Eon setzt weiter auf Atomenergie

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Die Eon-Tochter Preussen Elektra hat in den Vereinigten Arabischen Emiraten einen Dienstleitungsvertrag mit dem Betreiber von vier neuen Kernkraftwerken unterzeichnet. So berichtete es am Samstag die Main-Post in der Printausgabe auf der ersten Seite.

In einem Vortrag vor örtlichem Publikum am stillgelegten Atomkraftwerk Grafenrheinfeld hat Preussen Elektra-Chef Guido Knott dies bekannt gegeben und sogar ein unverhohlenes Plädoyer für die Atomenergie gehalten. Dabei waren ihm Halbwahrheiten nicht zu schade, um polemisch gegen die Erneuerbaren Energien zu opponieren. Der ehemalige Leiter des AKW Grafenrheinfeld Reinhold Scheuring stellte die Atomkraft sogar als unverzichtbar für den Klimaschutz dar. Knott argumentierte mit dem geringeren Windstrom in diesem windschwachen Sommer und behauptete, deshalb sei der Betrieb der noch laufenden Atomkraftwerke notwendig gewesen. Er verschwieg die Rekordernte des Solarstromes in diesem Sommer und auch das Drosseln der Leistung der Atomkraftwerke, weil wegen zu hohen Temperaturen der Flüsse nicht mehr genügend Kühlwasser zur Verfügung stand.

Eon täuscht die Öffentlichkeit. In vielen Statements wurde ein Strategiewechsel hin zu Erneuerbaren Energien behauptet. Auf der Internetseite von Eon steht gar: „Deshalb konzentrieren wir uns bei Eon vollständig auf die neue Energiewelt. Wir arbeiten hart an Wind-, Solar- und Bioenergie, um die Zukunft zum Leuchten zu bringen.“ (https://www.eon.com/de/geschaeftskunden/erneuerbare-energie.html)

Die Atomgeschäfte von E.On in den Emiraten belegen, dass Eon es nicht wirklich ernst meint mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien. Eon und RWE hatten es 2010 schon einmal geschafft, mit massiver politischer Lobbyarbeit den rot-grünen Atomausstieg mit der Laufzeitverlängerung unter Kanzlerin Merkel zu torpedieren. Zwar beteuerte Guido Knott in Grafenrheinfeld am gesetzlichen Atomausstieg festhalten zu wollen. Sein Plädoyer für die Atomkraft und seine neuen Atomgeschäfte in den Emiraten lassen aber erhebliche Zweifel aufkommen, dass Eon es damit wirklich ernst meint. Auch den mit der rot-grünen Bundesregierung geschlossenen Atomausstiegsvertrag hatte Eon ja gebrochen.

Der Atomausstieg ist längst nicht verwirklicht in Deutschland, schon gar nicht in der EU und der Welt. Eon gehört ganz offensichtlich weiter zu den Atomkonzernen, die die erneuerbaren Energien weltweit eher behindern und auf Atomkraft setzt -allen Internetwerbebehauptungen zum Trotz.

— Der Autor Hans-Josef Fell saß für die Grünen von 1998 bis 2013 im Deutschen Bundestag. Der Energieexperte war im Jahr 2000 Mitautor des EEG. Nun ist er Präsident der Energy Watch Group (EWG). Mehr zu seiner Arbeit finden Sie unter www.hans-josef-fell.de. —

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