Solibro stellt Geschäftsbetrieb ein

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Im September gab es noch Hoffnung für die Mitarbeiter des CIGS-Dünnschicht-Herstellers Solibro aus Thalheim in Sachsen-Anhalt: Das Amtsgericht Dessau-Roßlau hatte eine Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung genehmigt. Ein Sanierungskonzept sollte dem Photovoltaik-Unternehmen wieder eine Zukunft geben.

Nun muss die Solibro GmbH jedoch ihren Geschäftsbetrieb einstellen – die Gesellschafter haben die für die Sanierung vorgesehenen und bis zum 31. Oktober 2019 zugesagten Mittel nur zu einem geringen Teil zur Verfügung gestellt. Die chinesische Geschäftsführung hat den Antrag auf Eigenverwaltung zurückgenommen. In der Folge wurde das Regelinsolvenzverfahren über das Vermögen Solibros eröffnet. Das teilt der Insolvenzverwalter Henning Schorisch von der Kanzlei hww hermann wienberg wilhelm aus Halle an der Saale mit.

Mit Solibro verschwindet einer der letzten verbleibende Photovoltaik-Hersteller des bei Bitterfeld gelegenen Solarvalley Mitteldeutschland. Das Unternehmen hatte wiederholt mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Bereits 2015 musste es wegen der schwachen Auftragslage Kurzarbeit anmelden. Zuletzt verwies Solibro auf die schwierige Marktsituation sowie auf die Aufhebung der Zölle auf importierte Photovoltaik-Module aus China.

Solibro ist 2012 vom chinesischen Photovoltaik-Konzern Hanergy übernommen worden. In einer Mitteilung an pv magazine teilte Hanergy im vergangenen August mit, nicht mehr an der Solibro GmbH beteiligt zu sein. Allerdings ist das Unternehmen bis heute (4. November 2019) auf der europäischen Hanergy-Website als Tochter gelistet.

Insolvenzverwalter Schorisch erklärt, dass im Rahmen der vorläufigen Eigenverwaltung zwar zeitnah ein Prozess zum Verkauf des Unternehmens im Ganzen oder in Teilen aufgesetzt worden sei. Dieser habe jedoch in der Kürze der Zeit keine belastbaren Ergebnisse gebracht. „Interesse ist zwar mehrfach bekundet, jedoch seien mindestens weitere sechs Wochen erforderlich, um die Belastbarkeit des Interesses verifizieren zu können und erste Kaufpreisangebote zu erreichen“, so der Rechtsanwalt.

Nachdem auch ein Versuch einer Kreditierung durch eine Bank scheiterte, musste Schorisch die verbliebenen etwa 170 Mitarbeiter kündigen und weitgehend freistellen, um diese in Lage zu versetzen, Leistungen der Bundesagentur für Arbeit in Anspruch nehmen zu können. Von der Freistellung ausgenommen sind zehn Beschäftigte, deren Aufgabe es ist, das Unternehmen in den kommenden Wochen zusammen mit dem Insolvenzverwalter zu liquidieren.

„Ich habe die Mitarbeiter als sehr motivierte homogene Einheit erlebt, welche sich über Jahre und während der vorläufigen Eigenverwaltung für das schon seit längerer Zeit kaum noch funktionale Unternehmen eingesetzt haben“, erklärt Schorisch. „Insofern sei trotz der bedauernswerten Notwendigkeit der Beendigung aller Arbeitsverhältnisse positiv hervorzuheben, dass es durch konstruktive Verhandlungen mit dem Betriebsrat der Solibro GmbH und der IG Metall gelungen ist, einen Interessenausgleich und Sozialplan nach Maßstäben der Insolvenzordnung zu vereinbaren.“