Engie kauft den insolventen Offgrid-Spezialisten Mobisol

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Für Engie sind netzferne Photovoltaik-Lösungen in Afrika kein neues Geschäftsfeld: Über seine Tochter Fenix ​​International bietet der Energiekonzern eigenen Angaben zufolge bereits Solar-Home-Systeme in Uganda, Sambia, Nigeria, Benin, Côte d’Ivoire und Mosambik an, hinzu kommen Minigrid-Lösungen über Engie Powercorner in Tansania und Gambia. Jetzt will der Energiekonzern das deutsche Start-up Mobisol übernehmen und so zum Marktführer für dezentrale Energieangebote in Afrika werden.

Mobisol hat in den vergangenen Jahren vor allem an Photovoltaik-Lösungen in Afrika gearbeitet. Das Geschäftsmodell ist dabei ein Mix aus Technologie, Finanzierung und Distribution, dass vor allem Menschen in netzfernen Regionen mit Solarstrom versorgen soll. Im April 2019 musste Mobisol Insolvenz anmelden und teilte damals mit, sich durch ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung sanieren zu wollen. „Sehr schön ist, dass wir mit Engie einen wirklich hervorragenden Partner unter vielen, hochprofessionellen Bietern gefunden haben und für die über 60 Mitarbeiter in Berlin aber auch die über 500 festen und weiteren 300 freien Mitarbeiter in Afrika eine Perspektive schaffen konnten“, sagte Sanierungs-Geschäftsführer Stefan Weniger am Dienstag.

Wie Engie weiter mitteilte, verfügt Mobisol über Niederlassungen in Tansania, Ruanda und Kenia und hat bereits mehr als 150.000 Solaranlagen installiert, die über 750.000 Menschen in Subsahara-Afrika mit Energie versorgen. Durch die Akquisition von Mobisol könne Engie seine Solar-Home-Systeme in drei weiteren Ländern anbieten. Der Abschluss der Übernahme von Mobisol soll erfolgen, sobald alle Genehmigungen der zuständigen Aufsichtsbehörden vorliegen. Laut Mobisol steht die Entscheidung der Kartellbehörde in Tansania noch aus, diese werde im Herbst erwartet. „Grundsätzlich sind wir zuversichtlich, dass die Wettbewerbsbehörde grünes Licht gibt“, so Mobisol-Sachwalter Friedemann Schade.

Mobisol zufolge hat der Gläubigerausschuss der Übernahme bereits zugestimmt. Engie plane, das Unternehmen danach weiterzuentwickeln. Sowohl das Unternehmen Mobisol als auch die Idee dahinter solle weiterleben, außerdem würden alle Arbeitsplätze erhalten. „Eine besondere Herausforderung war die immense Komplexität aus sieben verschiedenen, teils sehr speziellen, Jurisdiktionen“, sagte Daniel Fritz von Dentons Europe, der Mobisol in der Eigenverwaltung unterstützt. Der gesamte Prozess habe laufend mit englischem, chinesischem, deutschen, kenianischem, ruandischem, tansanischen und mauritianischem Recht abgestimmt werden müssen. Dabei habe das gesamte Team wunderbar zusammengewirkt.