Frau Bundeskanzlerin: Noch können wir es schaffen!

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Der Klimawandel erzeugt Kriege und Massenflucht, Dürre und Stürme, Starkregen und Artensterben. Aber für Deutschlands Regierungschefin ist die immer wahrscheinlichere Katastrophe ein zweitrangiges Thema geworden. Einst stand sie mit ihrem damaligen Umweltminister Sigmar Gabriel vor den schmelzenden Gletschern Grönlands und meinte: „Der Klimawandel ist die Überlebensfrage der Menschheit“. Gilt diese dramatische Analyse heute nicht mehr?

Zehn Jahre nach Merkels Warnung haben wir mehr extreme Wetterereignisse, weit mehr Klimaflüchtlinge und deswegen ein beängstigendes Anwachsen von Fremdenhass und Neo-Nationalismus. Alles hängt mit allem zusammen. Laut UNO-Schätzung könnten es bis Mitte unseres Jahrhunderts 500 Millionen Klima-Flüchtlinge sein.

Wer, wenn nicht Deutschland könnte beim Klimaschutz vorangehen, fragten internationale Experten auf der Nachhaltigkeitstagung? Dazu braucht es freilich „engagierte Führungsverantwortung“ war im Kanzleramt zu hören.

Wenigstens die frühere Regierungschefin von Neuseeland, Helene Clark, beschrieb auf der Tagung, was Deutschland jetzt tun müsste und könnte: Ausstieg aus der Kohle, besserer Schutz von Böden, Gewässern und Artenvielfalt, schnellerer Umstieg auf erneuerbare Energien.

Oder: Forstwirtschaftler fordern seit Jahrzehnten einen sofortigen Stopp des Abholzens und Abbrennens von Regenwäldern und ein Wald-Aufforstungsprogramm auf 200 Millionen Hektar in den Tropen und Subtropen. Das würde, daran hat soeben der Umweltforscher Harald Welzer erinnert, die weltweit emittierten Klimagase mehr als halbieren.

Deutschland gehörte im Jahr 2010 zu den Initiatoren eines solchen Programms. Doch passiert ist nicht viel. Genauso wie bei den früheren nationalen Klimaschutzzielen Deutschlands unter Angela Merkel.

Beim Atomausstieg 2011 und beim Ansturm der Flüchtlinge 2015 hat die Kanzlerin beherzt und mutig gesagt „Wir schaffen das“. Ein ähnlicher Ruck steht jetzt endlich auch beim Klimaschutz bevor.

Frau Bundeskanzlerin: Wir könnten es noch schaffen, aber wir haben nicht unendlich viel Zeit.

— Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte auf www.sonnenseite.com. —

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