HTW „Stromspeicher-Inspektor“: Zwei unabhängig eingekaufte Heimspeicher zeigen eher schlechte Ergebnisse

Eigentlich veröffentlichen die Berliner Wissenschaftler jeden Frühling ihre Testergebnisse in ihrer „Stromspeicher-Inspektion“. Mittlerweile gibt es auch eine Webanwendung, in der auch fortlaufend Testergebnisse von unabhängig eingekauften Batteriespeichern zu finden sind. Die ersten Ergebnisse im von der HTW entwickelten „Stromspeicher-Inspektor“ von zwei Produkten fielen eher mäßig aus.
Stromspeicher-Inspektor, HTW Berlin, KIT
Die unabhängig eingekauften Speichersysteme erreichen unter anderem aufgrund ihrer geringen Teillastwirkungsgrade und hohen Stand-by-Verbräuche lediglich die Effizienzklassen D und G. | Screenshot: https://solar.htw-berlin.de/rechner/stromspeicher-inspektor/

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin veröffentlicht alljährlich die Ergebnisse ihrer sogenannten „Stromspeicher-Inspektion“. Nachdem zunächst die Größen ausgeweitet wurden und mittlerweile sowohl Batteriespeicher mit fünf als auch 10 Kilowatt getestet werden, gibt es nun auch eine Webanwendung inklusive neu entwickeltem „Stromspeicher-Inspektor“. Dort seien ab sofort auch Testergebnisse von unabhängig eingekauften Speichersystemen zu finden, wie die HTW Berlin mitteilte. Die Berliner Forscher arbeiten dazu mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) im Forschungsprojekt „Perform“ zusammen, was vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird.

Für dieses haben sie zwei häufig installierte Photovoltaik-Heimspeicher erworben und näher unter die Lupe genommen, wie es am Dienstag hieß. Die beiden DC-gekoppelten Speichersysteme, die aus einem Hybridwechselrichter und einem Lithium-Ionen-Batteriespeicher bestehen, seien von Forschern des KIT nach dem sogenannten Effizienzleitfaden vermessen worden. Die Ergebnisse fielen dann doch eher mäßig aus. Die beiden Batteriespeichersysteme landeten auf den Plätzen 16 und 20 im Effizienzranking, wobei es in diesem Jahr insgesamt 20 von der HTW Berlin bewerteten Produkte gibt.

Die geringe Energieeffizienz der getesteten Speicher habe viele Gründe. „Der Umwandlungswirkungsgrad eines Photovoltaik-Speichersystems sollte auch bei geringem Stromverbrauch in der Nacht von wenigen hundert Watt über 92 Prozent liegen“, erklärte Nico Orth, wissenschaftlicher Mitarbeiter der HTW Berlin. Die Tests hätten weiterhin ergeben, wird einer der beiden Batteriespeicher mit beispielsweise 525 Watt entladen, könnten die elektrischen Verbraucher im Haushalt aufgrund der hohen Umwandlungsverluste im Hybridwechselrichter davon lediglich 443 Watt nutzen. Der Wirkungsgrad des Wechselrichters liege somit lediglich bei 84 Prozent und damit 10 Prozentpunkte unter dem effizientesten am Markt erhältlichen Hybridwechselrichter.

Zu den Testergebnissen des anderen Batteriespeichers erklärt der an den Tests beteiligte KIT-Forscher Robert Schreier: „Das zweite System ist mit einem Stand-by-Verbrauch von 64 Watt weit abgeschlagen. Auch die Einschwingzeit ist mit fast 11 Sekunden überdurchschnittlich hoch.“ Im Vergleich dazu weisen die besten Produkte in der diesjährigen Stromspeicher-Inspektion eine Einschwingzeit von unter 200 Millisekunden und 2 Watt im Stand-by-Verbrauch auf.

Die Herstellernamen werden nur mit Einverständnis der Unternehmen veröffentlicht. In den beiden Fällen der selbst gekauften Photovoltaik-Heimspeicher, die letztendlich in die Effizienzklassen D und G eingeordnet wurden, blieben die Namen anonym. Neben den fortlaufenden Veröffentlichungen in der kostenlosen Webanwendung rufen die HTW-Forscher die Hersteller auch wieder zur Teilnahme an der nächsten Runde auf. Wer seine Systeme im Zuge der Stromspeicherinspektion 2024 prüfen lassen will, kann sich noch bis Mitte November beteiligen und soll sich bis Mitte November 2023 bei den Berliner Forschern melden.

Mit ihren Tests wollen die Forscher für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit der auf dem Markt erhältlichen Photovoltaik-Speicher sorgen.

