Aufschwung mit Hemmnissen

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„Der Markt ist lebendiger geworden“, sagt Peter Schuth auf die Frage, wie er das Jahr 2017 erlebt hat. Er ist geschäftsführender Gesellschafter bei Avantag Energy, einem EPC aus der Nähe von Trier, der sich vor allem auf große Photovoltaik-Dachanlagen spezialisiert hat. Regionale und überregionale Energieversorger seien dieses Jahr genauso aktiver geworden wie Industrieunternehmen. Insbesondere letztere fragten viel öfter an und hätten ein ernsthaftes Interesse. Doch bei aller Freude gibt es bei vielen Anfragen auch einen Wermutstropfen: „Von der Anfrage bis zum Auftrag vergeht heute mehr Zeit als früher“, sagt Schuth. Das bremst den Aufschwung.

Den Grund dafür sieht er weniger im mangelnden Willen der Anfragenden. Der Industrie geht es gut, daher überlegen die Verantwortlichen, wie sie sinnvoll und nachhaltig investieren können. Doch sie hätten durch das gut laufende Kerngeschäft schlicht zu wenig Zeit, sich weiter um eine Investition in eine Solaranlage zu kümmern. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. „Aufgrund der hervorragenden Wirtschaftlichkeit gerade von Eigenverbrauchsanlagen entscheiden sich viele Kunden dennoch zu gegebener Zeit für ein Solarkraftwerk“, so Schuth. Für das nächste Jahr erwartet er daher ein gutes zweistelliges Wachstums.

Dazu tragen auch die im Vergleich zu vor einem Jahr gefallenen Systempreise bei. Doch sei merklich von der Projektgröße abhängig, wie stark die wirklich nachgegeben haben. Bei großen Dächern sei der Wettbewerbsdruck sehr hoch. „Das gilt insbesondere für die Filetstücke, bei denen man 750 Kilowatt installieren kann“, sagt Schuth. Da sich EPCs darum reißen, führt das zu sinkenden Preisen. Bei kleinen 100 Kilowattanlagen sei der Druck nicht ganz so hoch.

Eine Schwierigkeit seien auch vorübergehend wieder gestiegene Modulpreise gewesen. So habe es zwar keine Knappheit gegeben, aber dafür habe man mehr bezahlen müssen. „In Q3 lag die Preiserhöhung bei rund 12 Prozent“, sagt er. Bereits im November seien die Preise wieder etwas gesunken, hätten aber immer noch sechs bis sieben Prozent über dem Niveau davor gelegen. „Damit können wir aber leben“, sagt er.

In 2017 ist auch die Begrenzung der Dachanlagen auf 750 Kilowattpeak eingeführt worden, oberhalb derer nur diejenigen Anlagen eine Vergütung bekommen, die in Ausschreibungen einen Zuschlag gewinnen. Ein großes Hindernis sei, dass die über Ausschreibungen finanzierten Anlagen nicht für eine Eigenversorgung des Kunden genutzt werden dürfen. Die gesamte Energie muss ins Netz eingespeist werden. Dies sei gerade für die Kunden aus Industrie und Gewerbe völlig uninteressant, die mit einem Solarkraftwerk auf den eigenen Dachflächen ihre Energiekosten umweltfreundlich und nachhaltig stabilisieren wollen.

Unnötiges Ärgernis mit einigen Nachteilen und Ineffizienzen

Dass nun vor diesem Hintergrund größere Anlagen in zwei 750 Kilowattanlagen mit zwei Bauabschnitten aufgeteilt werden müssten, ist nach Einschätzung Schuths ein unnötiges Ärgernis mit einigen Nachteilen und Ineffizienzen. An eine neue Bundesregierung hat er daher den bescheidenen Wunsch, dass die Größe der möglichen Dachanlagen auf 1 oder 1,5 Megawatt erhöht wird. „Das tut keinem weh und hilft vielen Kunden“, sagt er. Ansonsten wünscht er sich noch wie viele andere, dass die teilweise Abgabe der EEG-Umlage auf eigenverbrauchten Strom abgeschafft wird. Es würde alles helfen, was den Verbrauch vor Ort erleichtert.

Bei den von seinem Unternehmen gebauten Dachanlagen werden seinen Aussagen zufolge Eigenverbrauchsquoten zwischen 30 und 70 Prozent erreicht. Natürlich sei es manchmal wegen der Eigentumsverhältnisse schwierig, das optimal ökonomisch zu nutzen. Denn wenn der Verbraucher nicht der Betreiber ist, muss noch mehr EEG-Umlage abgeführt werden. Die Eigentumsverhältnisse und mögliche sinnvolle Lösungen müsse man von Anfang an mit den Investoren diskutieren, damit ein Projekt nicht scheitert.

 

Die Einführung zu unserer Serie über die Stimmung im Photovoltaik-Handwerk in Deutschland finden Sie unter der Überschrift „Ein gutes Jahr„.  In der Printausgabe vom November finden Sie einen Schwerpunkt zur Marktentwicklung.

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