Stahlspeicher geht in Berlin in Betrieb

Präsentation Stahlspeicher Lumenion. vlnr: Karsten Mitzinger, GF Gewobag ED GmbH, Alexander Voigt, Gründer & GF Lumenion und Jan Grundmann, Manager Innovationen Vattenfall Energy Solution

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Das Speicherkonzept des Berliner Start-ups Lumenion hat etwas von einem guten, alten Nachtspeicherofen: Eine elektrische Heizung erhitzt den Stahlkern des Speichers auf über 650 Grad Celsius. Die Wärme kann zum Heizen genutzt oder auch rückverstromt werden. Nun hat Lumenion in einem Wohnquartier der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag im Berliner Bezirk Reinickendorf eine Pilotanlage mit einem Speichervolumen von 2,4 Megawattstunden installiert. Sie soll in die von Vattenfall Energy Solutions betriebene Quartierstrom- und Nahwärmeversorgung der Wohnsiedlung Tegel-Süd integriert werden.

Stahl ist nach Meinung Lumenions besonders geeignet für Hochtemperaturspeicher, weil er sich aufgrund seiner Wärmeleiteigenschaften gut und sehr günstig erhitzen lässt – und gleichzeitig sehr große Mengen Energie auf kleinem Raum speichern kann. Mit einer Turbine könnte die Wärme prinzipiell auch rückverstromt werden. Im bestehenden regulatorischen Rahmen ist das jedoch derzeit nicht wirtschaftlich. Sollte sich die Situation ändern, kann ein Stromgenerator nachgerüstet werden.

Im Berliner Pilotprojekt soll der Speicher temporär nicht benötigte Stromspitzen aufnehmen und die Energie später bei Bedarf als Wärme zum Heizen oder für die Warmwasserbereitung zur Verfügung stellen. Ziel ist es, den Stahlspeicher im kommerziellen Einsatz zu erproben und in den regelmäßigen Betrieb zu überführen. „Das ist ein wichtiger Meilenstein für unsere Technologie, aber auch für eine ebenso zügige wie kosteneffiziente Dekarbonisierung unseres Energiesystems“, erklärt Lumenion-Gründer und -Geschäftsführer Alexander Voigt.

Die Preise für den Stahlspeicher liegen zwischen 50 und 70 Euro pro installierter Kilowattstunde Kapazität, teilte Lumenion-Sprecher Philip Hiersemenzel auf Nachfrage von pv magazine im Herbst 2018 mit. Wenn die Skalierung in den Gigawattmaßstab gelinge, könnten sie auf wohl noch halbiert werden.

Lumenion hat mit einem 450 Kilowattstunden messenden Prototyp auf dem Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin-Oberschöneweide die Regelung und die Betriebsführung des Stahlspeichers bereits erfolgreich getestet. In weiteren Projekten sollen demnächst Speicher mit 40 Megawattstunden, 500 Megawattstunden und sogar im Gigawattstundenbereich errichtet werden. Der Speicher ist Teil des Projekts „Windnode – Das Schaufenster für intelligente Energie aus dem Nordosten Deutschlands“, in dessen Rahmen Lösungen für die intelligente Energieversorgung der Zukunft mit wachsenden Anteilen erneuerbarer Energien entwickelt werden.

Nachtrag der Redaktion vom 11. Dezember 2019, 10 Uhr: Lumenion weist darauf hin, dass die offizielle Inbetriebnahme des Stahlspeichers erst in einigen Wochen stattfinden wird. Zuvor werden noch Tests mit der Anlage durchgeführt.