cloudbasiert. Man müsse halt ins Internet, aber dies sei ja heutzutage kein Problem, sagt Mayer. Er übernimmt bei den meisten älteren Kunden die Einrichtung. Jüngere machten dies durchaus gern selbst.

Abo für drei bis acht Euro im Monat

Bevor es Clever-PV und die App gab, musste Mayer die entsprechende Hardware für seine Kunden besorgen und über IP-Adressen in das System integrieren. IP-Adressen der Geräte, die sich immer wieder ändern können, werden bei Clever-PV nicht gebraucht. Natürlich könne auch bei einer Software­lösung mal ein Problem auftreten, dies lasse sich aber einfach vom Büro aus lösen. Ein Termin vor Ort, wie im Falle eines Hardware-Ausfalls, sei nicht notwendig, so Mayer weiter.

Über die App, die es im Abo gibt, können nicht nur Wallboxen und Wärmepumpen oder Infrarotheizungen integriert werden, auch steuerbare Steckdosen lassen sich einbinden. Dabei kann jeder Kunde erst mal 14 Tage lang kostenlos testen, ehe er sich für ein Abo entscheiden muss. Die monatlichen Gebühren liegen dabei zwischen drei und acht Euro.

Je nach gewählter Abo-Variante lässt sich mit Clever-PV einiges einstellen. So kann man einen Mindestladestand des Heimspeichers festlegen. Ist dieser erreicht, dann wird der überschüssige Sonnenstrom für die automatische Steuerung der Verbraucher verwendet, wie Klose erklärt. Dabei lassen sich die angeschlossenen Verbraucher im Haushalt ebenso priorisieren wie der Anteil an Netzbezug oder eine Mindesteinspeisung festlegen. Speziell für das Laden der Elektroautos lasse sich auch noch ein Sonnenanteil festlegen, also wie viel Prozent der Ladung mit Solarstrom vom eigenen Dach erfolgen soll.

Sollte der selbst erzeugte Solarstrom nicht reichen, kann auch Zielladen ausgewählt werden, so Klose weiter. Damit wird dann das Auto mit einer bestimmten Menge an Kilowattstunden bis zu einer gewissen Uhrzeit garantiert geladen, notfalls mit Strom aus dem Netz. Zusätzlich gebe es auch eine Boost-Funktion, dann werde das Auto mit maximaler Leistung vollgeladen, sagt Klose.

Das junge bayerische Unternehmen denkt jedoch schon weiter. Es beschäftigt mittlerweile neun Mitarbeiter. Bislang ist Clever-PV nur aus eigenen Mitteln gewachsen. Zur Einführung seines Preismodells habe es den Endkunden ein lebenslanges Nutzungsrecht der Anwendung gegen eine Einmalzahlung von 300 Euro angeboten. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen bereits mehr als 6.000 registrierte Nutzer, wie Klose erzählt.

Mittlerweile sind es schon mehr als 10.000 registrierte Nutzer. Dabei konnte das Team auch bereits einige namhafte Anbieter von seinem Ansatz überzeugen. So sind der Energieversorger Envia M und das Installationsnetzwerk Enerix bereits Partner und bieten ihren Kunden zusammen mit der Photovoltaikanlage die Lösung von Clever-PV an.

Fortlaufende Integration

Fortlaufend werden auch neue Geräte über Schnittstellen zu deren Backend in die App integriert, die angesteuert werden können. Den direkten Kontakt zum Start-up schätzt auch Matthias Mayer. Wenn er eine neue Wallbox hat, die eingebunden werden soll, gibt er das an Clever-PV weiter. Diese besorgen sich dann ein Testgerät und tüfteln so lange, bis es funktioniert. Meist nach etwa vier Wochen ließen sich dann auch diese Geräte in das System integrieren, sagt Mayer.

Die Juroren der pv magazine highlights überzeugt der Ansatz und sie zeichnen Clever-PV als top business model aus (Seite 5). Da Standards, mit denen die Geräte im Haus miteinander kommunizieren können, oft nicht existieren oder nur recht schlecht funktionierten, sei Clever-PV eine Lösung, die ein kontinierliches Problem für Installateure und Verbraucher umgehe.

Bald soll das System nicht mehr an der Wallbox am Haus enden. „Mit ein paar Kniffen lassen sich auch Auto­hersteller direkt abfragen“, sagt Klose. Anbieter wie Tibber, Enode oder Smartcar nutzten diese Autodaten bereits. Auch Clever-PV arbeitet an der Integration der Elektroautos in seiner App. Vermutlich in wenigen Wochen werde ein Beta-Test zur Integration von Tesla-Fahrzeugen starten.

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