EWG kritisiert World Energy Outlook 2020 der IEA als verantwortungslos

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Ein paar positive Details hat die Energy Watch Group in dem am Dienstag vorgestellten World Energy Outlook 2020 der Internationalen Energie-Agentur (IEA) entdeckt: Zum einen nähern sich einer EWG-Kurzanalyse zufolge die Zahlen der IEA zu den Kosten und Ausbauraten der erneuerbaren Energien der Realität, zum anderen sind die Annahmen zum Erneuerbaren-Zubau optimistischer als früher und die angegebenen Photovoltaik-Kosten sind erstmals korrekt. Abgesehen von diesen Aspekten lässt die EWG an dem Report jedoch kein gutes Haar. Weiterhin sei der aktuelle World Energy Outlook unvereinbar mit dem 1,5-Grad-Ziel. Der Schwerpunkt liege auf Maßnahmen zur wirtschaftlichen Erholung als Reaktion auf die Corona-Krise, doch bleibe der Bericht wie gewohnt weit hinter dem zurück, was klima- und energiepolitisch notwendig wäre.

Als „geradezu grotesk“ bezeichnet die EWG die Einschätzung zum Klimaschutz im Sustainable-Development-Szenario (SDS) des WEO. Demnach hält es die IEA mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit für möglich, eine globale Erwärmung von 1,65 Grad über dem vorindustriellen Niveau nicht zu überschreiten, wenn erst bis 2070 Netto-Null-Emissionen verwirklicht werden. Angesichts der gerade gemessenen globalen Temperaturerhöhung von 1,3 Grad und den in den beiden kommenden Jahrzehnten erwarteten Temperatursprüngen von mindestens je 0,2 Grad sei das völlig absurd.

Der angenommene Zubau von Photovoltaik und Windkraft fällt in dem Report zwar optimistischer aus als in den Vorjahren, ist laut EWG aber noch nicht optimistisch genug. Zudem würden nicht die entsprechenden Konsequenzen daraus gezogen, dass die Photovoltaik heute die kostengünstigste Form der Stromerzeugung sei. Denn dieser Aspekt werde das Energiesystem wesentlich schneller umstrukturieren als vom World Energy Outlook 2020 prognostiziert. Der Einfluss der Elektromobilität auf den Erdölverbrauch werde in dem Report ebenfalls nicht antizipiert.

„Auch mit dem diesjährigen WEO bleibt die IEA ihrer Verantwortungslosigkeit treu und ermuntert zur weiteren langfristigen Nutzung von fossilen und atomaren Energieträgern, scheinbar ohne die Notwendigkeit und die Chancen einer schnellen und umfassenden Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien mit einzubeziehen“, so das Fazit der EWG. Dabei habe der Bericht das Potenzial, zukünftige private und öffentliche Investitionen in Billionenhöhe zu beeinflussen, da er häufig als zielgenaue Prognose des zukünftigen Energiesystems gesehen werde. „Darüber hinaus werden die Szenarien des WEO auch Orientierungspunkte für jedwede Klimaziele sein, die im Vorfeld der Weltklimakonferenz beschlossen werden“, so die EWG weiter. „Damit macht sich die IEA als weltweit einflussreichste Instanz für Energiefragen mit schuldig, wenn es um die Beantwortung der Frage geht, warum die Weltgemeinschaft keinen Weg zum Klimaschutz findet.“

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