Politische Energie for Future

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Ziviler Ungehorsam gegen eine verantwortungslose Klimapolitik ist angemessen und notwendig. Schließlich geht es um nichts weniger als um die Zukunft der jungen Generation.

Zwölf Städte in Deutschland haben bereits den „Klimanotstand“ ausgerufen – meist wurden sie von der „Fridays for Future“-Bewegung dazu gedrängt. Hierzulande wurden im Juni die höchsten Temperaturen aller Zeiten gemessen. Auch die CDU-Vorsitzende AKK sagt inzwischen „Wir können so nicht weiterleben“.

Bis zu 40.000 junge Menschen aus 16 Ländern haben in Aachen für Klimaschutz demonstriert und 6.000 Aktivisten haben gut vorbereitet im Rheinland Aktionen für einen raschen Kohleausstieg unternommen. Selbst der bayerische Ministerpräsident Söder will jetzt einen Kohleausstieg schon 2030 anstatt wie die Bundesregierung erst 2038. Was für ein Erfolg der neuen jungen Klimaschutz-Bewegung – parteiübergreifend.

Das Klima-Thema hat politische Hochkonjunktur. Es bringt neue Energie in die Politik.

Kein Wunder! Denn die Alt-Parteien CDU/CSU, SPD und FDP haben dieses Überlebensthema in den letzten Jahren komplett verpennt. Wer aber trotz eindeutiger Warnungen der Klimawissenschaft alle Weckrufe über Jahrzehnte ignoriert und seine Hausaufgaben nicht macht, darf sich über Schulstreiks der Jungen nicht wundern. Beim Thema Hausaufgaben können und sollen Schüler und Schülerinnen mitreden. Der Vorsitzende der Grünen, Robert Habeck, wird zurzeit bei Umfragen doppelt so oft als nächster deutscher Kanzler gewünscht wie die CDU-Vorsitzende.

Wer heute Schüler fragt, warum sie wegen des Klimas die Schule schwänzen, bekommt diese Antwort: „Warum in der Schule lernen, wenn wir eh keine Zukunft haben!“.

Ziviler Ungehorsam gegen eine verantwortungslose Klimapolitik ist angemessen und notwendig. Schließlich geht es um nichts weniger als um die Zukunft der jungen Generation. So viel ziviler Ungehorsam ist auch vom Grundgesetz Artikel 20 gedeckt.

Erst durch die Freitags-Demonstrationen wachen jetzt in Deutschland und in vielen anderen Ländern immer mehr Menschen auf: Nach der „Fridays for Future“-Bewegung entstanden „Scientists for Future“, „Parents for Future“, „Grandparents for Future“, Journalists for Future“, „Farmers for Future“. Wann folgen „Churches for Future“?

Wann folgen „Churches for Future“?

Kirchen sollten eine Schöpfungs-Spiritualität lernen und verkünden. Stoff genug dafür finden Sie bei Jesus, bei Buddha und bei Mohamed und bei vielen Heiligen wie bei Franziskus von Assisi. Allen Religionsstiftern ging es um die Bewahrung der Schöpfung. Zum Glück zeigen sich sowohl Papst Franziskus wie auch der Dalai Lama solidarisch mit der 16-jährigen Greta Thunberg und bezeichnen sie als großes Vorbild.

Schulstunden „Freitag for Future“

Schulen sollen und wollen auf das Leben vorbereiten. Und zwar konkret und praktisch. Claus Leggewie, der als Professor  seit vielen Jahren zum Thema Klimawandel als Kulturwandel forscht, schlägt vor, den „Freitag for Future“ in allen Schulen einzuführen.

Dabei könnte es in Theorie und Praxis um die Zukunftsthemen Energiewende, Verkehrswende, Bauwende, Wasserwende, Raumpolitik, Landwirtschaftswende sowie Arbeitswende in der globalisierten und digitalisierten Welt gehen. Also darum wie eine nachhaltige Wirtschaft organisiert werden kann.

Wir brauchen noch viele Freitage für eine gute Zukunft. So lernen schon Kinder und Jugendliche ein Grundvertrauen in ihre eigene Zukunft. Ihre jetzt wachsende Fähigkeit zur Empörung auf den Straßen ist schon mal eine gute Voraussetzung dafür. Diese Fähigkeit  könnte sogar den Ideen-Wettbewerb der politischen Parteien für mehr Klimaschutz beflügeln. Nur zu!

— Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte auf www.sonnenseite.com. —

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