DIW-Studie: Deutschland erreicht Klimaziele für 2020 frühestens 2025

Teilen

Bereits heute ist klar, dass Deutschland sein Klimaziel für 2020 verfehlen wird. Eine neue, von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt nun, dass es mit Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung mindestens bis 2025 dauern wird, die für 2020 gesetzte Marke – die Minderung des CO2-Austoßes um 40 Prozent gegenüber 1990 – zu erreichen. Dieses Ziel verlangt, die CO2-Emissionen auf 750 Millionen Tonnen zu reduzieren. Das Bundesumweltministerium geht davon aus, dass sie 2020 jedoch bei 836 Millionen Tonnen liegen werden. Durch das verpasste Ziel gelangen über das kommende Jahrzehnt insgesamt 800 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich in die Atmosphäre. „Mit jedem weiteren verlorenen Jahr macht die Bundesregierung den notwendigen CO2-Reduktionspfad steiler“, sagt Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid.

Die DIW-Forscher gehen davon aus, dass die im Klimaschutzprogramm genannte Einführung eines Emissionshandels für den Verkehr und den Wärmesektor praktisch keine Lenkungswirkung hat, wenn die CO2-Preise tatsächlich wie von der Bundesregierung geplant bei 10 bis 35 Euro pro Tonne liegen werden. Die Vermeidungskosten liegen im Verkehrssektor hingegen bei 180 bis 240 Euro. Der CO2-Preis müsste also deutlich höher eingeführt werden und stärker ansteigen als im Klimaschutzprogramm vorgesehen, um hier die nötige Reduktion zügig zu erreichen. Auch im Wärmesektor könnten Emissionsminderungen nur mit einem deutlich höheren CO2-Preis erreicht werden.

Um die künftigen Emissionen im Stromsektor abzuschätzen zu können, haben die DIW-Forscher die erwartete Entwicklung des Stromsektors von 2020 bis 2030 unter Einbeziehung aller bisher von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen wie der Umsetzung der Empfehlungen der Kohlekommission oder der Maßnahmen des Klimapakets modelliert. Die Experten kommen zu dem Ergebnis, dass Deutschland alle Klimaziele verfehlen wird, wenn keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden. So werden die CO2-Emissionen mit dem Klimaschutzprogramm und dem Kohleausstiegsplan bis 2030 nur auf 173 Millionen Tonnen sinken – 20 Millionen Tonnen mehr als es nach dem Klimaschutzziel zulässig ist.

Der Anteil der Erneuerbaren an der Stromnachfrage entspricht im Jahr 2025 circa 52 Prozent und 2030 etwa 56 Prozent. Somit wird auch hier das gesetzte Ziel der Bundesregierung, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis 2030 auf 65 Prozent zu steigern, deutlich verfehlt. Um die anvisierte Marke zu erreichen, muss der Photovoltaik-Zubau zügig auf jährlich 4,3 Gigawatt gesteigert werden, so die DIW-Forscher. Bei Windenergie an Land sind 4,4 Gigawatt nötig.

„Der Stromsektor müsste – auf Grund der höchsten potenzialen Vermeidungseffekte – überproportional und möglichst schnell die bestehende Lücke zu den Klimaschutzzielen schließen“, heißt es in der Studie. Die Emissionen im Stromsektor werden ohne zusätzliche Klimaschutzinstrumente von 2020 bis 2025 aber nur um 20 Millionen Tonnen CO2 sinken. „Dies ist nicht einmal ausreichend, um eine proportionale Erreichung der Sektorziele zu erreichen. Erst durch weitere Reduktionen von 2025 bis 2030 werden die Emissionen weiter sinken, so dass der Stromsektor 2026 seinen proportionalen Anteil für das 2020er-Ziel einhält.“