Energy-Charts: Nettostromerzeugung aus Erneuerbaren 2017 bei 38,3 Prozent

Gleich zu Jahresbeginn haben die Wissenschaftler von Energy-Charts am Fraunhofer ISE die Nettostromerzeugungsdaten für 2017 ausgewertet. Demnach haben die erneuerbaren Energiequellen im vergangenen Jahr etwa 210 Terawattstunden zur öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland beigetragen. Dies seien 15 Prozent mehr als noch 2016. Die erneuerbaren Energien erreichten damit einen Anteil von 38,3 Prozent an der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland, so Bruno Burger, der die Energy-Charts am Fraunhofer ISE verantwortet. Ihr Anteil an der gesamten Bruttostromerzeugung einschließlich der Kraftwerke der „Betriebe im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden“ betrage etwa 35 Prozent.

Die in Deutschland installierten Photovoltaik-Anlagen hätten im vergangenen Jahr 38,4 Terawattstunden ins öffentliche Netz eingespeist. Dies ist Burger zufolge knapp ein Prozent mehr als 2016, liegt allerdings unter dem Rekord von 38,7 Terawattstunden aus dem Jahr 2015. Die maximale Solarleistung sei mit 28 Gigawatt am 27. Mai um 13 Uhr im vergangenen Jahr erreicht worden. Zu diesem Zeitpunkt habe die Photovoltaik einen Anteil von 42 Prozent an der Stromerzeugung erreicht. Nach Burgers Auswertung lag die monatliche Stromerzeugung der Photovoltaik-Anlagen im Juni höher als jene der deutschen Steinkohlekraftwerke.

Wesentlich für den Anstieg des Erneuerbaren-Anteil sei jedoch die Windkraft. Sie legte um etwa 32 Prozent auf 104 Terawattstunden im vergangenen Jahr zu. Der Anteil der Windkraft an Land daran lag bei 85 Terawattstunden – 20 Terawattstunden mehr als 2016. Die Offshore-Windkraft steigerte die Produktion von 12 auf 17,4 Terawattstunden. Hinter der Braunkohle sei die Windkraft damit erstmals die zweitwichtigste Stromquelle in Deutschland gewesen, so Burger in seiner Auswertung. In zehn der zwölf Monate 2017 habe sie die Erzeugung aus Steinkohle und Kernenergie übertroffen. Die maximal erzeugte Leistung sei am 28. Oktober um 20:15 Uhr mit rund 40 Gigawatt erreicht worden.

Gemeinsam hätten die Photovoltaik- und Windkraftanlagen im vergangenen Jahr damit rund 142 Terawattstunden produziert. In Summe lagen sie damit erstmals vor Braunkohle, Steinkohle und Kernenergie, wie Burger ermittelt hat. Die Wasserkraft trug zur öffentlichen Nettoerzeugung etwa 20,9 Terawattstunden bei und die Biomasse rund 47 Terawattstunden.

Die Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Energien legte zu, die fossilen Kraftwerke bauten dagegen ab.

Grafik: Energy Charts/Fraunhofer ISE

Bei den fossilen Kraftwerken verzeichnete Energy-Charts durchgehend rückläufige Beiträge. Die Kernkraftwerke hätten mit etwa 72 Terawattstunden zehn Prozent weniger als 2016 zur Nettostromproduktion beigetragen. Die Braunkohlekraftwerke hätten 134 Terawattstunden und damit 0,7 Prozent weniger produziert. Die Steinkohlekraftwerke verzeichneten einen Rückgang um 16 Prozent auf 83 Terawattstunden, wie Energy-Charts ermittelte. Die Gaskraftwerke blieben mit 46 Terawattstunden etwa auf dem Niveau von 2016.

Wenig verändert hat sich auch beim Exportüberschuss. Die 49,7 Terawattstunden liegen nur leicht unter dem Rekordwert von 2016 mit knapp 50,5 Terawattstunden. Ein Großteil des überschüssigen Stroms sei in die Schweiz abgeflossen, das hauptsächlich als Transitland nach Italien diene, so Burgers Analyse. Knapp dahinter folgten Österreich und die Niederlande. Deutschland habe zudem deutlich weniger Strom aus Frankreich als in den vergangenen Jahren importiert, wobei Deutschland auch eher nur Transitland für den französischen Strom sei. Nach Burgers Analyse ist an etwa 8200 Stunden im Jahr 2017 Strom exportiert und nur an rund 500 Stunden importiert worden. Der eingeführte Strom habe dabei durchschnittlich 28,07 Euro pro Megawattstunde gekostet und der exportierte sei für 35,48 Euro pro Megawattstunde verkauft worden. Für den Außenhandel liegen allerdings bisher nur Zahlen bis Ende Oktober vor.

Der durchschnittliche volumengewichtete Day-Ahead-Börsenstrompreis hat sich nach Energy-Charts-Analysen im vergangenen Jahr auf 32,89 Euro pro Megawattstunde etwas erhöht. Inflationsbereinigt liege er aber noch unter dem Niveau von 2003 und 2004, so Burger.

Kurz vor Jahresende hatten BDEW und ZSW ihre Schätzungen veröffentlicht, wonach die Erneuerbaren im vergangenen Jahr rund 217 Terawattstunden zur Bruttostromerzeugung 2017 beigetragen haben. Damit steigerten sie ihren Anteil auf rund 36 Prozent, was dem Ziel der Bundesregierung für den Erneuerbaren-Anteil im Stromsektor von 2020 entspricht. Die Zahlen zur Bruttostromerzeugung werden auch offiziell von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) erfasst und veröffentlicht.

Bruno Burger verweist darauf, dass er mit seinen Daten zur Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromversorgung den Strommix repräsentiere, der tatsächlich aus er Steckdose komme. Auch an der Strombörse EEX würden ausschließlich die Nettostromerzeugung gehandelt und die grenzüberschreitenden Stromflüsse in Nettozahlen gemessen. Die AGEB berücksichtige dagegen auch die Eigenstromerzeugung der Industrie. Dieser Strom werde aber direkt selbst verbraucht und nicht ins öffentliche Netz eingespeist. Aufgrund der unterschiedlichen Methodik ergeben sich dann eben auch die verschiedenen Ergebnisse bei den Anteilen der erneuerbaren Energien.

Am Donnerstag hatte das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) noch gemeldet, dass Photovoltaik und Windkraft im Dezember einen neuen Allzeitrekord erreichten. Dieser sei vor allem durch die Windenergie getrieben worden. Nach den Hochrechnungen der Übertragungsnetzbetreiber speisten Photovoltaik- und Windkraftanlagen im Dezember insgesamt 15,1 Terawattstunden ein, etwa 50 Prozent mehr als im Dezember 2016. Damit hätten sie mehr als doppelt soviel Strom erzeugt wie die acht deutschen Atomkraftwerke. 14,6 Terawattstunden entfielen im Dezember auf die Windkraft. Der letzte Rekord resultierte vom Oktober 2017 – als Photovoltaik und Windkraft 14,6 Terawattstunden produzierten.