EnWG soll Netzanschlussprozedere für Photovoltaik-Anlagen digitalisieren

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Aktuell ist immer wieder zu hören, dass viele Photovoltaik-Anlagen fertiggestellt sind, die aber nicht ans Netz angeschlossen werden können. Bei Photovoltaik-Anlagen ab 135 Kilowatt liegt das oftmals am fehlenden Anlagenzertifikat, wo die gestiegenen Anforderungen an die Betreiber und gleichzeitig limitierten Kapazitäten bei Zertifizierern zu einem Rückstau geführt haben (siehe Artikel im pv magazine Deutschland, März 2022). Doch auch bei Photovoltaik-Dachanlagen läuft nicht alles reibungslos. Die Bürokratie und unterschiedlichen Anforderungen der Verteilnetzbetreiber strapazieren hier die Nerven von Betreibern und Installateuren. Die Zusage für einen Netzanschluss dauern von wenigen Minuten bis zu acht Wochen, wie Patrick Bagusch von Installion kürzlich in einem Interview mit pv magazine erklärte.

Mit der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) könnte sich letzteres künftig ändern. Sie wurde am Freitag in zweiter und dritter Lesung im Bundestag diskutiert und verabschiedet.* Nach dem neuen Artikel 14e sollen die Verteilnetzbetreiber verpflichtet werden, eine gemeinsame Internetplattform einzurichten und zu betreiben. Darüber soll dann das Netzanschlussbegehren für Photovoltaik-Anlagen abgewickelt werden. Holger Schneidewindt von der Verbraucherzentrale NRW spricht von einem „Booster für Energiewende durch Prosumer“.

Am Donnerstagsabend hatte der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) noch auf einige andere Änderungen hingewiesen, auf die sich SPD, Grüne und FDP für die EnWG-Novelle geeinigt hatten. Die geplanten Vereinfachungen für Netzausbau und Netzanschluss begrüßte der Verband. Der bne kritisierte jedoch die neuen und aus seiner Sicht „völlig unnötigen Regeln für den Smart-Meter Rollout“. Er fürchtet weitere Verzögerung bei der Digitalisierung der Energiewende.

„Nach dem Desaster bei der Digitalisierung brauchen wir jetzt vor allem weniger Vorgaben und mehr Kundenorientierung beim Smart-Meter-Rollout. Die Ampel geht leider genau den umgekehrten Weg“, erklärte bne-Geschäftsführer Robert Busch. „Bei der Zertifizierung intelligenter Messsystemen sollen zwingend auch netzrelevante Steuervorgänge vorgenommen werden. Dieser Schritt ist mehr als verwunderlich, ist doch in der Branche und in der Politik eigentlich unbestritten, dass die Digitalisierung des Energiemarktes gescheitert ist. Hier werden neue Schilder auf der falschen Straße aufgestellt“, so Busch weiter.

Dagegen positiv sei, dass in der EnWG-Novelle endlich die netzdienliche Flexibilität angegangen wird. Die Vorschläge müssten allerdings dringend praxistauglicher werden. So sei der bne bei den neu eingeführten Ausschreibungen für abschaltbare Lasten ab Juli 2023 skeptisch. „Die Bedingungen sind dermaßen restriktiv, dass die Ausschreibungen voraussichtlich keinen liquiden Markt finden werden“, erklärte Busch.

*Anmerkung der Redaktion: Die Novelle ist am Freitagnachmittag vom Bundestag verabschiedet worden. Daher wurde dieser Satz entsprechend nachträglich umformuliert.

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