Kölner Modulworkshop jetzt international

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Wer heute Solarmodule kauft, produziert oder Photovoltaik-Anlagen damit plant, muss sich mit einigen der neuen technologischen Entwicklungen beschäftigen, die seit einigen Jahren den Markt umwälzen und weiter verändern werden. Das ist heute so aktuell wie auch in den vergangenen Jahren. Um am Puls der Zeit zu bleiben, müssten die neuesten Technologien und Trends vorgestellt, beobachtet und bewertet werden. Das ist das Fazit der Tagung „Module Technology & Applications Forum“ von TÜV Rheinland und der Energieagentur NRW, die Montag und Dienstag beim TÜV Rheinland stattfand. Sie ist die Fortsetzung der über Jahre auf Deutsch durchgeführten Modulworkshops in englischer Sprache und für ein internationales Publikum. Laut Florian Reil, mit Erfolg. Von den 220 Teilnehmern seien 60 Prozent von außerhalb Deutschlands aus 25 Ländern gekommen, so der Geschäftsfeldleiter Solar Innovation/Large Scale Projects beim TÜV Rheinland weiter.

„Investitionsgüter sollte man genau untersuchen“, sagt Reil. Sie müssten lange funktionieren. Dafür müsse man die aktuellen technischen Entwicklungen kennen und die neuen Ergebnisse bezüglich Qualitätsproblemen und -sicherung. Denn auch diese verlangten immer wieder neue Ansätze.

Ein Beispiel sind die Rückseitenfolien: Aus Kostengründen hätten einige Hersteller in den vergangenen Jahren , in bestimmten Rückseitenfolien die PET-Schichten auf bis zu einem Viertel der ursprünglichen  Dicke  reduziert, erklärt Jörg Althaus, Geschäftsfeldleiter Solarenergie beim TÜV Rheinland. Die Folien hätten sogar die Tests bestanden, aber im Feld seien Fehler aufgetreten. Mit der Novelle des Standards IEC 61215 gäbe es jetzt die Zusatzforderung, dass eine bestimmte Schichtdicke für das Isolationsmaterial nicht unterschritten werden dürfe. Das müsse aber nicht notwendigerweise nur PET sein.

Ein anderes Beispiel, ist die lichtinduzierte Degradation (LID), die während des Workshops zur Sprache kam. Bei monokristallinen Perc -Modulen sei das Problem weitgehend unter Kontrolle, so die einhellige Meinung. Doch für multikristalline Perc-Produkte nicht. Durch lichtinduzierte Degradation können Module innerhalb der ersten Monate bis zu zehn Prozent ihrer Leistung einbüßen, wie Peter Fath, CEO des Maschinenbauers RCT Solutions, ausführte. Der Effekt sei noch nicht vollkommen verstanden und vermutlich dauere es noch bis zu zwei Jahre, bis man ihn vollkommen im Griff habe. Ähnlich argumentiert Tabea Luka vom Fraunhofer CSP in Halle. Sie und ihre Kollegen haben einen Test entwickelt, mit dem man sowohl Materialien  als auch Module auf LID testen kann. Allerdings benötigt dieser für multikristalline Perc- -Module noch 500 Stunden. Sie lädt dazu ein, sich an der Diskussion über einen Standard zu beteiligen.

Auch in diesem Feld hat die technologische Entwicklung die Standardisierung überholt. Die IEC 61215 schreibe die Präkonditionierung bei 50 Grad vor, mit einem Toleranzfenster von plus minus zehn Grad, so Jörg Althaus. Bei 40 Grad sehe man die lichtinduzierte Degradation bei Perc-Modulen nicht. Daher gehe der TÜV Rheinland, wenn er Module für Investoren prüfen, an die obere Grenze des Temperaturbereichs.

Mit der Modultechnologie schreitet auch die Qualitätskontrolle voran. Wer die Leistung eines Moduls misst, muss die Kalibrierung bis zu einem der nationalen Kalibrierungslabore zurückverfolgen, zum Beispiel bis zum PTB in Braunschweig. Aus dieser ursprünglichen Kalibrierung und den Messunsicherheiten entlang der Kalibrierungskette ergibt sich am Ende die Messunsicherheit für die Leistungsbestimmung in der Produktion. Diese sei wesentlich besser geworden, da die Kalibrierung am Anfang der Kette deutlich genauer von statten gehe als noch vor einigen Jahren und nun bei plus minus 0,25 Prozent liege, so Harald Müllejans vom europäischen Joint Research Center auf der Tagung. Sie liege dadurch jetzt normalerweise am Ende der Kette bei den Herstellern bei rund drei Prozent.

Als praktischen Tipp gibt er den Zuhörern mit, sich die Datenblätter genau anzuschauen. Als Beispiel zitiert er ein solches, auf dem die Genauigkeit mit einem Prozent angegeben ist. Das sei die Unsicherheit zwischen den Messungen an den Modulen, die in einer Produktion in Leistungsklassen sortiert würden. Das sei aber nicht die absolute Messunsicherheit, die kaum unter drei Prozent liegen könne. Das müsse auch auf dem Datenblatt vermerkt sein, so Müllejans.