Wie China den Batteriemarkt übernimmt

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Solange es im Wesentlichen um Laptops und Smartphones ging, hat es kaum jemand zur Kenntnis genommen, doch jetzt ist es kaum noch zu übersehen. Die Produktion moderner Batteriezellen ist in Japan und Südkorea, zukünftig aber vor allem in China zu Hause. Die asiatische Dominanz wird bleiben, denn in Europa sind lediglich asiatische Zellfertigungen geplant. Wenn also ein Teil der Fertigung nach Europa kommen sollte, dann handelt es sich um Standorte asiatischer ­Hersteller in der Nähe der großen Automobilwerke, was logistisch Vorteile bringt. Der Zusammenbau der Batterie erfolgt dann durch den Automobilhersteller.

Die Zelltechnologie und das industrielle Produktions-Know-how für Batteriezellen liegt zukünftig fast ausschließlich bei asiatischen Unternehmen. Europa kann das nicht einfach kopieren, denn es reicht nicht, sich das Produktionsequipment zu beschaffen. Es gehört eine Menge Ingenieurskunst dazu, eine neue Zelle elektrochemisch und materialtechnisch perfekt auszulegen. Und nur optimierte Zellen mit hoher Leistung zu günstigen Kosten haben im Markt eine Chance. Zudem fehlen in Europa und auch in den USA die Wirtschaftspolitik und der Mut für die Zelltechnologie. Das Zell-Know-how gewinnt man durch jahrelange Erfahrung mit den Industrialisierungsprozessen – der Vorsprung, den koreanische und nun auch chinesische Hersteller erreicht haben, ist kaum aufzuholen.

Diese Entwicklung wird sich sogar noch verstärken: Da China auch der größte Markt für Elektrofahrzeuge wird und ausschließlich in China gefertigte Batterien zulässt, bauen sogar japanische und koreanische Unternehmen in China. Inzwischen hat die Pouch- und Prismatic-Zelltechnologie die Technik der runden Zellen längst überholt. Möglich wurden diese Zelltypen allein durch mutige und neue Investitionen der letzten zehn Jahre und durch die hohen Anforderungen des Automobils an Energiedichte, Bauraum und Preis.

Gezielte staatliche Investitionen

Um einmal die Größenordnung zu verdeutlichen: BYD beispielsweise hat inzwischen eine Fertigungskapazität von 15 Gigawattstunden. Das Unternehmen stellt dabei von Eisenphosphat größtenteils auf Nickel-Mangan-Kobalt um. Im Automobilbereich ist es dadurch konkurrenzfähiger, da es Gewicht spart, die Energiedichte erhöht und höhere Entladeleistungen ermöglicht. Nicht ohne Grund ist es dort die Standardtechnologie.

Die rasante qualitative wie quantitative Entwicklung chinesischer Firmen wie Lishen, CATL oder BYD basiert auf aktiver Wirtschaftsförderung, mit der die chinesische Staatsführung gezielt in die Entwicklung bestimmter Technologien investiert – wie wir es ja schon bei der Photovoltaik erlebt haben. Man hat lange an der Vorstellung festgehalten, dass sich in Europa wettbewerbsfähige Solarzellen und -module herstellen lassen. Das ist zumindest im großen Stil nicht mehr möglich – und genauso ist es mit den Lithium-Ionen-Batteriezellen, wo koreanische und nun vor allem chinesische Hersteller schlicht überlegen sind – in preislicher wie in arbeitsproduktiver Hinsicht.

Im Zuge dieser Entwicklung drohen die bisher großen Namen der Batteriewelt langfristig ins Hintertreffen zu geraten, nachdem die gewünschte Entwicklung der E-Mobilität doch länger auf sich warten ließ, in klassischen Absatzmärkten wie dem Smartphone eine Sättigung eintritt und außerhalb Chinas nun offenbar die Investitionsimpulse fehlen. Die beiden koreanischen Batterieriesen LG und Samsung gehören zwar immer noch zu den wichtigsten Zellproduzenten und auch zu großen Playern im stationären Speicherbereich, aber bei den Zelllieferungen für Elektroautos spielt China perspektivisch weltweit in einer anderen Liga.

