Dena schlägt zehn Maßnahmen zur kurzfristigen Entlastung der Stromnetze vor

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Neue Regeln für den netzdienlichen Einsatz von Flexibilitäten hat am Donnerstag die Deutsche Energieagentur vorgelegt. Die Vorschläge basieren auf einem Gutachten der Consentec GmbH und wurden im Rahmen der Initiative für Netzflexibilität erarbeitet. Insgesamt zehn regulatorische Maßnahmen können demnach die Stromnetze kurzfristig entlasten. „Spätestens bis zum Ende dieser Legislaturperiode sollte die Politik einen gesetzlichen Rahmen schaffen, damit die in Pilotprojekten wie den „Schaufenstern intelligente Energie“ entwickelten Technologien und Mechanismen auch in der Praxis zum Einsatz kommen können“, sagte Dena-Chef Andreas Kuhlmann.

Zu den vorgelegten Empfehlungen gehört beispielsweise, Flexibilitätstechnologien wie Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen in der Niederspannungsebene so einzusetzen, dass sie für den Netzbetrieb einen Nutzen bringen. Auch die Steuerung flexibler Lasten in Unternehmen und die Verwendung von Strom zur Erzeugung von Wärme seien geeignete Schritte, um Schwankungen auszugleichen und Netzengpässe zu verhindern. Die Initiative Netflex schlägt zudem vor, die Netzentgeltsystematik und die Anreizregulierung weiterzuentwickeln, weil diese bisher den netzdienlichen Einsatz von Flexibilitätstechnologien erschweren.

Wie die Dena weiter mitteilt, könnte auf der Niederspannungsebene §14a des Energiewirtschaftsgesetzes die Bereitstellung von Flexibilität anreizen: Kleine Verbraucher wie Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen können demnach ein reduziertes Netzentgelt zahlen, wenn sie sich nach den Erfordernissen des Netzes steuern lassen. Bisher lasse sich das Flexibilitätspotenzial dieser Kleinverbraucher jedoch nicht ausschöpfen, da der Paragraph noch konkretisiert werden müsse. Dazu gebe es inzwischen einen Lösungsvorschlag des Bundeswirtschaftsministeriums, dessen Ausarbeitung und Umsetzung für das kommende Jahr geplant sei.

Für die höheren Spannungsebenen empfiehlt die Initiative die Schaffung eines Handelsplatzes, um die Vergütung und den Einsatz lastseitiger Flexibilität marktbasiert zu gestalten. Dort könnten lokale Flexibilitätsangebote effizient gebündelt werden, um den Netzbetreibern Zugriff auf die Anlagen zu geben und physische Engpässe im Netz zu beheben oder zu reduzieren. Parallel müssten jedoch geeignete Maßnahmen entwickelt werden, um strategisches Bieterverhalten zu verhindern, das zu Ineffizienzen führen würde.

Die Initiative kritisiert, dass der netzdienliche Einsatz von Flexibilitäten derzeit durch die Netzentgeltsystematik und die Anreizregulierung gehemmt wird. Beispielsweise könne zurzeit ein Flexibilitätsabruf höhere Entgelte für den Anbieter verursachen. Wegen des finanziellen Risikos würden in solchen Fällen die Flexibilisierungspotenziale ungenutzt bleiben. Die aktuelle Anreizregulierung wiederum führe dazu, dass dem Netzbetreiber die Kosten der Nutzung erzeugungsseitiger Flexibilität anerkannt werden, die Kosten lastseitiger Flexibilität aber nicht. Dadurch entstehe eine Schieflage zwischen den last- und erzeugungsseitigen Engpassmaßnahmen, obwohl beide gleichermaßen wirkungsvoll sind. Die Initiative für Netzflexibilität spricht sich daher dafür aus, alle Optionen für das Engpassmanagement bei der Kostenanerkennung gleich zu behandeln.