Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlicht Energieatlas 2018

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Die Heinrich-Böll-Stiftung, die Green European Foundation, die European Renewable Energies Federation und Le Monde Diplomatique haben den „Energieatlas 2018 – Daten und Fakten über die Erneuerbaren in Europa“ veröffentlicht. Die aktuellen europäischen Effizienz- und Erneuerbaren-Ziele seien unzureichend und würden Innovation hemmen, teilten dabei die Herausgeber des Atlasses am Dienstag anlässlich der Veröffentlichung in Berlin mit. Das Gelingen der deutschen Energiewende hänge von den gemeinsamen europäischen Anstrengungen in der Klima- und Energiepolitik ab. Die Herausgeber fordern ehrgeizigere EU-Strategien für eine Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung der europäischen Energieversorgung, um Europas Energieimportabhängigkeit zu reduzieren.

Grafik: Energieatlas 2018 / Wikipedia, EEA, https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de
Wichtige EU-Programme mit dem Energiemix im Jahr ihrer Verabschiedung, Laufzeiten und Ziele in Prozent

Grafik: Energieatlas 2018 / Wikipedia, EEA, https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de

Als weltweit größter fossiler Energieimporteur musste die EU 2017 demnach 54 Prozent ihres Energiebedarfs für insgesamt 272 Milliarden Euro einführen – seit 2013 würden sich die Ausgaben für fossile Energieimporte auf über 1.500 Milliarden Euro summieren. Europa sei dabei stark vom schwankenden Ölpreis abhängig. Fossile Brennstoffe würden in Europa immer noch mit 110 Milliarden Euro jährlich subventioniert. Zum Vergleich: die Erneuerbaren erhielten nur 40 Milliarden Euro. „Deshalb gehören zum Umstieg auch ein Ende der kostenlosen Emissionszertifikate und Subventionen für Erzeuger von Energie aus fossilen Brennstoffen“, sagt Ellen Ueberschär, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. „Zentralisiert und importabhängig, kohlelastig und emissionsintensiv, umweltschädlich und teuer – so präsentiert sich Europas Energieversorgung auch noch gut zwei Jahre nach dem Pariser Klima-Abkommen.“

Ueberschär fordert eine europäische Energiewende: diese schaffe die technologischen wie politischen Voraussetzungen für 100 Prozent Erneuerbare in gemeinsamen, intelligenten Netzen und sei in Europa technisch bereits heute möglich – und nur begrenzt teurer als im „Weiter-So“-Szenario.

Gegen einen konsequenten Energieumbau wird jedoch häufig der Verlust von Arbeitsplätze angeführt. Die Herausgeber haben diesbezüglich in ihrem Atlas die Auswirkungen auf die Wirtschaft abgebildet. Demnach hat die Energiewende in Europa seit 2014 bereits über eine Million Arbeitsplätze in ganz Europa geschaffen, in Deutschland allein 334.000. Weltweit betrachtet befanden sich dem Atlas zufolge die meisten Erneuerbaren-Arbeitsplätze in China mit insgesamt 3,65 Millionen, über die Hälfte davon im Bereich Photovoltaik. „Bei erneuerbaren Energien hat der Exportriese Deutschland ganz anders als sonst in der Wirtschaft längst den Anschluss an die Weltelite verloren“, kommentiert Hans-Josef Fell die Zahlen aus dem neuen Energieatlas. Der Grünen-Politiker ist Präsident der Energy Watch Group und war Mitautor des EEG 2000.

Die Autoren des Energieatlasses haben auch für zwölf EU-Länder den Vergleich zwischen 2005 und 2015 gezogen im Hinblick auf Wirtschaftsleistung, Treibhausgasemissionen und dem Erneuerbaren-Anteil am Energiemix. Demnach stieg die Wirtschaftskraft in Deutschland in diesem Zeitraum um 15,6 Prozent, die Treibhausgasemissionen sanken um 8,7 Prozent und der Erneuerbaren-Anteil stieg um 7,9 Prozent.

Grafik: Energieatlas 2018/AEE, https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de
Installierte Leistung zur Erzeugung von erneuerbarem Strom nach Eigentümergruppen und Energiequellen, 2012 und 2016, in Gigawatt und Prozent.

Grafik: Energieatlas 2018/AEE, https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de

In vielen Ländern hätten Bürger, Kommunen und Städte die Energiewende selbst in die Hand genommen, sagt Ueberschär. „Im Kern geht es bei der europäischen Energiewende auch um Demokratie, Teilhabe und soziale Gerechtigkeit.“ So bildet der Atlas beispielsweise auch die Besitzerstruktur in Deutschland im Bereich der Photovoltaik ab. Demnach waren im Jahr 2016 von den 41 Gigawatt an installierter Photovoltaik-Leistung 49 Prozent in Bürgerhand, 45 Prozent in Hand von Finanz- und anderen Investoren und sechs Prozent im Besitz von großen Energieunternehmen.