Kommentare

Thorsten
Feb 02, 2024

Das schlechtere von beiden ist Luna2000 in der 10kWh Version.
Ist wegen 10,0kWh und 5kW eindeutig.
Lob an Huawei. Ein bemerkenswert schlechtes System habt ihr da zusammen gebastelt

Peter Bechert
Sep 16, 2023

Soo neg. finde ich das Vorgehen nun auch wieder nicht:
1) man kann ja seine Kaufentscheidung an den als gut bewerteten Produkten ausrichten
2) die Hersteller der neg. bewerteten Produkte sollten eine Chance zur sofortigen Korrektur erhalten. Bei einer nach einiger Zeit erfolgten Nachbewertung sollten sich dann auf jeden Fall pos. Ergebnisse zeigen, andernfalls besteht m.E. eine Pflicht zur Namensnennung

ADW
Sep 15, 2023

Was soll dann der Test, wenn die Erkenntnisse daraus zu keiner Änderung im Markt führen können. Niemand möchte so einen Energie verschwendenden Speicher kaufen. Dieser Test ist wieder so ein Beispiel für gut gedacht und schlecht gemacht. Alle die Arbeit und dann diese Presseberichte für nichts! Warum steht hier der Verbraucher bzw. dessen Aufklärung an letzter Stelle?
@Werte HTW, macht diese Test mit allen Daten öffentlich oder lasst diesen komplett sein. Vielleicht gibt es andere Themenfelder wo Ihr Eure Zeit investieren solltet. Ich meine damit etwas, wovon die Mehrheit auch etwas hat. Wenn schon keinen Vorteil, dann doch wenigstens mehr Wissen.

Moritz
Sep 13, 2023

Bei mir ist zu Hause ein SMA Tripower 8.0 SE mit BYD HVS 5.1 verbaut. Bei Niedriger Entladerate ( ca. 150W Nachts) komme ich auf ca 50% Verlust. Geladene kWh zu entladen kWh. Eine ziemliche Enttäuschung…

Antworten anzeigen
Antworten ausblenden
HD
Sep 14, 2023

Was erwarten Sie bei ~ 1,5% Auslastung? Die Physik lässt sich an dieser Schraube nicht wirklich austricksen.

Sie könnten einfach nachts mehr Strom verbrauchen 😀 Fernseher laufen lassen und stumm schalten oder so. Dann ist die Auslastung gleich viel besser.

Das sind Sorgen ^^

Name wollte nicht genannt werden
Sep 13, 2023

Ein absoluter Witz, dass Herstellernamen nicht veröffentlicht werden. Wenn seriös getestet wird, gibts nichts zu befürchten für die Hochschule.

Transparenz vorzugaukeln und dann Intransparenz zu liefern ist einer wissenschaftlichen Arbeit und Herangehensweise unwürdig.

Das geht besser HTW!

BS
Sep 13, 2023

Da kann ich nur ins selbe Horn blasen: Was nützt ein (ev. per Steuermittel) bezahlter Test, wenn der Hersteller nicht genannt wird. So ist es nur verarsche 🙁

keep calm
Sep 13, 2023

Ich sehe das nicht so kritisch, wenn dem Käufer die genauen Daten z.B des standby-Verbrauch genannt werden. Ich nutze Victron mit 48V, das ist ganz sicher kein Effizienz-Wunder, aber die Software Features und damit Möglichkeiten, die das System abrundet, sind herausragend.
Und, keine Ahnung wieviel kWh dieses Jahr vom System schon abgeregelt wurden, weil der Speicher Mittags schon wieder voll und kein Großverbraucher erreichbar war.

Antworten anzeigen
Antworten ausblenden
GA
Sep 13, 2023

Ja, bei Nulleinspeisung ist die Effizienz nur für die Zeiten mit mäßigem PV Ertrag wichtig.

Bei Überschuss Einspeisung kostet schlechte Effizienz aber Geld, da kWh die systemintern verpuffen entsprechend nicht eingespeist und vergütet werden …

Und wenn die Schlechtperformer sich verstecken und nicht genannt werden wollen, kann man sich ja an die halten die gut abgeschnitten haben und natürlich bekannt gemacht werden wollen …

Immerhin weiß man ja, warum ein Hersteller nicht offiziell am Test teilnehmen will …

Lothar Wedel
Sep 12, 2023

Wer schlechte Qualität anbietet und wissentlich verkauft, muss genannt werden, das ist Betrug.

Günter Hartwich
Sep 12, 2023

Zitat: „Mit ihren Tests wollen die Forscher für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit der auf dem Markt erhältlichen Photovoltaik-Speicher sorgen.“
Wie soll man vergleichen wenn die Schlechtperformer nicht genannt werden?

Antworten anzeigen
Antworten ausblenden
HD
Sep 12, 2023

Herr Hartwig: Ich bin bei Ihnen. Drehen Sie die Argumentation einmal um 180°.