Jürgen Stein tritt als Chef von Solarworld Americas zurück

Jürgen Stein

Die Tinte unter dem Kaufvertrag von Solarworld Americas durch Sunpower ist noch nicht trocken und die Genehmigung seitens der Aufsichtsbehörden noch nicht erteilt. Aber es gibt bereits große Veränderungen in der Firma, welche die Zell- und Modulherstellung in den USA durch drei wichtige Handelsstreitigkeiten geführt hat. Wie Solarworld am Dienstag bekannt gab, ist Präsident und CEO Jürgen Stein zurückgetreten. Stein leitete das Unternehmen während des Section-201-Prozesses, bei dem es um verschiedene Maßnahmen zum Schutz der US-Solarindustrie ging.

Zuvor war Jürgen Stein bei der früheren deutschen Muttergesellschaft Solarworld AG tätig und löste 2017 bei Solarworld Americas CEO Mukesh Dulani ab. Er war erst einige Monate im Amt, als Solarworld Americas entschied, sich als Befürworter der Section-201-Petition Sunviva anzuschließen, was ihm und dem Unternehmen den Antagonismus eines Großteils der Industrie einbrachte. Stein war der dritte CEO, der Solarworld Americas durch den Handelsstreit führte – nach CEO Gordon Brinser und CEO Dulani.

John Boken übernimmt

Die Nachfolge von Jürgen Stein übernimmt übergangsweise John Boken, was von Solarworld Americas als „pre-integration management transition” bezeichnet wird. Boken gehört dem Solarworld-Vorstand an und ist außerdem Senior Managing Director bei Zolfo Cooper, einer Restrukturierungsfirma. Bokens Biografie auf der Webseite von Zolfo Cooper zufolge hat der Manager persönlich mehr als 75 Restrukturierungsprojekte in einer Reihe von Branchen geleitet hat, unter anderem beim Öl- und Gaskonzern Flying J und bei Southern California Edison.

Einer Presseerklärung von Solarworld Americas zufolge wird Boken das Integrationsplanungsteam des Unternehmens sowie die Bemühungen des Managementteams und der Berater von Solarworld Americas leiten, um den Abschluss der Sunpower-Transaktion zu erleichtern. Sunpower hat zwar angekündigt, Solarworlds Werk in Oregon zu nutzen, um sowohl Module der P-Serie als auch ältere Solarworld-Produkte herzustellen. Die Erfahrung von Boken scheint jedoch eher darin zu liegen, unrentable Unternehmen zu zerlegen. Laut Webseite von Zolfo Cooper erfordern John Bokens Kundenaufträge oft die Entwicklung und Umsetzung einer mehrgleisigen Turnaround- und Restrukturierungsstrategie mit Fokus auf die Verbesserung der operativen Leistung, die Schließung unprofitabler Geschäfte, die Veräußerung von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögenswerten und die Anpassung der Bilanz, um zukünftiges Wachstum zu ermöglichen.

Jürgen Stein wird bis zum 30. Juni 2018 in einer beratenden Funktion bei Solarworld Americas bleiben. Das Unternehmen stellt fest, dass dies Boken und das Management-Team bei verschiedenen operativen Initiativen sowie laufenden Aktivitäten im Zusammenhang mit den vergangenen Handelsstreitigkeiten des Unternehmens unterstützen wird.