Die Bedingungen für PV-Speicherhersteller

Was bedeutet das für andere Länder und die Speicheranwendungen? Dass die industriellen Bäume auch in China nicht in den Himmel wachsen, sieht man daran, dass bis dato chinesische Fahrzeuge international nicht wettbewerbsfähig sind: In der Automobilproduktion sind chinesische Hersteller gegenüber der Industrie in Europa, Japan und den USA noch sehr weit zurück.

Dabei gehen alle Skaleneffekte vom elektrischen Automobil und – weit dahinter – von leistungsstarken stationären Großspeichern aus. Im Markt der stationären Speicher machen global betrachtet die zum Peak-Shaving oder zur Netzstabilisierung eingesetzten Großsysteme mit knapp 80 Prozent den Löwenanteil der Kapazität aus. Diese großen Speicher stehen oft gar nicht so eng mit erneuerbaren Energien in Zusammenhang, wie wir es in Deutschland erwarten. Der Heimspeichermarkt ist dagegen im globalen Maßstab noch klein, auch wenn er in Deutschland, Australien und den USA relativ viel Aufmerksamkeit genießt.

Der Heimspeichermarkt ist zwar nicht der große Treiber im Batteriegeschäft, strategisch gesehen aber auch nicht ganz unbedeutend für die Residential-Linie der Lieferanten. E3/DC bezieht beispielsweise eine Größenordnung von 70 Megawattstunden. Meine Reise hat mich daher in der Analyse bestärkt, dass die Befürchtung, es komme wegen des Wachstums der Elektromobilität bei den Heimspeichern zu Lieferengpässen, unbegründet ist. Bei guter internationaler Vernetzung können Zellen und Batterien weiterhin zu marktfähigen Konditionen bezogen werden. Daran ändern auch Spekulationen über Rohstoffe nichts. Gleichwohl ist die Vorstellung illusorisch, dass aus dem Heimspeichermarkt Impulse kommen, die bei asiatischen Zell- und Batterieherstellern die Investitionsentscheidungen bestimmen.

Wie wird der Speichermarkt wachsen? Die Großspeicherprojekte dominieren weltweit bei der Kapazität, sind aber für Speicherhersteller kein stabiles langfristiges Geschäft. Dem Heimspeichermarkt fehlt es noch an Größe, das Wachstum dieses Marktes ist oft herbeigeredet worden, muss sich aber erst langfristig über Gebäudestandards und Elektroautonutzung im Eigenheim entwickeln.

In Deutschland, das getrieben durch das EEG die Hälfte des Marktes im Heimspeichersegment weltweit ausmacht, tritt der Speichermarkt nun in eine zweite Phase ein. Bisher ist der Markt in seiner Aufbauphase exponentiell gewachsen, das ändert sich jetzt. Das zukünftige Wachstum ist linear mit leichten Sprüngen 2020 und 2023, da es sehr stark an die weitere Photovoltaiknachfrage und an das Potenzial bei Nachrüstungen gekoppelt ist. Ab 2023/24 kommen dann langsam auch Anlagen dazu, die aus der EEG-Vergütung fallen. Anfangs sind das aber noch nicht so viele, da der Phototovoltaikzubau 2003 noch gering war. Der Heimspeichermarkt wird allerdings auch begrenzt durch die Kapazitäten der Photovoltaikfachbetriebe. Auch fallende Preise von Batteriesystemen und Modulen tragen nämlich nicht unbedingt zur Attraktivität des Marktes für Fachbetriebe bei, denn die Auftragsvolumina sinken. Der deutsche Speichermarkt weist daher perspektivisch nach unseren Annahmen in den nächsten Jahren ein Wachstumspotenzial von zehn Prozent pro Jahr auf.

— Der Autor Dr. Andreas Piepenbrink ist Geschäftsführer der E3/DC GmbH. Das Osnabrücker Unternehmen wurde 2010 gegründet. E3/DC entwickelt und produziert Lösungen für Energiespeicherung, Ersatzstromversorgung und E-Mobilität. —

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