IEA-WEO 2019: „Es gibt nicht die eine oder einfache Lösung für die Transformation globaler Energiesysteme“

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Jedes Jahr im Herbst aufs  Neue veröffentlicht die Internationale Energieagentur IEA ihren World Energy Outlook (WEO). Darin werden verschiedene Szenarien betrachtet und fortgeschrieben, die die künftige Entwicklung des Energiesystems vorhersagen sollen. Immer wieder erntet die IEA dabei Kritik für ihre Annahmen. Gerade wenn es um Photovoltaik ging, unterschätzte und unterschätzt die IEA deren künftige Entwicklung oft weitreichend. Dies ist insofern problematisch, da Regierungen vieler Länder ihre Energiepolitik auf den Maßgaben der IEA aufbauen.

IEA-Chef Fatih Birol kommt diesmal zu dem Schluss: „Was im diesjährigen World Energy Outlook mit kristallklarer Klarheit zum Ausdruck kommt, ist, dass es nicht die eine oder einfache Lösung für die Transformation globaler Energiesysteme gibt.“ Viele Technologien und Kraftstoffe spielten in allen Wirtschaftssektoren eine Rolle. „Deshalb brauchen wir eine starke Führung durch die politischen Entscheidungsträger, da die Regierungen die klarste Verantwortung für das Handeln tragen und den größten Spielraum für die Gestaltung der Zukunft haben“, so Birol weiter.

Wenn die Weltpolitik so weiter mache wie bisher, prognostiziert die IEA in ihrem „Current Policies Scenario“, dass die Energienachfrage bis 2040 um jährlich 1,3 Prozent steigen werde, was in allen Bereichen zu Spannungen führen und die energiebedingten Emissionen stark erhöhen werde.

In dem „Stated Policies Scenario” – früher als “New Policies Scenario” bekannt – ist das Ergebnis kaum besser. Auch hier sei man mit den bestehenden Maßnahmen – basierend auf Absichten und Zielen – noch weit von einer sicheren und nachhaltigen Energiezukunft entfernt. Hunderte Millionen Menschen hätten 2040 immer noch keinen Zugang zu Strom und die CO2-Emissionen hätten weiterhin schwerwiegende Folgen für das Klima.

Die IEA geht davon aus, dass sich der Energiebedarf hierbei jährlich um ein Prozent bis 2040 erhöhen werde. Die CO2-armen Quellen würden mehr als die Hälfte des Bedarfs decken, wobei auf die Photovoltaik die Hälfte entfalle. Auch Erdgas zählt die IEA in diese Kategorie, die etwa ein Drittel des Bedarfs decken werde. In diesem Szenario wird die Öl-Nachfrage in den 2030er Jahren abflachen und auch der Kohleverbrauch sinken. Speziell im Stromsektor könnte dabei eine schnelle Transformation erreicht werden, wobei Länder mit „Netto-Null“-Emissionszielen vorangehen würden, heißt es von der IEA. Insgesamt reiche die Zubaudynamik bei erneuerbaren Energien jedoch nicht aus, um den steigenden Bedarf durch die expandierende Weltwirtschaft und wachsende Weltbevölkerung auszugleichen. Der Emissionsanstieg wird sich dabei der IEA zufolge verlangsamen und 2040 seinen Höhepunkt erreichen.

Im „Sustainable Development Scenario“ betrachtet die IEA dagegen, was anderes getan werden müsste, um Klima- und Energieziele weltweit zu erreichen. Hierbei bedarf es einer schnelleren und weitreichenderen Veränderung aller Teile des Energiesystems. Brennstoffe und Technologien seien vorhanden, um eine effiziente und kostengünstige Energieversorgung für alle Menschen zu liefern und bei noch drastisch Emissionen zu senken. Dabei werde auch in diesem Szenario er Stromverbrauch in den nächsten zwei Jahrzehnten weiter steigen. Der Anteil des Stroms am Endenergieverbrauch werde dabei bis 2040 das derzeit führende Öl überholen. Photovoltaik und Windkraft werden fast den kompletten Anstieg des Stromverbrauchs ausmachen, so die IEA.

Allerdings gelte es neben der Energiewende auch die Versorgungssicherheit für die Regierungen weltweit im Blick zu behalten. Die traditionellen Risiken seien nicht verschwunden, und neue Gefahren wie Cybersicherheit und extreme Wetterbedingungen erforderten ständige Wachsamkeit, schreibt die IEA. Die Politik müsse zudem schnell handeln, um die Energiesysteme auf den flexibleren Betrieb der Erneuerbaren abzustimmen.

Unterdessen erfordert die fortschreitende Transformation des Elektrizitätssektors, dass die politischen Entscheidungsträger schnell handeln, um mit dem technologischen Wandel und dem steigenden Bedarf an einem flexiblen Betrieb der Stromsysteme Schritt zu halten. „Die Welt muss sich dringend darauf konzentrieren, die globalen Emissionen zu senken. Dazu bedarf es einer großen Koalition aus Regierungen, Investoren, Unternehmen und allen anderen, die sich für den Klimaschutz einsetzen“, sagte Birol weiter. „Unser Szenario für nachhaltige Entwicklung [Sustainable Development Scenario] ist maßgeschneidert, um die Mitglieder einer solchen Koalition bei ihren Bemühungen zu unterstützen, die massive Herausforderung des Klimawandels zu bewältigen, vor der wir alle stehen.“

Die deutliche Verbesserung der Energieeffizienz sei dabei bestens geeignet, um die Energiesysteme nachhaltiger zu machen. Derzeit verlangsamten sich jedoch die Effizienzsteigerungen. Nach IEA-Angaben lag die Rate mit 1,2 Prozent deutlich unter den erforderlichen 3 Prozent.